Hinter Gittern gegen den „Mainstream“ entschieden

Von: Anna Petra Thomas
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Zu den Firmlingen gehörte auch Leonardo C. Seine Firmpatin war die ehrenamtliche Betreuerin Uschi Schlangen. Foto: Anna Petra Thomas

Heinsberg. Sehr direkt und ganz unvoreingenommen ging Weihbischof Karl Borsch auf die jungen Strafgefangenen in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Heinsberg zu, für deren Firmung er am Samstagmittag in die Kirche auf dem Gefängnisgelände gekommen war.

Erst einmal erklärte er den Häftlingen, warum er eine Mitra trägt, dass sein Hirtenstab ganz bewusst aus Holz gefertigt ist, warum er ein großes Kreuz um den Hals trägt und dass sein Ring aus den Eheringen seiner Eltern besteht. „Firmung ist heute nicht mehr normal. Wer sich firmen lässt, muss sich entscheiden gegen den ‚Mainstream‘“, lobte er sodann die Entscheidung der sieben Gefangenen, sich firmen zu lassen. Kirche sei heute für viele „uncool“. Doch wer glaube, habe mehr vom Leben. „Er lebt in Gemeinschaft, und die feiern wir in jeder Messe mit Jesus Christus in der Mitte.“

Mit dem Autofahren verglich der Weihbischof das Leben in seiner Predigt. „Wer kein Profil hat, kommt leicht ins Schleudern“, erklärte er. „Unser Profil ist das Kreuz.“ Wer das Kreuz nach der Firmung auf der Stirn trage, zeige öffentlich, dass er Christ sei. Das Kreuz erinnere aber auch an alles Schwere. „Jeder stößt mit seinem Kopf irgendwann einmal an den Querbalken. „Das Kreuz ist eine Realität, in der wir leben“, erklärte er den jungen Häftlingen. „Und der Weg zum Leben führt nicht am Kreuz vorbei, sondern durch das Kreuz hindurch.“ Auch durch die Straffälligkeit hindurch führe der Weg wieder zum Leben. Niemand müsse in dieser Zeit verzweifeln, wenn er sich von Jesus Christus tragen und helfen lasse. „Jeder hat eine Chance auf neues Leben!“

Das Beten nicht vergessen

In der Firmung werde jeder mit seinem Vornamen angesprochen. „Jesus meint keine anonyme Masse. Er meint genau Dich. Er liebt Dich, egal was passiert ist. Egal, was Ihr verbrochen habt, Gott steht zu Euch“, erklärte er den Firmlingen. „Gott ist das Vorzeichen vor der Klammer Eures Lebens!“

Sich Gott und seinen Sohn Jesus Christus vorzustellen, sei nicht zu schwierig, fuhr er fort. Beim Heiligen Geist gelinge das eher in Bildern. Die ersten Christen hätten von einem Feuer berichtet, das sie angesteckt habe, oder von lebendigem Wasser. Heute gelinge das eher mit der Vorstellung eines Navigationssystems im Auto. „Wenn Ihr Euch mit dem Navigationssystem vom Himmel verfahren habt, heißt es dann auch: ‚Wenn möglich, bitte wenden!‘ Dann berechnet Gott die Route neu!“, so Borsch. „Lasst euch nicht treiben vom Zeitgeist. Lasst Euch führen vom Geist Gottes. Gott ist Stand-by!“

Bei der Firmung übernahmen nicht nur Angehörige die Patenschaft für die Firmlinge, sondern auch ehrenamtliche Betreuer in der JVA, wie Uschi Schlangen aus Wassenberg. Leonardo C. ist schon ihr sechstes Patenkind im Gefängnis. „Ich sehe in den Jungen hier verlorene Seelen, die ihren Weg nicht geschafft haben“, hatte sie im Gespräch mit unserer Zeitung schon vor der Firmfeier erklärt. „Ich zeige ihnen, dass sie auch eine gute Seite haben. Ich gebe ihnen das Gefühl, dass sie auch etwas wert sind.“

Zum Schluss der heiligen Messe in der Gefängniskirche gab der Weihbischof den gefirmten Gefangenen noch einen ganz eindringlichen Appell mit auf den Weg. „Vergesst das Beten nicht!“, rief er ihnen zu. „Bleibt online mit Gott! Dann wird Eurer Leben gelingen.“

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