Historische Haushaltsgeräte bringen junge Besucher zum Staunen

Von: Anna Petra Thomas
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Lisa Berens demonstrierte den Besuchern der Sonderausstellung, wie früher ein hochmoderner Einmachglasöffner funktionierte.
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Neben der Sonderausstellung finden sich auch in dieser nachgebauten Waschküche in der Gerhard-Tholen-Stube einige alte Haushaltsgeräte.

Waldfeucht. Zuerst legt Lisa Berens den Draht rund um das Einmachglas mit den Pfirsichen genau da, wo sich unter dem Glasdeckel der rote Gummiring befindet. Danach dreht sie hinter dem Holzgriff an der Schraube, die den Draht immer weiter zusammenzieht, bis sich der Glasdeckel löst. So einen in seiner Zeit hochmodernen Einmachglasöffner haben die jungen Besucher noch nicht gesehen.

Seit Januar dieses Jahres unterstützt Lisa Berens, die aus Waldfeucht stammt und in Heinsberg-Lieck lebt, Museumsleiter Helmut Windeck bei der Arbeit im Museum. Das gilt für sie vor allem an jedem dritten Sonntag im Monat, wenn das Museum für Besucher geöffnet ist. Mit viel Liebe zum Detail hat sie jetzt ihre erste eigene Ausstellung konzipiert. Unzählige alte Haushaltsgeräte würden im Archiv des Museums lagern, erzählt sie. Doch leider gebe es keinen Platz, sie dauerhaft auszustellen.

Neben der guten Stube im Obergeschoss mit dem gedeckten Esstisch, der die Besucher zu Kaffee und Kuchen zu erwarten scheint, haben die Mitglieder des Historischen Vereins originalgetreu eine kleine Waschküche aufgebaut, mit großem Bottich, Wäschepresse und der frisch gewaschenen und gepressten Wäsche auf der Leine. Eine Küche mit altem Herd, die fehlt ihnen eigentlich auch noch. „Aber dafür haben wir leider gar keinen Platz“, sagt Lisa Berens. Dafür gebe es dann immer wieder mal Sonderausstellungen.

Und da ist dann vor allem für die Augen der jungen Besucher so manch‘ kleines „Ungetüm“ dabei, mit dem sie so gar nichts anfangen können. Den Fleischwolf, der für die Fertigung von Spritzgebäck genutzt werden konnte, kennt der ein oder andere noch von seiner Oma.

Schwieriger wird es da schon bei dem kleinen, von Hand zu drehenden Maschinchen für die Schnippelbohnen oder bei den hölzernen Butterförmchen und dem Kirschenentkerner. Der war in früheren Zeiten in vielen Haushalten schon Luxus. Richtig gut funktioniert hätten die alle nicht, erinnert sich eine Besucherin. Sie habe das früher zu Hause mit Hilfe einer Haarnadel viel besser geschafft.

Wasserleitung ein Luxus

Erstaunt sind die jungen Gäste auch über die altertümliche Fritteuse, die früher einfach ein dunkler Emaille-Kessel fürs Fett war, in den dann ein Sieb mit den Pommes Frites eingehängt wurde. Die Funktion der alten Brotschneidemaschine kann Lisa Berens den Besuchern ebenso erklären wie die des großen Einkochkessels mit seinem riesigen Thermostat, die von Butter- und Sauerkrautfass oder die eines Entsafters.

„Und wer weiß denn noch, wie es war, wenn in einem Haushalt noch keine Wasserleitung war?“, fragt sie in die Runde und deutet auf einen großen, weiß emaillierten Blecheimer mit einer Schöpfkelle drin.

Kabel für elektrische Geräte sucht der historisch Interessierte auf den beiden Tischen ebenfalls vergebens, mit einer Ausnahme: Eines der Bügeleisen hat auf seiner Hinterseite schon einen Anschluss für ein Elektrokabel, ist aber nicht minder schwer als die Eisen daneben, die noch auf die heiße Herdplatte gestellt wurden, um sie auf ihren Einsatz vorzubereiten.

Helmut Windeck, der zugleich Vorsitzender des Historischen Vereins Waldfeucht ist, freut sich sehr über die Unterstützung, die er in Lisa Berens gefunden hat. „Ich bin jetzt 85“, sagt er, „da wird das langsam für mich ein bisschen zu viel.“ Dennoch ist er aber auch weiterhin mit viel Elan dabei und weiß so einiges zu erzählen über die alte Zeit.

Völlig ratlos

Eigentlich kennt Helmut Windeck zu jedem Ausstellungsstück in der Gerhard-Tholen-Stube seine Geschichte und seine Funktion. Beim Thema Haushaltsgeräte ist er jedoch bei einem, das in dem kleinen Regal im Obergeschoss seinen Platz hat, selbst völlig ratlos. In der schlanken, hohen Blechdose befindet sich ein Stab mit drei gelöcherten Scheiben, die genau bis auf den Boden der Dose passen. Wenn ihm jemand sagen könnte, um was es sich bei diesem Gerät handelt, wäre er sehr dankbar (Telefon 02455/2068).

Ganz neue Themen will Lisa Berens in Zukunft den Sonderausstellungen geben. So soll es demnächst schon um das Thema Handarbeiten gehen, vom Spinnen übers Häkeln und Stricken bis hin zur Stickerei. „Spielen wäre auch ein Thema“, sagt sie und meint damit nicht die umfangreiche Spielzeugsammlung des Museums. Sie will zeigen, wie Kinder früher auch ohne teures Spielzeug gespielt haben. Windeck möchte in weiteren Ausstellungen wieder einmal bekannte Waldfeuchter Heimatforscher wie Hubert Berens, Julius Jansen oder Gerhard Tholen vorstellen.

Die Sonderausstellung mit den alten Haushaltsgeräten ist noch einmal zu sehen am nächsten Öffnungstag des Museums. Das ist der Sonntag, 19. November, von 14 bis 17 Uhr.

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