Holzwurmbefall: Hans Georg Fabry restauriert Pietà der Myhler Kirche

Von: Christina Handschuhmacher
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Ein allererster Schritt im Restaurationsprozess: Mit einem weichen Pinsel und einem Tuch säubert Restaurator und Stuckateurmeister Hans Georg Fabry die Pietà von Schmutz und Ablagerungen. Foto: Handschuhmacher

Heinsberg. Der Rücken der Mutter Gottes ist mit unzähligen winzigen Löchern übersät - das Werk von Holzwürmern. Von ihrem kobaltblauen Mantel splittert an einigen Stellen die Farbe ab. Feine Risse ziehen sich durch den Brustkorb von Jesus, der in ihrem Schoß liegt.

Die Pietà aus der Kirche in Myhl ist dringend restaurierungsbedürftig - ein Fall für den Restaurator und Stuckateurmeister Hans Georg Fabry, dachte sich der Förderverein Kirche und Kindergarten Myhl, der die Kosten für die Restauration trägt.

Die Kosten für die Restauration trägt der Förderverein Kirche und Kindergarten Myhl. Vor einigen Wochen schon hat Fabry die Pietà aus der Myhler Kirche in seine Werkstatt in Porselen geholt. Nun heißt es warten – auf kältere Temperaturen. Denn erst wenn die Heizsaison beginnt, wird Fabry mit seiner Arbeit an der Figur beginnen. „Im ersten Schritt muss die Figur vom Holzwurm befreit werden“, erklärt der 54-Jährige. Und um das erfolgreich zu erledigen, müssen auch die Temperaturen mitspielen. Denn die Chemie mit der der Holzwurm nun bedampft wird, wirkt besonders gut, wenn trockene Heizungsluft im Wechsel mit kühler Außenluft hinzukommen.

Doch allzu massiv ist der Holzwurmbefall nicht. Das hat Fabry bereits feststellen können, als er die Figur in der Myhler Kirche vom Sockel gehoben hat. „Auf dem Sockel wäre sonst viel mehr Mehl gewesen“, sagt er. „Die Risse in der Figur bereiten mir eher ein bisschen Kopfschmerzen.“ Aber es sind gerade diese Herausforderungen, die Hans Georg Fabry an seinem Beruf so liebt. „Solche Aufgaben springen mich regelrecht an, die machen mir Freude.“

Drei Gesellen arbeiten in Fabrys Meisterbetrieb. Ihre Aufträge führen sie mal nach Köln, mal nach Mönchengladbach oder auch nach Rheinland-Pfalz. Aber Fabry schätzt auch die Arbeit vor der eigenen Haustür. Es ist nicht das erste Mal, dass er für die Gemeinde in Myhl tätig wird: Als Jugendliche in der Lourdes-Grotte randalierten und die Madonna aus Sandstein schließlich ohne Kopf da stand, sorgte Fabry für ein neues Haupt. Er modellierte das Lamm Gottes im Eingangsbereich, restaurierte die Kreuzigungsgruppe und baute das untere Fundament des Hauptaltars.

Diese Arbeiten – bei denen Fabry sich in seinen Werkstattraum im Garten seines Geburts- und Elternhauses zurückzieht und fast eins wird mit der Figur, an der er arbeitet – schätzt er am meisten. „Ich brauche diesen Rückzugsbereich, diese ländliche Struktur und den Platz.“

Etwa 30 bis 40 Arbeitsschritte sind es, bis die Pietà in neuem Glanz erstrahlen wird, sagt der Stuckateurmeister. Nach der Beseitigung des Holzwurms wird er die im Laufe der Jahre aufgerissenen Nähte mit Leimöl-Spachtel verkitten. Ein Werkstoff, den er sehr schätzt. Überhaupt zieht Fabry jahrzehntelang bewährte Mittel neumodischen Produkten oft vor. „Wir arbeiten hier immer noch so, wie auch die Stuckateure vor 200 Jahren gearbeitet haben“, sagt er.

Wenn die Nähte gekittet sind, wird sich Fabry der Farbe zuwenden. Nach einer Farbbestimmung wird der Stuckateurmeister die jeweiligen Farbtöne aus Trockenfarbe selbst herstellen. Auch hier gilt das Ziel: alles soll möglichst originalgetreu wieder hergestellt werden, um den ureigenen Charakter zu bewahren. Nebenbei wird jeder Arbeitsschritt schriftlich und in Form von Fotos dokumentiert. Mit einem Bienenwachsüberzug wird die Arbeit an der Figur abgeschlossen.

Geplant ist, dass die Pietà spätestens am ersten Adventswochenende wieder in die Myhler Dorfkirche, deren Inneres derzeit ebenfalls saniert wird, zurückkehrt. Dann wird sie wieder an ihrem Platz im Mittelschiff vor der Gedenktafel für die im Zweiten Weltkrieg gefallenen Soldaten stehen.

Und wer längere Zeit nicht in der Kirche war und ihre Abwesenheit nicht bemerkt hat, wird wohl auch nicht auf Anhieb sehen, dass die Pietà restauriert wurde. Denn das ist das Ziel von Hans Georg Fabrys Arbeit: „Als Stuckateur hat man das, was vorhanden ist und versucht dieses möglichst langlebig zu erhalten“, sagt der Mann aus Porselen. „Etwas fehlerhaftes muss bleiben. Wenn man die Figur zu glatt und schön gestaltet, verliert sie ihren Charme.“

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