Heinsberg - Heinsberger Tiefbautechniker erorbert still den Weltmarkt

Heinsberger Tiefbautechniker erorbert still den Weltmarkt

Von: Rainer Herwartz
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In den Produktionshallen von SBH Tiefbautechnik ist immer etwas los. Der Betrieb läuft in drei Schichten. Foto: Rainer Herwartz
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Firmenchef Wolfgang Deußen (links) vertreibt die Verbausysteme mittlerweile in 58 Länder. Foto: Rainer Herwartz

Heinsberg. „Hatten Sie früher eine Bande? Ich hatte eine“, erzählt Wolfgang Deußen aus Kindertagen und lacht. Beinahe jeden Tag seien seine Jungs und er durch Wald und Feld gestromert. Draußen im Freien habe er sich richtig wohl gefühlt. Eine „Bande“ hat er heute nicht mehr. Aber ein Unternehmen, das sich still und leise zum Weltmarktführer in Sachen Verbausysteme für den Tiefbau gemausert hat.

Und der findet immer noch im Freien statt. SBH Tiefbautechnik aus Heinsberg, dessen Geschäftsführender Gesellschafter der Oberbrucher ist, bietet praxisgerechte Lösungen vom ultraleichten Verbau aus Aluminium für kleinere Bauaufgaben mit leichtem Baugerät, über Verbauboxen bis hin zum Dreifachgleitschienenverbau für große Tiefen.

Jetzt hat das Unternehmen zudem noch eine innovative „Absturzsicherung und Einstiegshilfe“ entwickelt, die es so in Europa laut Deußen noch nicht gab. Im letzten Jahr hat SBH seine Mitarbeiterzahl zudem um ein Drittel erhöht. Und das Ende ist noch nicht abzusehen.

„Sicherheit rund um den Grabenverbau, da beschäftigen wir uns seit Jahren mit; Systeme, die das Erdreich stützen und die Mitarbeiter bei der Rohrverlegungsarbeit absichern. Das haben wir soweit entwickelt, dass wir mittlerweile auch den Zugang in die Gräben absichern“, sagt Deußen. Der bislang letzte große Wurf, die „Absturzsicherung und Einstiegshilfe“ wurde im März erfolgreich in Las Vegas einem breiten Fachpublikum präsentiert.

Neben München und Paris sei Las Vegas die dritte bedeutende Messestadt für die Produkte von SBH. Im Drei-Jahres-Rhythmus pilgerten die Branchenvertreter reihum zu diesen Hotspots, um sich die neuesten Errungenschaften vorführen zu lassen.

Durch das neue Konstrukt seien die Mitarbeiter beim Einstieg in metertiefe Gräben durch ein Sicherungsseil an einer mitlaufenden Winde geschützt, erklärt Deußen. „Das System dient zudem noch zur Rettung von Mitarbeitern, wenn sie zum Beispiel verletzt werden oder einen Schlaganfall erleiden. Dann braucht man nicht auf die Feuerwehr zu warten, um sie raufzuholen.“

Auch seine eigenen Mitarbeiter sind Wolfgang Deußen wichtig. Berührungsängste zwischen Chef und Arbeitern gibt es bei SBH offenbar nicht. Beim Rundgang durch die Produktionshallen ist dies schnell zu spüren. Dabei ist es – objektiv betrachtet – gar nicht so leicht, alle unter einen Hut zu bekommen, denn immerhin beschäftigt SBH Menschen mit 13 verschiedenen Nationalitäten. „Das Zusammenleben funktioniert hervorragend“, freut sich der Chef.

Und alle scheinen sich in der Tat hier wohlzufühlen. Wenn demnächst wieder das Firmenfest „Family and Friends“ auf dem Gelände gefeiert werde, könnte es auch schon einmal vorkommen, dass ein Mitarbeiter sich gleich mit bis zu 20 Familienmitgliedern anmelde, lächelt Deußen. Je nach Kulturkreis seien die Familien nun einmal unterschiedlich groß. Auch die 32 Neuzugänge, die im letzten Jahr die bis dahin 92 Mitarbeiter starke Firma noch einmal aufgestockt haben, werden nun davon profitieren.

„Wir expandieren weiter auf dem Weltmarkt“, nennt Deußen einen der Gründe für den betrieblichen Zuwachs. Ein weiterer Hintergrund der Expansion am Standort in Heinsberg ist allerdings auch die Schließung eines Produktionswerkes in Housten/Texas vor rund vier Jahren, dessen Produktion nach 16 Jahren wieder zurück in die Kreisstadt verlegt wurde.

„Früher war das verschiffen in Containern sehr kostspielig“, erläutert Deußen die Ursache für die Produktion in den USA. „Das hat sich dramatisch geändert. Wenn sie heute einen Container mit 20 Tonnen Material verschiffen, kostet der genau so viel wie ein Lastkraftwagen nach Frankreich. Heinsberg spielt eine zentrale Rolle für unser Lastkraftwagen-Geschäft. 15.000 Tonnen verschiffen wir im Jahr über Antwerpen.“ Das entspreche 750 Containern.

Als Wolfgang Deußen 1986 mit zwei stillen Gesellschaftern SBH aus der Taufe hob, hat der damals 27-Jährige wohl auch nicht geahnt, dass er heute an der Spitze der Branche stehen würde. Nach der Realschule hatte er bei dem Heinsberger Unternehmen Krings-Verbau eine Ausbildung zum Industriekaufmann absolviert und das Unternehmen nach dessen Konkurs in anderer Form weiter- und zum Erfolg geführt.

Wie er sich diesen Erfolg erklärt? Unter anderem so. „Wir unterscheiden uns von unseren Mitbewerbern durch unsere Qualität. Unser Reklamationsvolumen liegt seit Jahren bei nahezu Null. Wir liefern heute in 58 Länder der Erde. Diese Weltmarktbelieferung macht uns unempfindlich gegen lokale Störungen. Wenn das Europa-Geschäft schwächeln sollte, aber dafür Fernost läuft, ist das für uns kein Problem.“

Auf 55.000 Quadratmetern Fläche an den beiden Standorten Ferdinand-Porsche-Straße und Borsigstraße wird heute im Drei-Schicht-Betrieb produziert. Und gerade erst hat SBH noch 2500 Quadratmeter von der Stadt hinzugekauft für Lagerstätten und Fertigung. „Wir gehen davon aus, dass die Expansion eine langfristige Geschichte ist“, glaubt der Sohn eines Milchhändlers. Schweißer, Konstruktionsmechaniker und Zerspanungstechniker werden daher immer noch gesucht, damit die Bande – pardon – Belegschaft weiter wächst.

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