Hummeln helfen beim Anbau von Erdbeeren

Von: Nicola Gottfroh
Letzte Aktualisierung:
7409209.jpg
Chris Hensgens setzt beim Anbau von Erdbeeren auf die Hilfe von Hummeln. Das Hummelvolk im Karton in seiner Hand schafft es spielend, 7000 Pflanzen zu bestäuben.

Selfkant. Die Sache mit den Blümchen und den Bienchen ist seit jeher dieselbe Geschichte – und selbstverständlich für Sie nichts Neues. Doch glauben Sie, man lernt nie aus, was Biologie und die Fortpflanzung angeht.

Oder können Sie vielleicht erklären, warum Junglandwirt Chris Hensgens die Erdbeeren auf seinem Hof satte 20 Tage vor den meisten anderen Landwirten in der Region ernten kann? Nein? Ganz einfach: Weil die Geschichte von den Blümchen und den Bienchen von einigen Landwirten, zu denen auch Hensgens gehört, einfach ein bisschen variiert wird.

Statt auf Bienchen setzt der Landwirt, der den Bauernhof in Selfkant-Havert in der vierten Generation bewirtschaftet, bei der Bestäubung auf die dicken Verwandten der Honigsammlerinnen. „Bei uns sorgen Hummeln für die natürliche Bestäubung der Erdbeeren“, sagt der Landwirt.

Zwar setzt der Landwirt auch auf Freilandanbau, bei dem er seine Erdbeeren vom freien Feld ernten kann. Der Löwenanteil der süßen Früchte stammt aber aus den „Erdbeertunneln“. In sechs je 200 Meter langen, etwa mannshohen Röhren aus weißer Folie gediehen auf insgesamt 1,2 Hektar die Bodenfrüchte – dank des Treibhauseffekts bei warmen Temperaturen und durch Wände und Dach geschützt vor Wind und Wetter – prächtig. „Die Erdbeeren, die im Tunnel angebaut werden, sind den Freilanderdbeeren überlegen. Zum einen benötigt man weniger Mittel für den Pflanzenschutz. Zudem tut den Früchten gut, dass sie fast immer trocken sind. So kann sich keine Fäulnis bilden“, sagt Hensgen. Zudem sorge die Bestäubung durch die Hummeln für große, gleichmäßige Früchte.

Der Wetterschutz, der auf der einen Seite so viele Vorteile bringt und eine frühe Ernte erst möglich macht, sorgt aber auf der anderen Seite auch für Probleme. Große, sogar existenzielle Probleme für die Erdbeere. „Das klingt zwar etwas paradox, ist aber bei näherer Betrachtung der Umstände durchaus logisch“, betont Hensgens. Denn: In der freien Natur wird die Bestäubung außer von Vögeln und Insekten hauptsächlich vom Wind übernommen. „Doch in die Plastiktunnel dringt der Wind nicht ein“, weiß der Landwirt. Und Bienen, die verirrten sich nur selten in die weißen Röhren. „Bienen sind Schönwettertiere“, sagt Chris Hensgens und erklärt: „Sie arbeiten bei niedrigeren Temperaturen nicht gerne, bei sechs oder sieben Grad kommen sie gar nicht erst aus ihrem Bau. Zu warm – und unter der Folie wird es schnell warm – mögen es die Bienen aber auch nicht. Freiwillig kommen Bienen nur selten in einen Tunnel.“

Und dennoch summt und brummt es in Hensgens Erdbeer-Tunneln. In jedem 200-Meter-Tunnel versehen zwei Hummelvölker mit etwa 70 bis 100 Tieren ihren Dienst. Das sieht ziemlich unspektakulär aus: In einfachen Papp-Kartons hängen sie unter dem Dach des Tunnels.

„Die Hummeln arbeiten schon bei niedrigen Temperaturen und werden auch nicht träge, wenn es unter der Folie sehr warm wird“, erklärt der Haverter Junglandwirt. „Und sie sind fleißiger als die fleißige Biene. Hummeln bestäuben pro Minute die doppelte Anzahl von Pflanzen. Auf 1000 Quadratmeter Anbaufläche kommt so ein Volk, insgesamt 7000 der 14 000 Pflanzen im Tunnel hat so eins der Hummelvölker zu bestäuben. Weil die Hummeln allein von den Erdbeeren nicht überleben könnten, befindet sich im Boden des Kartons eine Zuckerlösung, aus der die Hummeln Energie schöpfen können. Eine Menge Energie, um im Tunnel so richtig aktiv zu sein.

Ernte ab 25. April

Während die Ernte der Freiland-Erdbeeren erst Mitte Mai beginnen kann, wird Chris Hensgen seine Pflücker schon ab dem 25. April zur Ernte in die Tunnel schicken können, die dann 4000 Kilo Erdbeeren pro Tunnel pflücken können. Das erste Körbchen mit den Erdbeeren darf übrigens Chris Hensgens Großvater kosten. Der liebt die süßen Früchte. „Vor allem, wenn er sie schon 20 Tage vor den ersten Freilanderdbeeren genießen kann.“ Und das der Hummel sei Dank.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert