Hofkirche benötigt gründliche Sanierung

Von: Helmut Wichlatz
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Sanierungsfall: Die Hofkirche in Lövenich ist eingerüstet, weil sie ein neues Dach benötigt. Foto: Wichlatz
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Aus Sicherheitsgründen gesperrt: die Kanzel. Foto: Wichlatz
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Engagieren sich für die Sanierung der Hofkirche: Förderer, Gemeindemitglieder und Bauexperten beim Ortstermin in Lövenich. Foto: Wichlatz

Erkelenz-Lövenich. „Sie investieren in ein Denkmal, das täglich genutzt wird und mit Leben gefüllt ist.“ Mit diesen Worten dankte Peter Peerlings im Namen der Evangelischen Kirchengemeinde Jens Martin und Roland Tauber.

Der Bezirksleiter von WestLotto und der Ortskurator der Deutschen Stiftung Denkmalschutz waren nach Lövenich gekommen, um sich ein Bild vom Fortschritt der Sanierungsarbeiten zu machen, die beide unterstützen.

Kein Aufschub möglich

Die Dachbedeckung, der Dachstuhl und Teile des Mauerwerks der 1683 errichteten Hofkirche machten der Kirchengemeinde Sorgen. Man habe kräftig schlucken müssen, als die Kosten kalkuliert und vorgestellt wurden, erinnerte sich Peerlings. Er war zu dieser Zeit Kirchmeister. Mittlerweile hat er das Amt abgegeben, leitet das Sanierungsprojekt aber weiterhin. Denn rund 270.000 Euro konnte die Gemeinde aus dem eigenen Budget nicht abzwacken, ohne die laufende Gemeindearbeit zu gefährden.

Andererseits duldeten die Maßnahmen keinen Aufschub. „Es war höchste Eisenbahn“, betonte Peerlings. Und so ging die Gemeinde auf die Suche nach Fördermitteln und spannte auch den Bundestagsabgeordneten Wilfried Oellers ein, der in Berlin für eine Förderung werben sollte, wie Peerlings betonte. Auf offene Ohren stieß die Gemeinde dann bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und der Kiba-Stiftung zur Wahrung kirchlicher Baudenkmäler.

Die Denkmalschutzstiftung arbeitet eng mit dem Glücksspielanbieter WestLotto zusammen. Dieser habe im vergangenen Jahr deutschlandweit rund 16 Millionen Euro an Fördermitteln mit der Stiftung bereitgestellt, betonte Jens Martin. Für die Maßnahmen werden 100.000 Euro zur Verfügung gestellt. Die restliche Summe finanziert die Gemeinde über ein Darlehen beim Kirchenkreis Jülich.

Kirchenhistorisches Denkmal

Dass es sich bei der Hofkirche in Lövenich um ein kirchenhistorisches Denkmal handelt, ist unbestritten. 1683 wurde der Bau am Ortsrand von der Reformatorischen Kirchengemeinde in Lövenich errichtet und ein Jahr später eingeweiht. Man wollte „kein Aufsehen erregen“, erklärte Antje Schwietzke vom Presbyterium. So war auf einen Kirchturm verzichtet worden.

Erst 1804 erhielt der Bau einen Dachreiter mit Glocke. Über die soll sich dann aber der damalige Kückhovener Pastor beschwert haben, berichtete sie. Roland Tauber von der Denkmalschutzstiftung bezeichnete die Hofkirche als wichtiges Zeugnis der Reformation im Jülicher Land.

Dachbalken wie „Bohnenstangen“

Der Erkelenzer Architekt Dr. Arno Lennartz plant und leitet die Sanierungsarbeiten. Das Schieferdach des in den letzten Kriegstagen beschädigten Gebäudes wurde nach dem Krieg neu gedeckt, weise aber trotzdem große Schäden auf und sei undicht. Das habe dazu geführt, dass auch das Mauerwerk in Mitleidenschaft gezogen wurde. Zu allem Überfluss habe man nach dem Krieg nicht so auf die Qualität der Baumaterialien geachtet. „Einige der damals eingebauten Dachbalken waren bessere Bohnenstangen“, betonte der Architekt.

Die Schieferbedeckung würde normalerweise bis zu 120 Jahre halten, ergänzte Dachdecker Heinz Venrath. Der damals verwendete Schiefer sei aber von geringer Qualität und „zerbröselt“ mittlerweile. Der neue Schiefer stammt aus Mayen und ist von guter Qualität. Verlegt wird er in einer speziellen Weise, bei der der ursprünglichen Größe der verwendeten platte Rechnung getragen wird. Rund zwölf Tonnen wird das Dach am Ende wiegen.

Bis zum Tag des offenen Denkmals am 11. September soll die Hofkirche wieder vorzeigbar sein, haben sich die Kirchengemeinde und der Architekt vorgenommen. Deshalb sollen Anfang September die Dach- und Mauerwerksarbeiten abgeschlossen und das Gerüst wieder abgebaut sein.

Predigerkanzel abstützen

Fertig ist die Hofkirche dann jedoch noch lange nicht. Denn in einem weiteren Schritt soll auch die Predigerkanzel abgestützt werden, die sich in den vergangenen Jahren immer mehr in den Raum neigte und aus Sicherheitsgründen bei Predigten nicht mehr betreten wurde. Der Grund kam bei der Baustellenbegehung zutage: bei einer vorherigen Bodensanierung war wohl eine Stütze entfernt worden – und dann vergessen worden, sie wieder anzubringen. Sobald die Stütze fachmännisch ersetzt ist, kann wieder von der Kanzel herunter gepredigt werden.

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