Initiative versorgt Flüchtlinge mit Fahrrädern

Von: kl
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Manfred Nause und Manfred Rietz haben alle Hände voll zu tun: Sie kümmern sich in der Fahrradwerkstatt des Vereins Willkommen in Erkelenz um die Zweiräder, die Flüchtlingen helfen sollen, mobil zu sein. Foto: kl

Erkelenz. Die Männer arbeiten ruhig und konzentriert. Jeder Handgriff sitzt, jeder weiß, was er zu tun hat. Bremsen, Gangschaltung, Beleuchtung, Reifen, Lenker und Sattel; es gibt nichts an den Fahrrädern, was sie nicht kontrollieren. Jeder noch so kleine Fehler wird sofort repariert.

Nur wenn die eigenen Fertigkeiten ausnahmsweise einmal nicht ausreichen, dann wird das Fahrrad zur Seite gestellt. Und das nächste ist an der Reihe.

„Wir wollen schließlich verkehrstaugliche und sichere Fahrräder an die Flüchtlinge übergeben“, sagt Manfred Nause, Vorstandsmitglied im Verein Willkommen in Erkelenz (WiE) und Leiter dieser Arbeitsgruppe. „Fahrradwerkstatt“, so nennt sich dieses WiE-Projekt, das sich in aller Ruhe und Abgeschiedenheit in den letzten Monaten etabliert hat. „Wir richten alte, gerauchte oder nicht mehr benötigte Fahrräder wieder her“, umreißt Nause das Arbeitsgebiet.

An Mopeds ist nicht zu denken

Die Nachfrage ist groß bei den Flüchtlingen. „Sie haben fast alle ein Mobilitätsproblem“, erläutert Rolf Schulte-Nover, der stellvertretenden WiE-Vorsitzende. Selbst in der überschaubaren Stadt Erkelenz ist es nicht immer leicht, mit öffentlichen Verkehrsmitteln alle Ziele zu erreichen. „Wer als Flüchtling etwa in Lentholt wohnt und zu einem Deutschkurs in die Innenstadt möchte, ist ohne Fahrrad fast schon aufgeschmissen“, sagt er. An Mopeds oder Autos ist gar nicht zu denken.

Der gute, alte Drahtesel ist begehrt. „Jeder, der einen Deutschkursus besucht, bekommt von uns ein Fahrrad“, beschreibt Schulte-Nover ein Ziel der Fahrradwerkstatt. Auf ein anderes weist Nause hin: Kinder und Jugendliche wollen sich bewegen, ihre neue Heimat erkunden. Wie soll das besser gehen als mit einem Fahrrad? Zu Dutzenden wurden aufgefrischte Kinder- und Jugendfahrzeuge in den letzten Monaten an Flüchtlingsfamilien und an Jugendliche abgegeben. Inzwischen hat sich bei den in Erkelenz untergekommenen Flüchtlingen herumgesprochen, dass sie bei WiE bei der Suche nach einem Rad Unterstützung bekommen können. Diese Hilfe nehmen sie gerne an.

Mühe, den großen Bedarf zu decken, hat WiE bislang nicht. „Wir haben ein Depot, in dem es immer verkehrstaugliche Räder gibt“, versichert Nause. Und es gibt immer wieder Nachschub. „Aber wir könnten noch mehr gebrauchen.“

„Wir“, das sind neben Nause auch Manfred Rietz und Peter Lentzen, die an diesem Mittwochnachmittag ihren Dienst tun. Es gibt noch andere Mitarbeiter. Aber nicht immer kann jeder zu dem festgelegten Zeitpunkt in die kleine Werkstatt kommen. Die Reparaturstelle befindet sich in der Pestalozzischule. Die Schule hat den Raum zur Verfügung gestellt. Sie hilft gerne weiter, wenn die versierten Handwerker tatsächlich einmal mit ihrem Latein am Ende sind. Dann übernimmt die Fahrrad-AG der Schule die Arbeit und setzt die Reparatur fort.

„Nachschub“, schallt es über den Hof. Axel Grafen ist angekommen. Er hat den Transportdienst der WiE-Fahrradwerkstatt übernommen. Er holt alte, nicht mehr gebrauchte oder zu klein gewordene Räder bei den Haushalten in Erkelenz ab und bringt die reparierten Fahrräder ins Depot. Dort werden sie an Flüchtlinge abgegeben. „Wir wollen noch einen speziellen Fahrradpass erstellen, damit bei Überprüfungen jeder Flüchtling das Eigentum an seinem Rad nachweisen kann“, sagt Nause.

Spaß an der Arbeit

Aber es werden nicht nur Fahrräder repariert, damit sie an Flüchtlinge abgegeben werden können. „Flüchtlinge sollen unter unserer Anleitung bei Bedarf ihre Fahrräder hier selbst reparieren“, sagt Nause. Integration durch Kooperation ist das Stichwort. Material ist ebenso wie Werkzeug vorhanden. Die Fachkenntnisse sind unbestritten. Nause selbst hat früher „nebenher“ in einer Fahrradwerkstatt gearbeitet, seine Mitstreiter kommen aus technischen Berufen und sind passionierte Radfahrer. Sie alle haben Spaß an ihrer Arbeit und auch eine kleine Sorge: Was sollen sie machen, wenn sie keine Räder mehr zu bearbeiten haben?

Damit dieser Fall nicht eintritt, bittet WiE nach wie vor um Fahrrad-Spenden. Ein kurzer Anruf unter Telefon 03431/9759626 oder eine E-Mail an Fahrradwerkstatt@willkommen-in-erkelenz.de genügt, und schon kümmert sich WiE darum, dass ein überflüssig gewordener Drahtesel einen neuen „Dompteur“ bekommt.

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