Heinsberg-Karken - Hund fällt Frau an: Schwere Gesichtsverletzungen

Hund fällt Frau an: Schwere Gesichtsverletzungen

Von: Rainer Herwartz
Letzte Aktualisierung:
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Tragischer Zwischenfall in Heinsberg-Karken: Ein Hund hat am Mittwochmittag eine Frau attackiert. Die Frau erlitt schwere Verletzungen an Arm und Gesicht. Sie wurde mit dem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus eingeliefert. Foto: Anna Petra Thomas
Hund Attacke
Tragischer Zwischenfall in Heinsberg-Karken: Ein Hund hat am Mittwochmittag eine Frau attackiert. Die Frau erlitt schwere Verletzungen an Arm und Gesicht. Sie wurde mit dem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus eingeliefert. Foto: Anna Petra Thomas
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Tragischer Zwischenfall in Heinsberg-Karken: Ein Hund hat am Mittwochmittag eine Frau attackiert. Die Frau erlitt schwere Verletzungen an Arm und Gesicht. Sie wurde mit dem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus eingeliefert. Foto: Anna Petra Thomas
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Tragischer Zwischenfall in Heinsberg-Karken: Ein Hund hat am Mittwochmittag eine Frau attackiert. Die Frau erlitt schwere Verletzungen an Arm und Gesicht. Sie wurde mit dem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus eingeliefert. Foto: Anna Petra Thomas

Heinsberg-Karken. Den Einsatzkräften hat sich ein grässliches Bild geboten, als sie am Mittwoch die Bushaltestelle an der Roermonder Straße am Ortseingang Karken erreichten. Gegen 11.20 Uhr kam es hier zu einem tragischen Zwischenfall, in dessen Verlauf eine 52-jährige Frau von einem American Staffordshire Terrier beinahe zerfleischt wurde.

Der Rüde, den die Frau selbst ausführte, hatte sie plötzlich angegriffen und durch Bisse in Gesicht und Arm so schwer verletzt, dass den Rettungskräften sofort klar war, dass kein örtliches Krankenhaus hier mehr würde helfen können. Mit einem Rettungshubschrauber wurde die Frau daher umgehend in die Uni-Klinik nach Köln geflogen. Wäre es einer zufällig vorbeikommenden Passantin nicht gelungen, das Tier mit einem armdicken Ast aus einer angrenzenden Wiese abzulenken, hätte die 52-Jährige den Angriff möglicherweise nicht überlebt.

Die alarmierten Beamten der Heinsberger Polizei reagierten sofort, um eine weitere Gefährdung von Menschen zu verhindern. Nach einer Vollsperrung der Straße töteten sie den aggressiven Rüden mit einem gezielten Pistolenschuss auf einem Grünstreifen.

In einer offiziellen Stellungnahme der Polizei zu dem Vorfall hieß es später: „Über die Umstände, die zu dem Unglücksfall geführt haben, können derzeit keine Angaben gemacht werden. Die Ermittlungen hierzu dauern an. Das Tier soll dem Lebensgefährten der Frau, einem Niederländer, gehört haben.“

Vielen Karkenern war der American Staffordshire Terrier nicht unbekannt. Und auch das Ordnungsamt hatte bereits von dem sogenannten Listenhund erfahren, wie Ordnungsamtsleiter Wolfgang Paulus am Mittwoch auf Anfrage bestätigte. Vor etwa einem halben Jahr hätten sich mehrfach besorgte Anwohner gemeldet und die Behörde darüber informiert, dass ein Mann den bedrohlich wirkenden Hund unangeleint im Ort laufen lasse. Leider, so Paulus, seien weder Hund noch Halter durch einen gleich in Marsch gesetzten Mitarbeiter des Amtes angetroffen worden. Gestern nun bekam der Ordnungsamtsmitarbeiter den Hund erstmals zu Gesicht. Der Kadaver des Tieres wurde nämlich zum Gelände des Bauhofes gebracht, um seine Herkunft zu ermitteln. „Er war allerdings nicht gechipt“, erklärte Paulus. Laut Landeshundegesetz NRW sei dies in Nordrhein-Westfalen Vorschrift. In den Niederlanden schreibe derzeit hingegen kein Gesetz ein Anleinen von sogenannten Kampfhunden, das Tragen eines Maulkorbs oder eine Registrierung vor.

Doch wie konnte es überhaupt zu dem Ausrasten des Tieres kommen? Wie war es möglich, dass der Hund sich urplötzlich gegen eine ihm vertraute Person wandte? Für Stefan Grates ist dies keineswegs eine Seltenheit. Der Polizist und ausgebildete Hundetrainer, der seine Prüfung vor der Tierärztekammer in Schleswig-Holstein ablegte, behauptet gar: „In acht bis neun von zehn Fällen werden die Menschen in der Familie vom eigenen Hund gebissen und nicht etwa Fremde. Der Grund hierfür liegt darin, dass der Hund Privilegien genießt, die ihm nicht zustehen, so dass das Selbstbild des Hundes vollkommen verschoben ist. Der Hund trifft zunehmend eigene Entscheidungen über den Kopf des Halters hinweg.“ Im Vorfeld setze er stets Signale und teste die eigenen Grenzen aus. „Am Ende steht die Frage: Wer hat hier eigentlich das Sagen?“ Aus dem vermeintlichen Lamm kann so auch schnell ein Wolf im Schafspelz werden.

Die unterschiedliche Reaktion der Hunde in bestimmten Situationen liege natürlich auch in ihrem Rasse bezogenen Beutefang-Verhalten begründet, meint Grates. „Das bedeutet, dass manche Hunde äußerst stark auf jegliche Bewegung ansprechen. Das macht die Ausbildung der Hunde leicht. Andererseits gibt es vielfach Situationen, in denen diese Hunde das Verhalten zeigen, ohne das es erwünscht ist.“ Als Beispiele nennt er das Jagen von Radfahrern, Joggern, fliegenden Bällen oder das Schnappen nach fuchtelnden Armen.

„Gerade bei erwachsenen Tieren kann auch ein Spiel schnell kippen, weil der Hund zwischen Funktionskreisen hin- und herschaltet. Zum Beispiel vom Spiel in das Jagdverhalten, das dann wie ein Programm abläuft.“ Und wenn dieses Programm erst einmal aktiviert wird, gebe es für den nicht zum Gehorsam erzogenen Vierbeiner kaum ein Halten mehr.

Welche Chance hat ein Mensch denn überhaupt, sich gegen einen aggressiv attackierenden Hund zu behaupten? Wie sollte er sich verhalten? „Hektik, egal ob körperlich oder verbal, sollte vermieden werden“, sagt Grates. Beiße der Hund in einen Arm, so sollte das Opfer diesen nicht einfach blitzartig wegziehen, was in der Regel zu noch größeren Verletzungen führe, sondern den Arm an den eigenen Körper ziehen und versuchen, mit der anderen Hand den Hund auszuhebeln, ihn also am Halsband von den Füßen zu heben. Durch den Adrenalin-Ausstoß gelinge dies meist sogar körperlich eher schwächer erscheinenden Menschen. Das habe er schon selbst beobachten können, erklärt der Hundetrainer. Auch dem Hund seitlich einen harten Gegenstand in den Rachen zu schieben, sei ein wirksames Mittel. Im Prinzip. Denn Grates räumt ein: „Natürlich ist das alles Theorie. Wer hat schon die Nerven und ist so besonnen, wenn er gerade Schmerz verspürt? Man kann solche Situationen als normaler Halter ja nicht trainieren.“ Wer weiß schon, ob all dies der 52-jährigen Karkenerin geholfen hätte.

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