Historiker dokumentiert Geschichte von abgestürztem Kriegsflieger

Von: Anna Petra Thomas
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Hans Matwew (rechts) hatte für Historiker Helmut Frenken (links) und Jakob Gerards, Erster Beigeordneter der Stadt Heinsberg (2.v.r) zur Feier der Enthüllung ein großes Poster mitgebracht, das die abgestürzte Maschine des Typs Me 109 im Detail erläutert. Foto: Anna Petra Thomas
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Eine Tafel gegenüber dem Eilandshof informiert über den Piloten, der hier am 12. Oktober 1944 in den sumpfigen Rurauen abgestürzt ist. Foto: Anna Petra Thomas

Heinsberg-Oberbruch. Nach seiner ersten, detaillierten Recherche über den Absturz eines amerikanischen B17-Bombers im Jahr 1944 am Aloysiusplatz in Oberbruch hat Helmut Frenken nun auch die Geschichte einer deutschen Me 109 dokumentiert, die am 12. Oktober 1944 am Eilandshof in Oberbruch abgestürzt ist und bei der Pilot Hans Mayer ums Leben kam.

Anders als am Aloysiusplatz steht am Feldrand gegenüber vom Eilandshof jetzt jedoch nicht nur ein Gedenkstein, sondern auch eine Informationstafel, die ausführlich über das Leben des Piloten und über die späteren Ausgrabungen an der Absturzstelle berichtet. Zudem hat Frenken ein knapp 30-seitiges Heft zusammengestellt, in dem die Geschichte dieses Flugzeugabsturzes detailliert beschrieben wird und die mit zahlreichen Fotos und Grafiken bebildert ist.

Anlässlich der offiziellen Enthüllung von Gedenkstein und Informationstafel freute sich Frenken über interessierte Zuhörer, mit denen er noch einmal zurückging bis zur Geburt des Piloten Hans Mayer. Am 14. August 1923 sei dieser in Köngisbronn in Baden-Württemberg geboren worden. Nach der Schule habe er eine Lehre als Maschinenschlosser absolviert und sich schon früh dem Hobby der Segelfliegerei gewidmet. 1941 habe sich Mayer freiwillig zur Luftwaffe gemeldet, 1943 seine Pilotenausbildung abgeschlossen und sei dann 1944 als Pilot zum Jagdgeschwader 77, genannt „Herz As“ gekommen. „Das war ein sehr bekanntes Geschwader im Zweiten Weltkrieg“, so Frenken.

„Mit seiner Me 109 G 14, Werknummer 781230 und der gelben 9 auf dem Rumpf war auch der 21 Jahre alte Unteroffizier Hans Mayer mit seinen Fliegerkameraden der 3. Staffel der I. Gruppe des Jagdgeschwaders 77 ‚Herz As‘ im Einsatz“, schreibt der Historiker in seiner akribisch recherchierten Dokumentation. Dass es ein amerikanischer Pilot war, der die deutsche Maschine abschoss, gelte als sicher, genau einer feindlichen Maschine könne der Absturz jedoch nicht zugeordnet werden.

Beigesetzt wurden die an der Absturzstelle gefundenen Körperteile Mayers zunächst auf dem Heldenfriedhof in Lövenich. Ein weißes Holzkreuz wurde für ihn in Reihe sieben an siebter Stelle aufgestellt. Irrtümlich sei sein Name allerdings dort mit „e“ und nicht mit „a“ geschrieben worden, weiß Frenken, der das kleine Emaille-Schildchen von dem Holzkreuz mitgebracht hatte. In der Folge sollte dies noch für Verwirrung sorgen, da es tatsächlich auch einen Piloten mit Namen Hans Meyer gegeben habe, so Frenken.

Auf Drängen seiner Mutter wurde Mayer schon 1949 umgebettet und fand seine Ruhestätte in Königsbronn-Itzelberg. Dennoch erhielt der Pilot bei der Umgestaltung des Lövenicher Friedhofs Anfang der 1960er Jahre auch hier noch ein Steinkreuz.

Schon 1952 sei dann erstmals in den sumpfigen Rurauen nach dem Flugzeug gegraben worden, wusste Frenken weiter zu berichten. Dabei seien erneut Leichenteile gefunden worden, die in Ratheim bestattet worden seien unter einer Steinplatte mit der Aufschrift „Unbekannter Deutscher Flieger“. Im März 1980 wurde dann erneut nach dem Flugzeug gegraben.

Schon dicht unter der Oberfläche habe sich ein Propellerblatt befunden, in vier Metern Tiefe dann der Pilotensitz, Bekleidungsteile, Kopfhörer und Funkgerät, eine Brieftasche, eine Pistole und Teile von Munition sowie der Fallschirm. Die Flugzeugteile seien an einen niederländischen Schrotthändler verkauft worden, berichtete Frenken. „Und dann war da noch der rechte Fuß des Piloten“. Der habe noch in seinem Stiefel gesteckt.

Zum Schluss seines Vortrags zur Enthüllung von Gedenkstein und Informationstafel dankte Frenken zahlreichen Oberbruchern, die ihn bei der Realisierung dieses neuen Projekts der Ortshistorie unterstützt und tatkräftig mit Material und Arbeitseinsatz unterstützt hätten, darüber hinaus dem mittlerweile 84 Jahre alten Bruder des Piloten, Rolf Mayer, und Änne Offermann, die ihm die bereits von ihrem verstorbenen Mann Willi zusammengestellte Dokumentation zum Absturz überlassen habe.

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