Waldfeucht - Historische Sonderausstellung zum zweiten Weltkrieg

Historische Sonderausstellung zum zweiten Weltkrieg

Von: Anna Petra Thomas
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Helmut Windeck mit Erinnerungsstücken an den Krieg und mit Geschenken, die das Museum vor zehn Jahren erhielt. Foto: Anna Petra Thomas
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Waldfeucht. Von September 1944 bis März 1945 stand unsere Heimat im Brennpunkt der Schlachten um den Durchbruch der Amerikaner und Engländer durch den Westwall. „Nach Beendigung der Kämpfe gab es kaum einen Ort in unserem Kreis, der nicht schwere und schwerste Kriegsschäden davongetragen hatte“, schreibt dazu der kürzlich verstorbene Heinsberger Historiker Willi Frenken.

„Neben Schierwaldenrath, das mehrfach den Besitzer wechselte, und Heinsberg, das durch Bombardierung aus der Luft schwerste Zerstörungen hinnehmen musste, traf es auch Waldfeucht besonders hart.“ Zu 55 Prozent sei Waldfeucht damals zerstört worden. Und nach Beendigung der Kampfhandlungen seien dann auch noch die beiden mittelalterlichen Stadttore Waldfeuchts gesprengt worden, berichtet er.

Waldfeucht hart getroffen

Grund genug für den Historischen Verein Waldfeucht, diesem Ereignis vor genau 70 Jahren zu gedenken. „Die schlimmen Tage von Waldfeucht. 21. bis 23. Januar 1945“ ist die Sonderausstellung überschrieben, die am kommenden Sonntag, 18. Januar, um 14 Uhr in der Gerhard-Tholen-Stube in Waldfeucht, Brabanterstraße 32, eröffnet wird.

„Die Mitbürger der Gemeinde Waldfeucht sind besonders herzlich eingeladen, um zu sehen, was vor 70 Jahren im Ort geschah“, erklärt Vorsitzender Helmut Windeck. Die Ausstellung gebe die Möglichkeit zu vergleichen, was die Waldfeuchter Bürger nach diesen Zerstörungen wieder aufgebaut hätten. „So erkennt auch jeder, wie gut und schön wir in Waldfeucht heute wohnen und leben“, sagt er.

Zu sehen sind in der Ausstellung neben Erinnerungsstücken und Bilddokumenten aus dem Krieg sowie Literatur über die Kriegsereignisse auch die Geschenke, die Richard Stancomb vor zehn Jahren nach Waldfeucht brachte: zwei Regimentswappen und die dazu gehörende Geschichte des Regiments seines Vaters, des britischen Majors John Stancomb, der damals die vor und in Waldfeucht kämpfenden Panzerverbände befehligte. Sein Vater habe derart Schreckliches erlebt, dass er im Familienkreis nie darüber gesprochen habe, hatte Richard Stancomb vor zehn Jahren bei seinem Besuch in Waldfeucht erklärt.

Schwerste Kämpfe

Was sich zwischen dem 21. und 23. Januar in Waldfeucht zutrug, hat der Historiker Frenken wie folgt beschrieben: „Als die 52. Britische Infanterie-Division von Birgden her kommend am 20. Januar Bocket eingenommen hatte, öffnete sie damit den Soldaten vom Kings Own Scottish Borderer Regiment den Weg nach Waldfeucht und Echterbosch, wo sie und das sie unterstützende Regiment der Royal Hussars (Panzer) und besonders ein von Major John Stancomb geführtes Panzerbataillon die schwersten Kämpfe während der ‚Operation Blackcock‘ um das Gebiet links der Rur zu bestehen hatten.

Bei beginnender Dunkelheit eröffnete die Divisionsartillerie ein fünfstündiges Trommelfeuer auf Waldfeucht, in dessen Schutz sich die Infanterie in Stärke von drei Kompanien von Westen her bei bitterer Kälte vorarbeitete. Bereits kurz nach Mitternacht waren die Zoll- und Mühlenstraße, der Mühlenweg, die Löffel- und die untere Hauptstraße in ihrem Besitz. Wegen der Gefahr eines deutschen Gegenangriffs richteten sie sich zur Rundumverteidigung ein.

Die ‚Husaren‘ verloren bereits beim Anmarsch vier Panzer und zogen sich nach Sittard zurück, um am nächsten Morgen über Koningsbosch erneut vorzugehen. Der deutsche Gegenangriff begann noch vor Tagesanbruch unter Einsatz von Tigerpanzern und Sturmgeschützen.“

Wie einen „tollwütige, unverletzliche Bestie“ sei ein einzelner „Tigertank“ in der Hauptstraße auf und ab „gedonnert“, zitiert Frenken einen Augenzeugen. Dabei habe er seinen Geschützturm hin und her geschwenkt und mit seiner Kanone Häuser aus kürzester Entfernung in die Luft gejagt. Drei Stunden habe er in dem engen Raum zwischen den beiden für ihn zu engen Stadttoren gewütet und sei immun gewesen gegen die an seiner Panzerung „krepierenden Granaten“.

Ausweglose Lage

Philipp Vogels, der wie Karl Cleef Augenzeuge der Geschehnisse war, berichtet von einem verlustreichen Kampf für beide Seiten: „Als am 21. Januar die erste der vier Abteilungen von Major Stancombs Panzern noch in der Dunkelheit auf den westlichen Ortsrand zustieß, tauchten etwa 50 Meter vor ihnen drei deutsche Tigerpanzer im Nebel auf. Zwei von ihnen wurden von Pakgranaten getroffen und explodierten. Ein dritter Tiger und kurz danach ein vierter wurden von der Infanterie unschädlich gemacht.“

Die britischen Panzer seien in den Ort vorgedrungen in einen von Panzern geführten deutschen Gegenangriff. „Gegen Mittag hatten die Deutschen drei Viertel des Ortes zurückerobert, begannen aber bald mit dem Rückzug, da sie die Ausweglosigkeit ihrer Lage erkannt hatten.“

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