In Wegberg wird eine Mahnung in Stein gemeißelt

Von: mb
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Pfarrer Huu Duc Tran segnete den Gedenkstein an die Opfer des Nationalsozialismus in Wegberg ein. Foto: Baltes

Wegberg. „Nicht in der Flucht der Gedanken – allein in der Tat ist die Freiheit“, zitierte Pfarrerin Ute Leppert von der evangelischen Kirchengemeinde Wegberg den Theologen Dietrich Bonhoeffer bei der festlichen Enthüllung des Gedenksteins an die Opfer des Nationalsozialismus in Wegberg.

Die Erinnerung an ein dunkles Kapitel Wegberger Geschichte und zugleich eine Mahnung für die Zukunft hat damit einen Platz mitten im Leben der Wegberger gefunden. Zwischen den Gebäuden der staatlichen und kirchlichen Autorität, eingelassen vor dem Brunnen am Rathaus, wird er sich „im positiven Sinne sperrig und unbequem“, wie Bürgermeister Reinhold Pillich es ausdrückte, „in den Weg stellen.“

Die Enthüllung fand vor großer Kulisse statt, etwa 400 Wegberger waren gekommen. „Mit gemischten Gefühlen“, wie er betonte, stand Willy Meersmann, Leiter des Maximilian-Kolbe-Gymnasiums, vor dem Publikum. Er zeigte sich voller „Trauer um die Opfer, Betroffenheit über das, was passiert ist, aber auch Freude, dass dauerhaftes Gedenken ermöglicht wird“.

Eine Projektgruppe des Gymnasiums hatte sich unter der Leitung von Geschichtslehrer Jürgen Tenbrock intensiv mit der NS-Zeit in Wegberg auseinandergesetzt und das Ergebnis der Recherchen im Buch „Braunes Wegberg?“ präsentiert. Zahlreiche verkaufte Exemplare bescherten finanziellen Gewinn, der zusammen mit Sponsorengeldern in den Gedenkstein investiert wurde. Für die Gestaltung und Umsetzung des Projektes zeichnete Michael Körner, Firma Artkonzeptkörner, verantwortlich.

Mut beweisen für die Zukunft

„Frag nicht, was du getan hättest, frag dich, was werde ich tun“, fordert die Inschrift auf. „Die Vergangenheit können wir nicht ändern, aber Mut beweisen für die Zukunft“, erklärten Claudia Holländer und Tamara Büschgens für die Projektgruppe. Am Schicksal des einzigen überlebenden Juden in Wegberg zeigte Projektleiter Tenbrock auf, wie auch in Wegberg Menschen gedemütigt wurden, gelitten haben und zu Tode gekommen sind. „Alles, was das Böse benötigt, um zu triumphieren, ist das Schweigen der Mehrheit“, mahnte er mit den Worten des früheren UN-Generalsekretärs Kofi Annan.

Landrat Stefan Pusch steuerte „persönliche Gedanken“ bei. „Passt auf!“, riet er. „In Stein gemeißelt“ sei hier die Botschaft, dass „es sich lohnt, für Demokratie einzustehen“.

Pfarrer Huu Duc Tran von der Katholischen Kirchengemeinde Wegberg segnete den Stein ein und forderte auf, „dem Leben zu dienen, wo immer es in Gefahr ist.“

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