Heinsberg-Oberbruch - Im Cheetah gehen die Lichter aus

Im Cheetah gehen die Lichter aus

Von: Rainer Herwartz
Letzte Aktualisierung:
6776072.jpg
An guten Tagen amüsieren sich in der Oberbrucher Kultdisco mit Hexenkessel und Aviva bis zu 2000 Gäste bei fetziger Musik.
6775565.jpg
Herbert Storms möchte sich im Januar erst einmal ausschlafen.
6774584.jpg

Heinsberg-Oberbruch. Nur noch ein paar Tage, dann ist es soweit. Weihnachten steht vor der Tür. Und eine knappe Woche später folgt der Jahreswechsel. Doch wer sich jetzt schon darauf freuen sollte, zu Silvester wieder richtig an der Oberbrucher Discomeile abzurocken, sollte innerlich schon einmal einen Gang zurückschalten.

Denn daraus wird nichts. Während zum Weihnachtsfest nämlich die Lichter angehen, werden sie in Cheetah, Aviva und Hexenkessel noch vor Silvester ausgehen. Inhaber Herbert Storms macht nach fast 21 Jahren an der Deichstraße die Schotten dicht und lädt für Montag, den 30. Dezember, mit der Closing Party ein letztes Mal zur großen Sause ein. Die Jugendlichen in der Region verlieren damit – sollte sich auf die Schnelle kein Käufer für die Kultdisco finden – eine wahre Pilgerstätte.

„Meine Mutter hatte immer den Wunsch, einen schönen Lebensabend zu verbringen“, beginnt Herbert Storms die Erklärung für seine Entscheidung. „Sie sagte, Junge arbeite deshalb fleißig und spare dir was. Ihr selbst war dieser Lebensabend aber nicht vergönnt. Kurz nachdem sie mit meinem Vater im Alter von 56 Jahren in ein neues Haus gezogen war, starb sie an Krebs. Auch vielen meiner Mitbewerber war es nicht vergönnt.“

Doch der 59-Jährige möchte nicht, dass ihn das selbe Schicksal ereilt. „Ich glaube, dass jetzt für mich der optimale Zeitpunkt ist auszusteigen, nachdem unsere beiden Töchter Elisabeth und Maria mir im Sommer signalisiert haben, dass sie den Betrieb nicht weiterführen möchten.“

Letztlich beende er dieses Kapitel seines Lebens mit einem weinenden und einem lachenden Auge, sagt Storms. „Einerseits, weil ich ja gerne Partys gefeiert habe. Es hat immer jede Menge Spaß gemacht, Leute zu animieren und den Erfolg zu sehen. Aber es gibt eben keine Medizin, die das Ticken der Uhr aufhält. Jetzt freue ich mich auf den Januar, den ich komplett verschlafen werde, denn ich habe einen kolossalen Nachholbedarf.“

Es gehe ihm vor allem darum, im Leben mit seiner Familie wieder in geordnete Zeitabläufe zu gelangen, erklärt Storms. „Eine Perspektive steht nicht im Vordergrund“, obwohl er sicher nicht die Hände in den Schoß legen werde. „Wenn meine Frau und ich gesund bleiben und etwas Spaß haben, dann ist das toll. Ich will nicht auf den Mount Everest und auch nicht am Bungee-Seil vom Eiffelturm springen. Auch eine Finca auf Gran Canaria brauche ich nicht. Hier in Heinsberg ist es superschön.“

Skifahren fest im Plan

Ein wenig in die Ferne schweifen wird er dennoch, denn Skifahren steht für diesen Winter schon fest im Plan. Und auch seinem Gitarrenspiel könne er sich nun noch entspannter widmen. Seit drei Jahren nehme er wieder Unterricht in Klassik und Jazz bei dem Spitzengitarristen Uwe Sommer aus Erkelenz. Irgendwie eine Art Rückkehr zu den Wurzeln. Denn mit der Gitarre hatte alles begonnen.

Zwischen 1969 und 1977 spielte Storms in einer fünfköpfigen Band namens Carnebys. „Wir waren damals in Kirchhoven und Haaren weltbekannt“, scherzt der 59-Jährige. „Weil wir schon amerikanische Musik und Jazz spielten.“ Seine Leidenschaft für Musik und Party wurde damals geweckt. „Bis zur Auflösung der Band 1977 hatte ich schon 1000 Nächte hinter mir. Wenn man das mal weiter rechnet, komme ich seitdem noch einmal auf rund 6750, in denen ich bis zum frühen Morgen am Ball war.“

Vater Josef führte seinerzeit in Kirchhoven im heutigen Pfannkuchenhaus nebenberuflich den Saalbetrieb Storms, ein Mekka für die örtliche Vereinswelt, dem der hauptberufliche Maurer sehr verbunden war. Der pfiffige Filius hatte da aber noch anderes im Sinn. Er nutzte den Krankenhausaufenthalt seines Vaters flugs dazu, aus dem etwas angestaubten „Saalbetrieb“ am 27. September 1977 die Diskothek Number One zu machen. An das Equipment, das ihm damals zur Verfügung stand, erinnert sich Storms noch genau. „Die Boxen aus alten Radios waren so schlecht, dass man nichts hörte, aber alles tanzte“, wundert er sich bis heute.

Den ganzen Ort zugeparkt

Dass sich daraus eine derartige Erfolgsgeschichte entwickeln würde, hatte wohl niemand geahnt. „1993 eskalierte die Situation, weil der ganze Ort mittlerweile an unseren Öffnungstagen zugeparkt wurde. Vorgärten wurden zum Teil verwüstet und Zäune eingerissen, so dass wir uns gezwungen sahen, den Standort zu wechseln.“ Nicht jedoch, ohne auch hier eine fulminante Abschiedsparty zu geben. „Wir haben bis heute nie mehr so eine heiße Fete gefeiert wie am letzten Tag in Kirchhoven. Und das mit nur einer alten Lampe, die lediglich 30 Watt hatte und im Wechsel an und aus ging. Es war übrigens die erste Lampe, die wir schon 1977 aufgehängt hatten.“ Die restliche Technik war bereits in die Deichstraße gebracht worden. „Drei Tage später, am 4. Januar 1993, eröffnete das Cheetah.“

Mit Hexenkessel und Aviva treffen sich hier freitags, samstags und vor Feiertagen auf 1350 Quadratmetern zusammen bis zu 2000 Gäste. Bedient das Cheetah vor allem die Bedürfnisse der 16- bis 22-Jährigen, so fühlen sich die 20- bis 30-Jährigen eher im Hexenkessel und die Besucher jenseits der 30 im Aviva gut aufgehoben.

Im Grunde ist Herbert Storms zuversichtlich, dass dies auch unter einem neuen Eigentümer so sein kann. Denn in den Diskotheken sei schon alles auf eine Zukunft ausgerichtet.

„Der ganze Betrieb wurde erst im letzten Jahr auf LED-Technik umgerüstet und die Soundanlage von einem renommierten Soundtechniker, seines Zeichens Professor für Akustik in Aachen, auf den allerletzten Stand gebracht. Deshalb sind wir voller Hoffnung, dass der gesamte Komplex mit seinen lukrativen Diskotheken einen Käufer finden wird.“ Auch die Disco-Fans werden diese Hoffnung hegen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert