Historische Zeitung lüftet das Geheimnis der Fahne

Von: defi
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1927 geweiht: die Fahne des Katholischen Arbeiter-Vereins Heinsberg. Foto: defi

Heinsberg. Wenn Helmut Coenen nachts nicht schlafen kann, hat er die besten Ideen. Glücklicherweise konnte der Vorsitzende des Heimatvereins der Heinsberger Lande in dieser Woche mal wieder nicht gut schlafen – und so lüftete er das Geheimnis der Herkunft der Fahne, die der Verein für 780 Euro im Internet ersteigert hatte.

Wie berichtet war die Fahne des Katholischen Arbeiter-Vereins Heinsberg in der vergangenen Woche „aus dem Krieg“ von Amerika nach Heinsberg zurückgekehrt. Die „Hübsche“ hatte sich in der Heimat gleich gut eingefunden: „ein echtes Schnäppchen“ war die einhellige Meinung aller, die diese Fahne in Augenschein nehmen durften. Unklar blieb lediglich ihre Abstammung. Coenen und mit ihm viele seiner Heimatfreunde hatten mächtig die Stirn gerunzelt, ob eine so kostbare Fahne in den nicht so üppigen 1920er-Jahren tatsächlich von einem eher unbekannten Heinsberger Arbeiter-Verein gestiftet worden sein konnte. Gott sei Dank gab es damals schon die Heinsberger Volkszeitung.

Helmut Coenen stieg hinab ins Archiv des Kreises Heinsberg, wo die digitalisierten Nachrichten gehütet werden. Er entdeckte: Die Fahnenweihe des 1921 gegründeten Katholischen Arbeiter-Vereins St. Joseph Heinsberg wurde am Pfingstmontag, 6. Juni 1927, groß gefeiert – richtig groß: morgens Hochamt, nachmittags Festandacht mit nachfolgendem Festzug, im Anschluss Festakt in der Schützenhalle auf dem Platz, der heute in Heinsberg bekannt ist als „Lidl-Parkplatz“. In der Vorschau auf das Festprogramm heißt es: „Die geehrten Einwohner Heinsbergs werden freundlich gebeten, am Pfingstmontag die Häuser in den erlaubten Farben zu beflaggen.“

Die Fahne, die der Heimatverein über das Internet-Auktionshaus eBay zurückgeholt hat, muss für unsere Vorfahren von großer Bedeutung gewesen sein. Schön ist sie heute noch, und ihre Kostbarkeit kann man fühlen. Auch wenn Helmut Coenen, wenn er das gute Stück anfasst, weiße Baumwollhandschuhe anzieht. Das Fahnenweihfest wurde in der Heinsberger Volkszeitung vom 8. Juni 1927 wie folgt beschrieben: „Unter großer Beteiligung von Nah und Fern feierte am Pfingstmontag der hiesige kath. Arbeiterverein St. Josef das Fest der Fahnenweihe. Morgens einhalb 7 Uhr war hl. Messe mit Generalkommunion und um 10 Uhr feierliches Hochamt für die lebenden und verstorbenen Mitglieder des Vereins, welches vom Präses, Herrn Kaplan Vollmar, zelebriert wurde. Vor dem Hochamt vollzog Herr Prälat von den Driesch die kirchliche Weihe der Fahne.“

Bürgermeister Corsten enthüllte die Fahne. Angekündigt wurde in der Anzeige die „Nagelung der Fahne“ – da haben Heimatforscher noch zu forschen, warum Fahnen genagelt wurden. Ein paar Spalten weiter heißt es im Bericht der Volkszeitung: „Die Fahne ist sehr hübsch ausgeführt und zeigt auf der einen Seite den hl. Joseph mit dem Jesusknaben bei der Arbeit und darunter den alten schönen Spruch Gott segne die christliche Arbeit“. Gegen Ende seines Berichtes vermerkt der Chronist: „Das schöne herrlich verlaufene Fest der Fahnenweihe des katholischen Arbeitervereins ist nunmehr vorbei, aber in der Erinnerung aller Teilnehmer wird es fortleben.“

Der Chronist schloss mit den Zeilen: „Der Arbeiterverein kann auf den Tag besonders stolz sein; hat er doch gezeigt, dass der Verein sich allgemeiner Sympathie in der Bürgerschaft erfreut.“ Der Heimatverein der Heinsberger Lande setzt Traditionen fort. Die Heimholung der Fahne des Katholischen Arbeiter-Vereins Heinsberg hat ihm auch das Prädikat „allgemeiner Sympathie in der Bürgerschaft“ eingetragen.

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