Heinsberg - Inklusion: Schüler über Lokalen Teilhabekreis informiert

Inklusion: Schüler über Lokalen Teilhabekreis informiert

Von: Anna Petra Thomas
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Denise Lison (links) und Martina Alba informierten die Schüler über die Lokalen Teilhabekreise und das geplante Projekt. Foto: Anna Petra Thomas

Heinsberg. Nicht um das Fach Religion, sondern eine Schulstunde lang um das Thema Inklusion ging es in dieser Woche für einen Kurs der Jahrgangsstufe 11 im Heinsberger Kreisgymnasium. Zu Gast bei Religionslehrer Peter Pergens und seinen Schülern waren Denise Lison von der Koordinierungs-, Kontakt- und Beratungsstelle für Menschen mit geistiger Behinderung (KoKoBe), und Martina Alba, Mitarbeiterin des Caritasverbands.

Beide sind zugleich Koordinatorinnen des Lokalen Teilhabekreises in Heinsberg, der auch im Rennen um den Sozialpreis „innovatio“ steht.

Im Gespräch mit den Schülern ging es zunächst um die Begriffe Inklusion und Teilhabe, also darum, „alle Dinge im Staat so herzurichten, dass alle daran teilhaben können“, erklärte Alba. Noch vielfach vorhandene Barrieren wurden gemeinsam identifiziert, etwa fehlende Rampen für Rollstuhlfahrer. Menschen, denen man ihre Behinderung auf den ersten Blick gar nicht ansehe, müssten behandelt werden, wie alle anderen Menschen auch, forderte eine Schülerin. „Jeder Mensch hat doch seine Macken.“

Es ging um die Frage der Inklusion behinderter Menschen in das Arbeitsleben, um das Thema Wohnen und um Hilfsmittel, die behinderten Menschen heute zur Verfügung stehen. Interessiert blätterten die Schüler in einem gedruckten Exemplar der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen, auf der einen Seite der Broschüre ganz normal gedruckt in deutscher Sprache, auf der anderen in sogenannter leichter Sprache, in kurzen Sätzen mit wenig Fremdwörtern und vielen Bildern.

Denise Lison erläuterte den Schülern die Arbeit der Lokalen Teilhabekreise, von denen es in den zehn Kommunen des Kreises bisher fünf gibt, je einen in Erkelenz, Gangelt, Geilenkirchen, Heinsberg und Hückelhoven. Der seit April 2012 in Heinsberg bestehende Arbeitskreis kooperiere sehr gut mit der Stadt, betonte Denise Lison.

Bereits vor zwei Jahren habe es einen gemeinsamen Rundgang der Mitglieder des Teilhabekreises zusammen mit Bürgermeister Wolfgang Dieder gegeben, der Leiter des Sozialamtes, Wolfgang Paulus, habe zudem einen Rundgang mit einem sehbehinderten Menschen durch die Stadt gemacht. Und in Kooperation mit dem Teilhabekreis gebe es jetzt mitten in der Stadt auch einen verlängerten Parkplatz für behinderte Menschen, auf dem auch größere Fahrzeuge parken könnten.

In allen fünf Teilhabekreisen habe sich das Ziel der Barrierefreiheit als vorrangiges Ziel herauskristallisiert, fuhr Martina Alba fort. Einem Beispiel in Jülich folgend haben die Teilhabekreise daher einen Fragenkatalog entwickelt, der zum Ziel hat, Inhaber von Geschäften oder Restaurants, aber auch Ärzte in ihren Praxen stärker für die Thematik zu sensibilisieren. „Dabei geht es nicht um die Einhaltung einer DIN-Norm oder das Maßband, sondern vielmehr darum, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen“, erläuterte Martina Alba die Zielsetzung des Fragebogens.

Gemeinsam mit behinderten Menschen, die sich im Lokalen Teilhabekreis in Heinsberg engagieren, sollen Schüler des Religionskurses ab Januar 2016 Geschäfte, Praxen und Restaurants in Heinsberg besuchen und den Inhabern einen vierseitigen Fragebogen übergeben. Dabei geht es um die Ausstattung und die Erreichbarkeit der Räumlichkeiten, um den Umgang mit Menschen mit Behinderung und um individuelle Hilfsangebote. Wer ihn ausfüllt und zurückschickt, erhält bei einer erreichten Mindestpunktzahl einen Aufkleber, der sein Unternehmen als behindertenfreundlich ausweist.

Die Schüler werden in den nächsten Wochen in der Schule von den beiden Koordinatorinnen des Teilhabekreises auf ihre Aufgabe vorbereitet. Zunächst werden sie die Menschen mit Behinderung kennenlernen, die sie bei der Verteilung der Fragebögen begleiten. In einem zweiten Schritt werden sie die Übergabesituation in Rollenspielen einüben. Parallel haben die Koordinatorinnen das Projekt bei einer Versammlung des Gewerbe- und Verkehrsvereins bereits vorgestellt.

In Geilenkirchen und in Hückelhoven sei eine gleiche Aktion bereits durchgeführt worden, in Geilenkirchen zusammen mit Schülern der Realschule, in Hückelhoven zusammen mit dem dortigen Gymnasium. „Das war nicht nur ein voller Erfolg. Das hat allen auch viel Spaß gemacht“, erklärte Martina Alba.

In Geilenkirchen habe die Rücklaufquote der verteilten Fragebögen bei 50 Prozent gelegen. Gleiches erhoffen sich die Schüler des Religionskurses für ihr Heinsberger Projekt jetzt natürlich auch. Als Lohn für ihre Mühe erhalten sie nach Abschluss des Projekts eine Urkunde, die ihnen ihr soziales Engagement bescheinigt.

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