Heinsberg/Düsseldorf - Heinsberger zum Präsidenten des Finanzgerichts gekürt

Heinsberger zum Präsidenten des Finanzgerichts gekürt

Von: Rainer Herwartz
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Bei der Amtseinführung von Dr. Hans-Josef Thesling (links) gratulieren Justizminister Thomas Kutschaty (rechts) und Theslings Vorgänger Helmut Plücker.

Heinsberg/Düsseldorf. Bislang, sagt er, sei er rund 20 Jahre lang eher im Back-Office-Bereich tätig gewesen, quasi hinter den Kulissen. An die neue Rolle, an vorderster Front, müsse er sich erst noch gewöhnen. Denn der Dremmener Dr. Hans-Josef Thesling, der für die CDU im Heinsberger Kreistag sitzt, wurde jetzt zum neuen Präsidenten des Finanzgerichts Düsseldorf berufen – zweifellos der bislang krönende Abschluss der juristischen Karriere.

Justizminister Thomas Kutschaty händigte dem 54-Jährigen in diesen Tagen in Düsseldorf die Ernennungsurkunde aus. Thesling wurde damit Nachfolger von Helmut Plücker, der in den Ruhestand trat.

Selbst die meisten Nachbarn in Dremmen dürften nur vage ahnen, was der zurückhaltende Jurist beruflich treibt. „Morgens sehen sie mich um sieben losfahren und irgendwann abends komme ich zurück“, lächelt Thesling. Mehr wissen die meisten nicht.

Dass es ihn eines Tages in den Bereich des Steuerrechts verschlagen würde, hätte Thesling als Jugendlicher wohl selbst nicht geahnt. Denn Zahlen waren nicht unbedingt die große Leidenschaft des Gymnasiasten. „Nur Durchschnitt“ sei er da gewesen, sagt er. „Mathe habe ich nicht intensiv betrieben. Als Schüler hatte ich am liebsten Sprachen und Geschichte.“

In diesem Punkt hat seine Tochter, die derzeit ein Sprachenstudium fürs Lehramt an Gymnasien absolviert, offenbar ein wenig die Gene des Vaters geerbt. Seine beiden Jungs, längst gestandene Unternehmensberater, waren hingegen echte „Mathecracks“, die erfolgreich Wirtschaftsmathematik in Maastricht studierten, sagt Thesling. Ob er ein wenig traurig sei, dass keines seiner Kinder in seine Fußstapfen als Jurist getreten sei? „Auf keinen Fall“, meint der stolze Vater.

„Ich habe mich im Studium schwerpunktmäßig im Steuerrecht getummelt“, erklärt der frischgebackene Gerichtspräsident. „Es war an der Uni ein Nischenfach, aber sehr spannend. Steuerliche Lehrstühle bei den Juristen gibt es nicht so viele.“ Doch in Bonn sei dies der Fall gewesen. Das industrierechtliche Seminar mit „hochkarätigen Vortragenden, meist aus dem Bundesfinanzministerium, und die entsprechenden Diskussionen“ hatten es dem Jurastudenten schnell angetan.

Später dann habe er sich beruflich ständig zwischen den Polen Steuerrecht und Verwaltung bewegt. „Ich habe auch zehn Jahre lang in der Landtagsverwaltung gearbeitet, dort war ich im politischen Bereich als Beamter tätig.“ Zu seinem Aufgabenfeld habe zum Beispiel die Betreuung von Plenarsitzungen oder Ausschüssen gehört.

Sein Faible für Verwaltungsdinge ist ihm heute überaus hilfreich. „Das Präsidentenamt ist eine Mischung aus Fachlichkeit und Organisationsangelegenheiten“, beschreibt Thesling. Er ist in dieser Funktion ja auch Leiter der Verwaltung des Gerichts, Repräsentant des Hauses gegenüber dem Justizministerium und selbstredend in steuerlichen Angelegenheiten. Zudem ist er Vorsitzender des Präsidentensenats, in dem dann letztlich auch die juristischen Entscheidungen zu treffen sind.

Insgesamt gebe es 15 Senate am Finanzgericht in Düsseldorf, das sich im Jahr mit rund 4500 Fällen zu beschäftigen hat. Rund 50 Richter stehen Thesling dabei zur Seite. Insgesamt ist er Chef von etwa 100 Mitarbeitern. Ein Finanzgericht gebe es in Nordrhein-Westfalen neben Düsseldorf nur noch in Köln und Münster.

Was dort eigentlich verhandelt werde? „Es wird vor allem die Rechtmäßigkeit in Steuersachen überprüft, das heißt zum Beispiel, ob ein Arbeitnehmer die Kosten für sein Arbeitszimmer steuerlich berücksichtigen darf.“ Letztlich verliefen derlei Verfahren meist nach dem gleichen Muster: Das Finanzamt lehnt die Kostenanrechnung ab, der Steuerzahler legt Widerspruch ein, das Finanzamt trifft eine Einspruchsentscheidung und wenn beide Parteien nicht überein kommen, muss das Finanzgericht einen Beschluss fassen.

Diese Verfahren machten den Löwenanteil der Arbeit des Gerichtes aus, erklärt Thesling. Gleichwohl besitze das Gericht aber auch die Landeszuständigkeit für Zollangelegenheiten und werde in Kindergeldstreitfragen zwischen dem Bezieher und den Kindergeldstellen angerufen. Mit der Strafverhängung, zum Beispiel bei Steuerbetrugsdelikten, habe das Finanzgericht jedoch nichts zu tun, erläutert der Jurist. Dafür sei die sogenannte „ordentliche Gerichtsbarkeit“ wie ein Landgericht zuständig. Nur bei der Berechnung der Steuerschuld könnten die Finanzrichter wieder ins Spiel kommen.

Wenn Hans-Josef Thesling nun wieder morgens um sieben in sein Auto steigt, werden ab heute wohl einige Nachbarn mehr wissen, was der Dremmener den ganzen Tag so beruflich treibt.

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