Im Kuhstall dem guten Klang auf der Spur

Von: Anna Petra Thomas
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Tom Wauch beim Schrauben an einem Fender Rhodes in seiner Werkstatt in Waldfeucht-Hontem. Foto: Anna Petra Thomas
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Das Herzstück eines Fender Rhodes: Die asymmetrische Stimmgabel und der Tonabnehmer davor.

Waldfeucht-Hontem. „Das H ist noch etwas zu laut.“ Tom Wauch schraubt. „Und das G gefällt mir auch noch nicht.“ In der Fachwelt gilt der 47-Jährige als einer der besten Reparateure für elektromechanische Klaviere, die unter den Bezeichnungen Fender Rhodes oder Wurlitzer bekannt sind.

„Das war hier mal ein Kuhstall“, lacht der Neu-Hontemer, der aus Mönchengladbach stammt und vor zwei Jahren auf den zuvor landwirtschaftlich genutzten Hof an der Anton-Laumen-Straße zog, um hier unter einem Dach mit seiner Familie wohnen und zugleich arbeiten zu können. Von Kuhstall ist hier jedoch nichts mehr zu sehen. Rundherum türmen sich Klaviere und Tastaturen. Mittendrin sitzt Wauch unter guter Beleuchtung und schraubt.

Im Unterschied zu einem „normalen“ Klavier wird bei elektromechanischen Klavieren der Ton durch eine asymmetrische Stimmgabel erzeugt, vor der ein Tonabnehmer angebracht ist. „Der Ton wird akustisch erzeugt und dann elektrisch verstärkt“, erklärt der Fachmann. Sein erstes Fender Rhodes war ein Geschenk seines Vaters. „Das klang aber auch nicht so, wie es sollte…“, und schon da fing Wauch an zu schrauben.

Er studierte Musik, arbeitete im Klavierbau und natürlich an seinem eigenen Rhodes. Dann hatte Wauch das Glück, dass diese Mitte des vergangenen Jahrhunderts ursprünglich als transportabler Klavierersatz gedachte Entwicklung sich wegen ihres völlig eigenständigen Klangs nicht nur als neues Instrument durchgesetzt hatte, zum Beispiel in der Jazz- oder Soulmusik, sondern zugleich eine wahre Renaissance erlebte. „Das ist wie mit dem VW Käfer“, lacht Wauch. „Der ist heute auch Kult.“

Plötzlich hätten alle wieder angefangen, ihre Rhodes aus dem Keller zu holen. „Heute haben sie wieder auf der Bühne ihren Platz.“ So konnte Wauch seine Leidenschaft zum Beruf machen. Ein paar Hundert dieser Instrumente haben in den vergangenen 15 Jahren seinen Schraubendreher schon gespürt. „Und ich glaube, ich kann noch ‘ne ganze Zeit lang überleben“, schmunzelt er. In Stundenlohn hat er seine Arbeit allerdings noch nie umgerechnet. „Dafür ist da zu viel Leidenschaft drin. Man wird damit nicht reich. Aber man kann davon leben.“

Nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus Dänemark, aus Frankreich, aus den Niederlanden, aus Österreich und aus der Schweiz kommen seine Kunden. Einem hat er sein Rhodes sogar in die Arabischen Emirate geschickt. Norah Jones hat er während ihrer Tournee schon mal mit einem Instrument geholfen. Helge Schneider nutzte sein Know-how ebenso wie die Bigband des WDR. „Das sind alles nette Leute“, sagt er über seine Kunden.

Meist seien es die Filze unter den Tasten, die er reparieren müsse, erzählt der Profi. Viele Einzelteile kann er noch kaufen, aber einige muss er auch selbst anfertigen, wie die Tonabnehmer zum Beispiel, die aussehen wie kleine Nähgarnrollen.

„Das sind sehr lebendige Instrumente, alles Individualisten“, schwärmt Wauch. Und wer‘s dann noch ein kleines bisschen individueller mag, für den bezieht der Hontemer sogar die Abdeckung auf Wunsch etwa mit orangefarbenem Kunstleder oder mit grau-weißem Schlangenlederimitat.

Und schließlich ist Wauch nicht nur ein bekannter Reparateur dieser Instrumente, sondern auch ein begnadeter Tüftler. Zum Beispiel dann, wenn er unter der Tastatur eine elektronische Leiste einbaut, mit der sich dann etwa ein anderes Instrument ansteuern oder mit dem Klang des Rhodes mischen lässt. „Das ist dann die Brücke zwischen gestern und heute“, erzählt er.

Pläne für die Zukunft? Ja, klar, die hat Wauch auch noch. So will er den hinteren Teil des Kuhstalls oder besser seiner Werkstatt zu einem professionellen Tonstudio ausbauen. So können dann künftig einmal in Hontem vielleicht ganz berühmte Größen der Musikszene ihre Rhodes-Sequenzen auf dem Instrument ihrer Wahl einspielen und auf ihrem Laptop gleich wieder mitnehmen. „Wenn ich mal Zeit hab‘“, räumt er ein. „Ich bin ja immer nur am reparieren“, sagt er und schraubt weiter an dem Rhodes, das dringend gebraucht wird von einem Kunden aus Remscheid. „Für einen Auftritt heute Abend noch!“

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