Im Himmel sieht es wie in Mannheim aus

Von: Johannes Bindels
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Markus Barth beim Vortrag im Bürgerhaus in Höngen. Foto: Johannes Bindels

Selfkant-Höngen. „Kennen Sie Markus Barth?“ Auf die Frage antwortete eine junge Frau aus Gangelt: „Bisher nicht, wir haben uns ganz spontan entschlossen, teilzunehmen, weil wir ihn heute im Radio gehört haben.“ Eingeladen ins Bürgerhaus in Höngen hatte der Kulturverein Selfkant zur Lesung mit Markus Barth. Die Stuhlreihen waren komplett gefüllt. Maria Goertz begrüßte die alten und neuen Fans.

Nein, er sei nicht verwandt mit dem „Anderen“, der zufällig seinen Namen trage, er lebe und wohne in Köln und sein Freund heiße Stefan – nicht Stefanie, stellte sich Markus Barth vor. Aufgewachsen ist er in Zeil am Main und lebt seit mehr als zwölf Jahren in Köln. „Ich tauschte ,Fachwerk- Frohsinn-Frankenwein‘ gegen ‚Kölsch-Klüngel-Karneval‘“, beschrieb Barth im kölschen Tonfall seine Vorliebe für Köln und das Großstadtleben. Und vom Leben in einer Großstadt handelten auch die ausgewählten Episoden aus seinem neuesten Werk „Mettwurst ist kein Smoothie“.

„Wer in einer Großstadt lebt und arbeitet, benötigt eine Putzfrau“, verwies der Autor auf den Inhalt der ersten Episode „Putzfrau gesucht“. Schuld daran, dass er eine neue Putzfrau suchen musste, sei sein Hund „Bärbel“, der wohl den gleichen Vornamen wie seine Reinigungskraft hatte. Sein Hund liebe es, sich beim Spaziergang am Rhein in Schafkötteln und tote Fische zu wälzen. Deshalb benötigen sein Hund und er nach dem Spaziergang eine Dusche. So standen die beiden nackt im Bad – gerade in dem Augenblick, als die Putzfrau erschien. „Ja, Bärbel, ich weiß, dass es dir nicht gefällt, aber da musst du jetzt durch“, habe er zu seinem Hund gesagt – war dann aber über die Kündigung seiner Putzfrau auch nicht wirklich überrascht.

Es folgen 1,5 Stunden weitere ausgewählte Kapitel wie „Habibi“, „Respekt“, „Judgement Day“, „5 Sterne“ und „Die bittere Wahrheit über Chicorée“. „Chicorée ist doch nur aus einem Mucke-Fuck-Unfall entstanden, weil nicht alle Samen für das Rösten eingesammelt wurden, sondern versehentlich zum Keimen kamen“, meinte Barth. Die Lacher waren auf seiner Seite.

Wer vielleicht anfangs ein wenig skeptisch gewesen sein sollte, den hatte Markus Barth spätestens an dieser Stelle mit seiner sympathischen Art und den humorvollen und wie schwungvoll geschriebenen Texten für sich eingenommen. Der Dialog mit Gott in der Episode „Judgement Day“, bei dem er sich in den Himmel gekommen sah, der laut Gott in Quadrate („wie die Stadt Mannheim“) eingeteilt sei, schildert herzerfrischend den ernsten Hintergrund einer Nahtoderfahrung.

Ein letztes Beispiel zeigte die Bandbreite seiner Beobachtungen städtischen Lebens: „Wer als Eltern sich noch unklar ist, welche sexuellen Vorlieben der Sohn hat, der soll mit dem Pubertierenden in Hamburg über die Herbertstraße gehen“, gab Barth Tipps für das Coming-Out von Homosexuellen. Er könne aus eigener Erfahrung sagen, dass die Prostituierten den Schwulen sofort erkennen würden.

So sei er mit seinem Freund Henry einmal in Berlin über die Oranienstraße geschlendert. „Weißt du noch, wie wir uns als Sensenmann verkleidet haben und ins Altersheim gegangen sind, nur um dort den Spruch ,Ach, wir wollen uns hier nur mal umschauen loszuwerden?‘“, habe Henry erzählt, um gleichzeitig auf die Idee zu kommen, einen solchen Scherz auch auf dem Straßenstrich zu wiederholen. Den Ausgang dieser Geschichte zu erfahren, ist es wert, sich das Buch zu besorgen. Dies sahen auch die Gäste so, die sowohl die geforderte Zugabe bekamen wie auch die gewünschten Widmungen im frisch erstandenen Buch.

Es war dann auch kein Wunder, dass die junge Frau am Ende des Abends dann noch verlauten ließ: „Wir sind voll in unseren Erwartungen erfüllt worden; es war ein gelungener Abend.“

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