Erkelenz - Hilfe für Helfer: Neues Projekt unterstützt Flüchtlingspaten

Hilfe für Helfer: Neues Projekt unterstützt Flüchtlingspaten

Von: Helmut Wichlatz
Letzte Aktualisierung:
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Ein Erfahrungsaustausch, der alle Beteiligten weiterbringen soll: Karin Salentin berichtete aus ihrem Alltag als Flüchtlingspatin. Foto: Wichlatz

Erkelenz. „Menschen stärken Menschen“: Unter diesem Motto bietet der Kinderschutzbund in Zusammenarbeit mit dem Paritätischen Wohlfahrtsverband und mit finanzieller Unterstützung der Bundesregierung ein neues Angebot für ehrenamtliche Flüchtlingspaten.

Die Ehrenamtler sollen die Möglichkeit haben, in kleinen Gruppen und unter professioneller Begleitung über ihre Arbeit zu reflektieren. Zu einem ersten Treffen hatte Michael Kutz vom Kinderschutzbund eingeladen. Erklärtes Ziel des Projektes ist die Unterstützung der Paten, erklärten Bettina Königs und Sonja Pérez-Meyer. Die Familientherapeutin und die Kulturpädagogin haben das Projekt gemeinsam ausgearbeitet.

„Wir wollen den Paten eine Austauschmöglichkeit bieten, um zu stärken und zu motivieren“, betonte Königs. So könne ein „Ausbrennen“ der ehrenamtlichen Helfer verhindert werden. Das Aufgabenfeld der Paten im Prozess der Integration von Flüchtlingen unterliege einem Wandel mit veränderten Zielsetzungen, erläuterte sie. „Die Ehrenamtler stoßen dabei auch an persönliche Grenzen“, führte sie weiter aus und verwies auf die teilweise nötige Verarbeitung von Traumata bei den Flüchtlingen, aber auch auf das Widerspiel von Nähe und Distanz im Umgang mit ihnen. Ziel der Selbstreflexion sei auch, dass man seine Stärken besser einzuschätzen lernt, um mit den Aufgaben nicht überfordert zu sein.

Zu Beginn der Flüchtlingswelle war auf die Kompetenzen der Helfer weniger geachtet worden, berichtete auch Kutz. Da sich die Aufgabenstellung nun verändere, sei auch bei den Akteuren ein Umdenken nötig. Wichtig sei aber, dass sich ein Interessent zu Beginn darüber Gedanken macht, wie viel und was er zu leisten bereit ist. „So läuft man nicht Gefahr, sich vereinnahmen zu lassen“, erläuterte er. Deshalb verfolge der Kinderschutzbund den Ansatz der bedarfsorientierten Hilfe.

Alle waren sich einig, dass Netzwerke helfen würden, Ressourcen zu bündeln und die Hilfe insgesamt zu verbessern. Eine professionelle Unterstützung ihrer Arbeit wurde von allen Anwesenden begrüßt.

Einige Interessenten waren gekommen, die schon aktiv Erfahrungen als Flüchtlingspaten gesammelt haben. Karin Salentin berichtete auch von rechtem Gedankengut, mit dem sie sich als Helferin auseinandersetzen müsse. Auf der anderen Seite beklagte sie mangelnde Koordination der Helfer und die Sprachbarriere als Hürde. Ein Rückzug aus der Arbeit sei schwer angesichts der Hilflosigkeit vieler Flüchtlinge.

Einig war man sich auch darüber, dass die angebotene Hilfe von den Flüchtlingen auch angenommen werden müsse. „Wir können nicht das Leben für sie organisieren“, erklärte ein Teilnehmer. „Aber wir können ihnen den Weg zeigen, wie sie es selbst in die Hand nehmen können.“ Mit anderen Worten: Flüchtlingspaten arbeiten daran, sich überflüssig zu machen.

Das betonte auch Franz Thiel vom Integrationsverein Willkommen in Erkelenz. Er erklärte, dass noch viel mehr Flüchtlingspaten und Helfer benötigt würden. „Eine Reduzierung der Belastung für die Paten kann dadurch erreicht werden, dass die Aufgaben auf mehr Schultern verteilt werden.“

Geplant sind regelmäßige Treffen in Kleingruppen, bei denen die Helfer von ihren Erfahrungen berichten und sich gegenseitig Unterstützung geben können. Die Gruppen sollen überschaubar gehalten werden. Bei Bedarf würden weitere Gruppen eingerichtet, erklärte Pérez-Meyer.

Für akuten Hilfsbedarf hat der Kinderschutzbund überdies eine Notruf-Hotline eingerichtet, die rund um die Uhr genutzt werden kann.

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