In 17 Minuten zum perfekten Kaffeegenuss

Von: Laura Beemelmanns
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Exakt vier Kilo Kaffeebohnen schüttet Otto Hensel in die Röstmaschine. Je nach Sorte rösten sie dann für zwölf bis 17 Minuten. Foto: Laura Beemelmanns

Wegberg-Arsbeck. Die Waage zeigt genau vier Kilogramm an – kein Gramm mehr und keines weniger. Wegen der Kaffeesteuer müsse er ganz genau arbeiten, sagt Otto Hensel (70). „Pro Kilo werden 2,19 Euro fällig, ganz egal, ob der Kaffee verkauft wird oder nicht“, erklärt seine Frau Christine Michael-Hensel (63).

Die Rentner halten sich an die Vorschriften, damit am Ende exakt die richtige Menge Kaffeebohnen in dem luftdicht verpackten goldfarbenen Beutel mit der besonderen Membran landet. Diese ermöglicht es dem Kaffee auch nach dem Abpacken ein wenig zu arbeiten. „Dadurch bläht sich die Tüte nicht so auf“, erklärt Christine Hensel.

Zuvor hat Otto Hensel einen Sack grünlich schimmernder Kaffeebohnen aus Tansania geöffnet. Sie tragen den exotischen Namen Tansania AB Ngila Estate und sollen durch eine feine Säure und mittlere Fülle bestechen. Die Bohnen wachsen in den Hängen des Ngoro Ngoro Kraters. Und ihr betörender Duft sucht sich seinen Weg bis hinaus auf die Straße.

Kaffeereise nach Ngila

Die beiden schwelgen in Erinnerungen. „Diese Bohnen haben wir selbst wachsen sehen“, sagt Christine Hensel. Im Jahr 2011 haben sie eine Kaffeereise gemacht, denn Otto Hensel gibt auch Kaffee-Kurse und möchte wissen, wovon er spricht. Beide waren vor Ort in Ngila, haben mitten im Urwald gewohnt und konnten hinaus schauen auf die Plantage. „Jeden Morgen gegen fünf wurden wir von den Elefanten geweckt“, erinnert sie sich. Es sei eine spannende Reise gewesen. Dort konnten sie sich ein eigenes Urteil bilden, beispielsweise über Arbeitsvorgänge, Löhne und die Zufriedenheit der Mitarbeiter sowie die Qualität der Bohnen. „Die Löhne dort waren gut“, sagt sie. Christine Michael-Hensel ist vor allem der faire Handel wichtig. Kaffeebohnen, die unter schlechten Arbeitsbedingungen geernet werden, beziehen die beiden nicht.

Mit dem typischen Geräusch vieler von einem in das andere Gefäß geschütteten Bohnen, reißt Otto Hensel seine Frau aus der Erinnerung. Dann schüttet er die Bohnen von der Waage in die knallrote Röstmaschine und es wird nochmals laut. Die Maschine rotiert und röstet die Bohnen so schonend wie nur möglich. Innerhalb von zwölf bis 17 Minuten – je nach Sorte – sind sie fertig. Anschließend sind sie so dunkelbraun gefärbt, wie man sie kennt. Und größer. „Die Bohnen verlieren beim Röstvorgang Wasser, gleichzeitig blähen sie sich auf“, erklärt Hensel. „Anschließend müssen sie sofort gekühlt werden, damit der Röstvorgang gestoppt wird“, sagt er. Denn der Kaffee arbeitet auch noch nach dem Rösten. Das erledigt die Maschine ebenfalls, indem sie die Bohnen durch Rühren in Bewegung hält und gleichzeitig Luft hinzufügt.

„Industriell werden die Bohnen anderthalb Minuten lang bei 500 Grad geröstet“, erklärt seine Frau. Ihr langsameres und zeitintensiveres Verfahren sei viel schonender. „Die Bohne wird einfach friedlicher geröstet.“ Dann wiegt Otto Hensel sie erneut: 3,45 Kilogramm. „Nun sind sie auch leichter“, sagt er. „Pro Tasse braucht man sechs bis zehn Gramm“, weiß Christine Michael-Hensel. Je nach persönlichem Geschmack natürlich. Bei einem Kilo sind das dann rund 100 Tassen Kaffee. 250 Gramm kosten bei den Hensels ab 4,75 Euro. „Mit den Dumpingpreisen können wir natürlich nicht mithalten“, sagt sie. Der Geschmack und das Wissen über Herkunft und Qualität seien sowohl ihr als auch ihren Kunden den einen oder anderen Euro mehr wert. Zudem kann jeder, der im Ladenlokal vorbei schaut, auch selbst sehen, wie die Bohnen geröstet werden.

14 Bohnen pro Tasse

Sie selbst trinkt ihren Kaffe am liebsten mit exakt 14 Bohnen. Aktuell bevorzugt sie Peru Naram Jilio the best, organic, fairtrade. Diese Sorte wird biologisch angebaut. Der Geschmack sei mild und leicht fruchtig. Im Sortiment von den beiden befinden sich zurzeit 21 Sorten mit würziger, schokoladiger oder intensiver Note. Einige wenige davon haben sie selbst kreiert, indem sie drei bis fünf Sorten zusammen gemischt haben. So beispielsweise auch die Wegberger Mischung oder den Arsbecker Sonntagskaffee. Aber auch die Löbauer Mischung. Diese haben sie aus Sachsen mitgebracht, ihrer Heimat. Dort führten die beiden ein Café. Begonnen haben sie mit 900 Kilogramm Kaffee im Jahr. Inzwischen rösten sie drei Tonnen. Begonnen hatten die beiden im Jahr 2005. „Wir haben etwas gesucht, das wir bis ins hohe Alter machen können, um die Rente ein wenig aufzubessern“, sagt Christine. Vor allem aber etwas, was ihnen beiden Spaß macht. Und das tut es. Ihr Café im rund 730 Kilometer entfernten Löbau haben sie hinter sich gelassen, um ihr Enkelkind in Arsbeck aufwachsen zu sehen. Und auch wenn die beiden sehr oft an ihr Café zurückdenken, haben sie diesen Schritt nie bereut.

Einjähriges Bestehen

Inzwischen feiern sie schon einjähriges Bestehen in Arsbeck und versorgen Arztpraxen und Cafés mit ihren eigenen Kreationen und planen schon neue Projekte. Außerdem verschicken sie noch heute ihren eigenen Kaffee nach Löbau und durch ganz Deutschland. „Wenn jemand im Internet bestellt, geht der frisch geröstete Kaffee gleich am nächsten Tag raus.“ Die Hensels etikettieren ihre Ware dann mit dem Röst-Datum. „Der Kaffee ist zwei Jahre haltbar. Mit dem genauen Datum kann dann jeder selbst entscheiden, wie lange er ihn aufbewahren möchte“, sagt sie. Sie bieten ihren Kaffee als ganze Bohne oder frisch gemahlen an – in verschiedenen Mahlgraden. Zusätzlich backt Christine Michael-Hensel jeden Donnerstag und Freitag Kuchen. Das hat sie auch in Löbau immer so gemacht. Besonders beliebt war ihr Quarkkuchen, den die Kunden liebevoll „Fluffi“ getauft haben. Es gibt jedoch auch andere Kuchen, die sie anbietet. Stets frisch gebacken und jeden Tag ein anderer. In dem kleinen Ladenlokal sind zudem zwei runde Tische mit Stühlen aufgestellt. Ganz gemütlich inmitten von Kaffeemühlen, Tassen und duftenden Bohnen. „Wir sind England-Fans“, sagt Christine Michael Hensel. Daher haben sie ihr Café mitsamt Röstmaschinen ein wenig nostalgisch gestaltet – mit dunklen Holzmöbeln und viel persönlicher Dekoration sowie einigen Erinnerungen an Löbau.

Die beiden sind wahrhafte Kaffee-Fans. Das merkt man an ihrer Art über die Bohnen und das Verfahren zu sprechen. Und an der Erfahrung, die sie über die Jahre hinweg sammelten. Sie wirbeln als eingespieltes Team durch das kleine Café. „Das Kaffeearoma hält jung“, scherzt Otto Hensel. Er kann sich nichts Schöneres für seinen Ruhestand vorstellen.

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