Infoveranstaltung: Wenn der Bagger kommt, fallen die Preise

Von: Helmut Wichlattz
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Erkelenz-Katzem. Der Braunkohletagebau trifft nicht nur die Ortschaften, die ihm weichen müssen. Auch die Menschen in den Orten, die einmal am Tagebaurand liegen werden – in Erkelenz sind rund 5000 Bürger betroffen – werden mit erheblichen Beeinträchtigungen rechnen müssen.

Langsam wächst ein Bewusstsein dafür, was in den nächsten 30 Jahren auf die Menschen vor Ort zukommen wird. Der CDU-Ortsverband hatte deshalb zu einer Informationsveranstaltung in den Viktoria-Treff eingeladen. „Leben am Rande des Tagebaus“ war der Titel der Veranstaltung.

Man müsse sich der Frage stellen, wie sozialverträglich der Tagebau für die Randbewohner sei, betonte Kerstin Schaaf von der CDU, die die Veranstaltung moderierte, zu der auch der Landtagsabgeordnete Dr. Gerd Hachen und Bürgermeister Peter Jansen gekommen waren.

Der Vereinsraum neben dem Viktoria-Treff war bis auf den letzten Platz gefüllt, als der Fraktionsvorsitzende Rainer Merkens in einer Präsentation die Ausmaße des Tagebaus für die betroffenen Ortschaften darstellte. Nach derzeitiger Planung werde die Tagebaukante im Jahr 2040 den Katzemer Ortsrand erreichen. Die Bewohner und das Loch wird dann nur noch ein rund 100 Meter breiter Sicherheitsstreifen trennen.

Ein rund sieben Meter hoher Schutzwall soll bis dahin aufgeschüttet und bepflanzt sein. Auf dem verbleibenden Land muss auch noch Platz sein für die neue Streckenführung der L 19, Sumpfungsfläche und eine Betriebsfläche. „Bei Katzem wird es verdammt eng“, betonte Merkens. Der Wall soll nach Ansicht des Tagebaubetreibers RWE Power auch gegen den Lärm ausreichen, der unaufhörlich auf die Ortschaften zurollt. Und nicht nur der. Auch Feinstaubbelastung und Lichtimmissionen werden zu den Folgen des Tagebaus gehören, mit denen die Bewohner auseinandersetzen müssen.

Die Folgen: Verlust der Lebensqualität und des gewohnten nachbarschaftlichen Umfeldes, Verfall der Immobilienpreise und gesundheitliche Belastungen. Dass der Tagebau rechtlich genehmigt und unabwendbar sei, betonte Der Landtagsabgeordnete Gerd Hachen. Nun heiße es, Einfluss zu nehmen, wo immer das geht.

So fordere er zum Beispiel eine Ausweitung des Sicherheitsstreifens auf 200 Meter, feste Messstationen und eine Änderung des Bundesbergbaugesetzes, wonach die Beweislast zum Beispiel für Bergschäden bei den Betreibern und nicht bei den Betroffenen liegen müsse. Der Tagebau sei der Grund gewesen, aus dem er sich in den 80er-Jahren der Politik zugewandt habe. Der Kampf gegen den Tagebau sei schwierig, denn die Gruppe der Befürworter ziehe sich quer durch alle Parteien.

Mobile Messstationen, wie sie von seiner Kollegin Dr. Ruth Seidl (Grüne) ins Spiel gebracht worden waren, lehne er ab, da sie keine verlässlichen Daten lieferten. Erst wenn an einer Stelle Messdaten eines ganzen Jahres vorlägen, könne man mit den Daten auch argumentieren. An mindestens 35 Tagen im Jahr müssten die Messergebnisse über den erlaubten Höchstwerten liegen. Eine Messstation bei Garzweiler sei für die Erkelenzer nicht sinnführend und die Ergebnisse unbrauchbar.

Bürgermeister Peter Jansen betonte, dass die Stadt keinen Einfluss auf die Landesentscheidungen zum Tagebau habe. „Doch wir können Druck aufbauen“, erklärte er. Man müsse bei der Bevölkerung ein Bewusstsein für das Thema schaffen und „viele kleine Lösungen“ finden. Genau wie Hachen forderte er Rückhalt seitens der Bevölkerung ein. Man müsse schon heute handeln, auch wenn Katzem erst ab 2028 unmittelbar betroffen sei. Er regte die Installierung von Gesprächskreisen an, bei denen alle Betroffenen an einen Tisch gebracht würden.

Als einen richtigen Schritt nannte Schaaf eine Unterschriftensammlung für die Einrichtung von Feinstaubmessstellen, die verlässliche Daten lieferten. Dass es nach dem Tagebau für die Randortschaften besser werde, sei ein Argument, mit dem RWE immer wieder aufwarte. Die positiven Effekte wie Arbeitsplätze für die Bevölkerung „greifen aber nicht in Erkelenz“, erklärte Jansen. „Wir müssen für die nächsten 20 bis 30 Jahre das Beste für uns herausholen“, lautete sein Fazit.

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