Im Elterncafé gelingen große Schritte für die Integration

Von: Ingo Kalauz
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Wie immer gelöst, locker, vertraulich-freundschaftlich ist die Atmosphäre beim regelmäßigen Elterncafé an der Johann-Holzapfel-Schule in Doveren – auch dann, wenn Bürgermeister Bernd Jansen zu Gast ist. Foto: Ingo Kalauz

Hückelhoven-Doveren. Die großen Sprünge beginnen immer mit kleinen Schritten – das war etwa bei der Mondlandung so oder auch bei Bob Beamons Fabelweitsprung. Und das gilt auch für die Aufgabe der Integration der Menschen, die es aus den unterschiedlichsten Gründen aus anderen Kulturen kommend in unsere Gesellschaft verschlagen hat und die jetzt bei und mit uns leben.

An der Johann-Holzapfel-Gemeinschaftsgrundschule in Doveren hat man im Dezember 2014 die ersten kleinen Schritte in Richtung Integration gemacht, als man sich zum ersten Mal zu einem Elterncafé, zu einem interkulturellen Zusammensein im Schulgebäude traf. Nachdem zwei Jahre ins Land gezogen sind und das Treffen sich zu einer festen Einrichtung gemausert hat, ziehen die Beteiligten heute so etwas wie eine Bilanz.

Positive Dinge

Oder anders: Sie schauen zurück und sehen mit einigem Stolz, was sie mit dem Elterncafé an positiven Dingen angestoßen und bereits realisiert haben. „Das Verhältnis vor allen Dingen der Erwachsenen aus anderen Herkunftskulturen, Religionen und Familiensprachen, aber auch das deren Kinder hier an unseren Schule ist enger, vertrauter, bei manchen sogar freundschaftlich geworden“, sagt Michaela Sybertz.

Sie ist Pädagogin an der Johann-Holzapfel-Schule und hat das Elterncafé von Anfang an begleitet. „Ja“, sagt sie, „Toleranz und Offenheit von allen Seiten und für alle Seiten haben durch das interkulturelle Treffen sicher einen Schub bekommen. Das ist eine große Bereicherung, das spürt man deutlich.“

Interesse wecken

Den Anstoß, das Elterncafé ins Leben zu rufen, hat für die Eltern in Doveren das Projekt Quiss, das für Qualität in sprachheterogenen Schulen steht, gegeben. „Knapp die Hälfte unserer Schüler haben einen türkischen Migrationshintergrund“, sagt Michaela Sybertz. Nein, im Unterricht sei das überhaupt kein Problem: „Die Familiensprache bei den meisten unserer türkischen Kinder ist Deutsch.“

Hasan Yesil, der seit sechs Jahren an der Johann-Holzapfel-Schule beschäftigt ist, sorgt dafür, dass die Grundschüler auch das nötige Rüstzeug in ihrer türkischen Muttersprache mit auf den Weg bekommen: Drei Stunden pro Klasse in der Woche gibt er den Kleinen Türkischunterricht. Auch er ist vom Elterncafé sehr angetan: „Ja, das ist eine sehr positive Einrichtung“, sagt er. „Bei den türkischen Eltern wird ein Interesse am schulischen Alltag ihrer Kinder geweckt, das sie vorher so nicht hatten.“

Ümmü Celik, deren neunjährige Tochter Asude die Schule besucht, ist eine von den Frauen, die im Elterncafé das leckere und geschmacklich breit angelegte Frühstück zubereiten. „Heute haben wir zum Beispiel Pide, das ist mit Hackfleisch oder Schafskäse gefülltes Brot; und wir haben Menemen, das ist eine türkische Eierspeise mit verschiedenen Gemüsesorten“, sagt sie vor dem Herd in der Schulküche stehend. Natürlich gibt es Käse, Marmelade, Oliven und auch Kuchen. „Den Apfelkuchen haben die Kinder selbst gebacken“, sagt Ümmü Celik.

Dass das alles ausgesprochen lecker ist, kann Hückelhovens Bürgermeister Bernd Jansen bestätigen: Er fand die Zeit, zwischen seiner „normalen“ Arbeit als Chef der Verwaltung der 40.000-Einwohner-Stadt und diversen Veranstaltungen, bei denen er auch in diesen grauen Novembertagen stets ein gefragter Gast ist, den Weg nach Doveren in das Elterncafé der Johann-Holzapfel-Schule zu finden – und die kleinen Köstlichkeiten zu genießen.

Zweimal hat er sich den Teller füllen lassen. Als wichtigen Schritt zum Gelingen der gewaltigen Aufgabe der Integration der Kinder und Erwachsenen mit Migrationshintergrund in unsere Gesellschaft ist dieses interkulturelle Treffen für ihn „vorbildlich“. Natürlich hat der Bürgermeister auch einen Umschlag als Geschenk mitgebracht. Man darf getrost davon ausgehen, dass der nicht leer war...

„Das Elterncafé wird ausschließlich durch Spenden finanziert“, sagt Michaela Sybertz, ein Glas türkischen Tee in der Hand haltend. Aber es habe noch nie Probleme gegeben, das Frühstück zu finanzieren. Wichtiger, betont sie, sei sowieso das, was man mit Geld ohnehin nicht bezahlen kann: „Da im Wechsel auch die Lehrer und Sozialpädagogen das Elterncafé besuchen, können hier unterrichtliche, organisatorische und pädagogische Probleme, aber auch Ideen in einer entspannten Atmosphäre besprochen und entwickelt werden.“

Gutes Miteinander

Mit dem Elterncafé an der Johann-Holzapfel-Schule, da ist sich Michaela Sybertz ganz sicher, sei das „ohnehin gute Miteinander in der Elternschaft intensiviert worden“. Überdies konnte so ein „wechselseitiges Verständnis für die jeweiligen kulturellen, weltanschaulichen und sprachlichen Eigenheiten geschaffen werden“.

Die großen Sprünge beginnen mit kleinen Schritten. In Doveren ist in Sachen Integration offenbar bereits ein ganz großer Schritt gelungen.

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