Hygienekontrolleure sind auch an den Badeseen unterwegs

Von: Rainer Herwartz
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Guido Voßenkaul betrachtet die Wasservögel mit gemischten Gefühlen
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Norbert Franzke lässt die Secchi-Scheibe ins Wasser, um die Sichttiefe zu prüfen. Foto: Rainer Herwartz

Heinsberg. Guido Voßenkaul ist ausgebildeter Gesundheitsaufseher, sein Kollege Norbert Franzke hingegen nennt sich Hygienekontrolleur. Letztlich üben beide jedoch den selben Beruf aus. Im Laufe der Zeit habe sich eben die Bezeichnung geändert, erklärt Voßenkaul, der schon seit über 20 Jahren für den Kreis Heinsberg in öffentlichen Einrichtungen wie Schulen, Kindergärten oder Krankenhäusern nach dem Rechten sieht, um etwaige Missstände in Sachen Sauberkeit aufzuzeigen.

Vor allem in der Sommerzeit gehört dazu auch ihr Einsatz an den Badeseen in Effeld, Brachelen und neuerdings auch am Lago Laprello in Heinsberg.

Wenn Norbert Franzke die mitgebrachte Secchi-Scheibe ins Wasser lässt, hat das beinahe etwas Anachronistisches in der heutigen, durch Hightech-Geräte bestimmten Zeit. Denn die weiße Metallscheibe an der rund zwei Meter langen Kette ist ein Messgerät. Und zwar eines aus dem 19. Jahrhundert, das auch heute noch Verwendung findet.

Die Secchi-Scheibe ist ein von dem italienischen Universalgelehrten und Jesuitenpater Angelo Secchi entwickeltes limnologisches Hilfsgerät für die rasche und einfache Ermittlung der Sichttiefe in einem Gewässer. Und die entscheidet im Zweifel darüber, ob die Besucher der Badeseen sich ungehemmt den Badefreuden hingeben dürfen oder leider ihre Sachen packen müssen. Denn wenn die Scheibe schon bis zu einer Wassertiefe von 50 Zentimetern nicht mehr zu sehen ist, wird der Badespaß abgepfiffen.

„Alle drei Badeseen sind der EU gemeldet. Sinn und Zweck dieser Maßnahme ist es“, so erläutert Voßenkaul, „dass sich jeder auch per Internet über die Wasserqualität informieren kann.“ Und die ist offenbar vorbildlich, wie Marita Stawinoga, Ärztin und Sachgebietsleiterin Infektionsschutz und Umwelt beim Kreis Heinsberg, bestätigt. Es gebe seit 2006 eine EU-Richtlinie, wonach die Wasserqualität in den Badeseen mit den Noten mangelhaft, ausreichend, gut und ausgezeichnet versehen würden.

Brachelen und Effeld seien dabei schon seit Jahren mit ausgezeichnet bewertet worden. Der Lago Laprello wird noch nicht bewertet, da er erst seit vergangenem Jahr offiziell zu den Badeseen gehört und noch keine vier Jahre beprobt wird.

Lediglich vor einigen Jahren habe es in Effeld einmal ein Problem gegeben, erinnert sich Stawinoga. „Da haben wir Zerkarien im Wasser gefunden, das sind kleine Saugwürmer, die normalerweise von Vögeln auf Schnecken übertragen werden. Der Mensch ist ein Fehlwirt.“

Für Betroffene bedeute dies, dass sie zwischen zehn und 20 Tagen an einem stark juckenden Ausschlag leiden würden. Danach sterbe der Wurm im menschlichen Körper einfach ab.

„Es ist der Sinn unserer Tätigkeit, das Infektionsrisiko der Badegäste zu minimieren“, sagt Franzke. „Wir stehen dazu immer in Kontakt mit den Betreibern der Einrichtungen, um eventuell festgestellte Missstände schnellstmöglich abzustellen.“

Franzke und sein Kollege Voßenkaul sind für die Wasserentnahme und deren Überprüfung allerdings nicht zuständig. Das übernimmt ein Labor aus der Stadt Eschweiler. Während der Saison erfolge dies im Monatsrhythmus. Die Saison erstrecke sich – festgelegt durch die EU – vom 15. Mai bis zum 15. September.

Neben den Zerkarien seien es vor allem Fäkalien und Blaualgen, die den Gewässern zu schaffen machten, erläutert Stawinoga. Der Kot von Wasservögeln wie Enten, Gänsen oder Schwänen, der ins Wasser gelange, spiele dabei eine nicht zu unterschätzende Rolle. Wegen der Vermüllung rund um die Badeseen, nehme dieses Problem zu.

Viele Badegäste ließen Essensreste einfach herumliegen, statt sie in die dafür vorgesehenen Mülltonnen zu werfen. Für die Tiere im wahrsten Sinne des Wortes ein gefundenes Fressen. Viele fütterten die Vögel aber auch ganz bewusst, meint Voßenkaul. „Anfangs finden alle die Vögel noch putzig, doch das ändert sich, wenn sie später an allen Liegeplätzen den Kot der Tiere finden. „Die Vögel brauchen auch nicht gefüttert zu werden“, ergänzt Stawinoga. Sie fänden auf natürlichem Weg genügend Nahrung.

„Kleinkinder sind am meisten gefährdet“, beklagt die Ärztin, „weil sie beim Spiel noch viel Wasser schlucken.“ Zum vernünftigen Handeln zwingen könne man da jedoch niemanden. „Wir haben ja nur die Möglichkeit der Aufklärung.“ Und das auch nur im eigenen Zuständigkeitsbereich. „Unsere Badeseen werden überwacht. Wer natürlich an anderen Seen badet, macht dies auf eigene Verantwortung.“

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