Herbert Knebel mit seinem Soloprogramm in der Aula

Von: mb
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Herbert Knebel erfreute mit seinem Soloprogramm „Ich glaub, ich geh kaputt“. Archivbild: Sandra Kinkel Foto: Sandra Kinkel

Hückelhoven. Wo er auftaucht, ist das Lachen nicht weit. Gewohnt stilsicher im maßgeschneiderten Seniorensakko aus reinem Polyester betrat Herbert Knebel (alias Uwe Lyko) die Bühne der Hückelhovener Aula.

Wie immer sorgte die überdimensionale Hornbrille, ein besonders schönes Kassengestell, für Durchblick, wie immer schützte die Prinz-Heinrich-Mütze (Modell Cord, royalblau mit Eichenlaub-Stickerei) seine eigenwilligen Gedanken vor unerwünschten Umwelteinflüssen. „Häbbett“ – wie sein Publikum ihn kennt und liebt.

Rund 550 Besucher machten es sich im unglaublichen Mikro-Kosmos des Altenessener Frührentners gemütlich. „Ich glaub, ich geh kaputt“ verkündete er den Titel seines Soloprogramms gleich zu Beginn und brachte diese bedauerliche Tatsache singend und tanzend urkomisch auf die Bühne. Begleitet wurde er von Ozzy Ostermann an der Gitarre, immer gut für „einen Strauß bunter Melodeien, den man so auch nicht jeden Abend hören möchte“, wie Knebel es ausdrückte. Das Publikum dagegen hatte offensichtlich seinen Spaß mit Ostermann, dessen Auftritte lautstark bejubelt wurden. Knebel glänzte mit sicherem Blick für komische Situationen, raumgreifenden Gesten und trockenem Ruhrgebietshumor – Lebens- und Alltagshilfe inklusive. Wenn er „an analysieren ist“, bleibt kein Auge trocken.

Sonnenstudio und Tierarzt, Urknall und Ehefrau Guste, „Tätowationen“ und Piercing, Matratzenkauf und Granufink, zu allem hat er eine Meinung und zwar „meines Dafürempfindens nach“. Er kennt die Tücken des Alltags, hat bei Starbucks „den Kaffee auf“, berichtet von Currywürsten, die einschlagen „wie eine Kalorienbombe“ und fragt sich besorgt „Ist das jetzt eine Lähmung oder Tai Chi“.

Den Möglichkeiten moderner Technik verschließt er sich keineswegs und outet sich als einer, „der sich den Wolf klickt“. Auch Vorteile und Peinlichkeiten des „Vibrationsalarms mit Errottik-Gestöhne“ sind ihm nicht fremd. Wenn seine Analyse komplizierte Sachverhalte auf den Punkt gebracht hat und Knebels Welt wieder rund ist, stellt er mit einer wegwerfenden Handbewegung und einem forschen „obwohl …“ wieder alles in Frage. Typisch Knebel eben. Nur bei Knebel „erbrechen sich Spielautomaten in nimmersatte Hände“, ergeben sich „Mitfahrgelegenheiten in et Jenseits“ und werden „Küchenspülen großräumig mit Flatterband abgesperrt“. Kein Trend bleibt unkommentiert, keine Schrulle unbeleuchtet, kein Zipperlein kommt ungeschoren davon, keine Banalität des Alltags wird unter den Teppich gekehrt. Seine Erkenntnisse liegen so offensichtlich auf der Hand, dass die Zuhörer sich – immer noch lachend – fragen, wieso sie darauf eigentlich nicht selbst gekommen sind.

Ein vergnüglicher Abend für Knebel-Fans und solche, die es an diesem Abend wurden. Begeisterter Applaus erzwang zwei Zugaben, die letzte davon ein „Lied in Form von Musik“. Nur eine einzige Frage blieb offen an diesem Abend, an dem Knebel die Welt allumfassend erklärt hatte: Wo hat dieser Mann tanzen gelernt?

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