Hückelhovener vor Gericht: Pöbeleien und Raub

Von: Daniel Gerhards
Letzte Aktualisierung:
11417676.jpg
Germany, Hesse, Frankfurt, Fountain of Justice, sculpture of Justitia PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxONLY AMF000977 Germany Hesse Frankfurt Fountain of Justice Sculpture of Justitia PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxONLY AMF000977

Hückelhoven/Mönchengladbach. Der 27-jährige Kevin G. aus Hückelhoven-Doveren muss sich seit Montag vor einem Schöffengericht in Mönchengladbach verantworten. Ihm wird vorgeworfen, seine Nachbarschaft mit Beleidigungen und Drohungen terrorisiert zu haben.

Außerdem soll er mehrere Leute in Hückelhoven und Doveren beleidigt, ein elfjähriges Mädchen beraubt, mehrere Jugendliche bespuckt und einige Dinge gestohlen und beschädigt haben. In der Verhandlung gab er einige Straftaten zu, andere leugnete er.

G., der zurzeit im Gefängnis sitzt, habe nach eigenen Angaben vor seiner Haft zuletzt täglich Amphetamine und Cannabis zu sich genommen. Ob sein Drogenkonsum der Auslöser für sein aggressives Verhalten war, konnte am Montag nicht abschließend geklärt werden. Allerdings habe sein Drogenkonsum dazu geführt, dass sein Vater ihn aus dem Haus warf. Danach zog G. bei seiner Oma, dann bei Freunden ein. Zuletzt hauste er in der Garage seines Vaters.

Von diesem Zeitpunkt an habe er die Nachbarn regelmäßig aufs Übelste beschimpft. Eine Zeugin, eine Nachbarin des Angeklagten, sagte, dass G. sie als „perverse, dicke, fette, alte Sau“ beschimpft habe. Es seien noch schlimmere Begriffe gefallen, auch mit sexuellem Bezug. Jedes Mal, wenn G. die Familie auf der Straße sah, habe er ihr grundlos Schimpfworte an den Kopf geworfen, sagte die Zeugin. Ihr Ehemann habe seine drei Kinder nicht mehr alleine nach draußen lassen können. Besonders, weil der Angeklagte gedroht habe, den Kindern etwas anzutun, wenn sie noch einmal etwas stehlen würden. Die Kinder hätten natürlich nichts gestohlen, sagte der Vater. Die Drohung habe der Familie Angst gemacht.

Auch weitere Zeugen sagten, dass der Angeklagte sie übel beleidigt habe. Er habe auch eine 75-jährige Seniorin, einen zehnjährigen Jungen und eine gehbehinderte Frau mit Ausdrücken aus der untersten Schublade beleidigt.

Die meisten dieser Anschuldigungen wies G. von sich. Und wenn ihm doch mal etwas „rausgerutscht“ sei, dann habe er seine „Gründe“ dafür gehabt, sagte er. Er habe sich beobachtet gefühlt, weil ein Nachbar auf dem Bürgersteig vor der Garage stand, in der er wohnte. Er habe sich gestört gefühlt, weil eine Nachbarin mittags Müll zum Mülleimer brachte und ihn damit aufweckte.

Von Einsicht oder gar Reue des Angeklagten war bei der Verhandlung nichts zu spüren. Als die Staatsanwältin die Anklage verlas, grinste der Angeklagte mehrfach, er antwortete der Richterin zuweilen flapsig, er redete trotz Ermahnung dazwischen und gegen Ende drückte seine Körpersprache am ehesten so etwas wie Desinteresse aus.

Das änderte sich auch nicht, als ein elfjähriges Mädchen beschrieb, wie Kevin G. es beraubt haben soll. Sie habe mit zwei Freundinnen am Kaufland in Hückelhoven gestanden. Dort seien sie mit einem Penny-Board, einem kleinen Skateboard, herumgefahren. G. sei auf sie zugekommen, habe sie beleidigt, zu Boden gestoßen und das Penny-Board mitgenommen. Dass er einen zuvor gestohlenen Tretroller bei den Mädchen liegen ließ, bezeichnete G. als „nett“. Die Polizei fasste ihn kurz darauf mit der Beute.

Auf das Konto des 27-Jährigen gehen laut Anklage auch mehrere Sachbeschädigungen. Er gab zu, mit seinem Skateboard gegen ein Fahrrad geschlagen zu haben und den Außenspiegel eines parkenden Autos an der Parkhofstraße abgeschlagen zu haben. Er stritt ab, mit seinem Skateboard gegen ein Werbeschild an der Parkhofstraße geschlagen zu haben und auf dem Schild herumgesprungen zu sein.

Er sei frustriert gewesen, unzufrieden mit seinem Leben. Einen Hauptschulabschluss habe G., eine Berufsausbildung nicht. Bevor er ins Gefängnis kam, lebte er von Hartz IV.

Offenkundig passen die Selbstwahrnehmung von G. und das Bild, das er bei Zeugen, dem Gericht und der Polizei hinterließ, nicht zusammen: G. behauptete, nicht aggressiv oder gefährlich zu sein. Gegen diese Darstellung spricht seine Akte: Als er vor einiger Zeit zu einem Termin im Erkelenzer Amtsgericht nicht erschien, holte ihn die Polizei ab, auf dem Weg beleidigte er die Beamten fortwährend. In der geistigen Verfassung für eine Gerichtsverhandlung war er damals offensichtlich nicht. Die Beamten steckten ihn in eine Zelle, wo er derart randalierte, dass er in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen wurde.

Das Verfahren vor dem Schöffengericht wird am Dienstag fortgesetzt.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert