Heinsberg-Schafhausen - Herrliche Anekdoten und leibliche Genüsse beim Mundarttreff

Herrliche Anekdoten und leibliche Genüsse beim Mundarttreff

Von: Johannes Bindels
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Wunderbare Erzählungen: Magda Hausmann, Theo von Birgelen und Josef Vennen gaben beim Mundarttreff des Heimatvereins Schafhausen Geschichten und Anekdoten zum Besten. Foto: Johannes Bindels

Heinsberg-Schafhausen. Mundartabende haben Konjunktur und sind ein wichtiger Bestandteil der Arbeit der Heimatvereine – seien es jetzt der „Vöchter Vertäll“ des Historischen Vereins Waldfeucht, der „Plattdütsch Oavend“ des Heimatvereins Wassenberg oder wie aktuell der 9. Mundarttreff des Heimatvereins Schafhausen.

Letzterer bot den rund 50 Teilnehmern zum Thema „E Värkesläve bis et Schlaachfäs“ ein besonderes Erlebnis. Ab sofort werde nur Plattdeutsch geredet, versprach Hans-Josef Heuter, Geschäftsführer des Heimatvereins Schafhausen, den Anwesenden bei der Vorstellung des Abendprogramms. Zuvor hatte die Vorsitzende Dr. Ursula Gellissen die erwartungsvolle Zuhörerschaft auf einige Höhepunkte an diesem Abend aufmerksam gemacht.

Panhas, Murejemös, Schwattbruot

Zu den Besonderheiten bei den Mundarttreffen in Schafhausen gehörte nicht zum ersten Mal die Verbindung von geistigem und kulinarischem Genuss. Wenn beim letzten Treffen „Enn Flaa met Ledderkes“ im Mittelpunkt des leiblichen Genusses stand, so war es diesmal „Panhas met Murejemös on Schwattbruot“ als ein Produkt aus dem Themenkreis der früher so bekannten Hausschlachtungen.

Die Zusammenarbeit mit anderen Heimatvereinen funktioniert auf vielen Ebenen. So war es nicht verwunderlich, dass diesmal Gäste des Heimat- und Naturvereins Brachelen teilnahmen.

Als Gastrednerin startete Magda Hausmann aus Karken mit dem Beitrag „E Värkesläv“ des Autors Josef van Crüchten. Wie es war, als beinahe jedes Haus auf dem Land ein oder zwei Ferkel mästete, schilderte diese Erzählung. Jedes Familienmitglied musste dabei eine Aufgabe übernehmen. Vom Kauf der kleinen Ferkel beim Tierhändler über die Futterbesorgung und Fütterung bis zum Schlachtvorgang bei der Hausschlachtung wurde ein Beispiel der Selbstversorgung lebendig. Anekdoten rund um die Hausschlachtungen blieben nicht aus.

Warum und wie war ein Schlachtschein zu bekommen? Wie doppeldeutig waren schriftliche Beantragungen auf Hochdeutsch? „Lambert Kohlen, das Schwein kommt hinten nicht mehr hoch und muss notgeschlachtet werden“, hieß es etwa, was Anlass zur Erheiterung gab. Geschlachtet wurde im Freien zu einem Zeitpunkt, wenn keine Fliegen mehr zu sehen waren.

Zu kostbar waren auch die Fleischvorräte, so dass mit Vorrichtungen wie stromführenden Drähten die Katzen vom Schlachtbereich entfernt gehalten wurden. Als Lausbengel wollte der Autor nach gleichem Muster seinem Vater einen Streich spielen und erhielt selber einen Stromschlag, der von einer Flamme wie „ene Dinosaurijer spiede“ begleitet wurde.

Theo von Birgelen, Leiter des Mundarttreffs, ergänzte mit seinen als Kind erlebten Geschichten „Wie bi oss ett Värke jeschlacht wu-ed“ und „Wie bi oss Panhas jemakd wu-ed“ den Themenblock. Mit letzterer Geschichte war dann auch das Startsignal gegeben, eine Portion Panhas mit Möhrengemüse auf Schwarzbrot zu genießen.

Fortsetzung mit Reibekuchen

Josef Vennen überzeugte mit seinem Beitrag um die Bedeutungsvielfalt des Begriffs „Ferkel“ mit humorvollen, kreativen und doppeldeutigen Synonymen, die gerade auch so manches Verhalten von Menschen treffend beschrieben. Die Lacher hatte er auf seiner Seite. Besinnlicher war dagegen der Beitrag zum Thema der Figur des Nikolaus von Gastredner Diakon Peter Derichs aus Kempen.

Wenn in den Vorträgen die Nostalgie deutlich vorherrschte, mit den leiblichen Genüssen war der Bezug zum Hier und Heute gegeben. Weil dieses Konzept bestens aufgeht, kündigte Heuter schon für das Frühjahr eine Fortsetzung an: Da werde dann Reibekuchen als Thema im Mittelpunkt stehen.

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