Heinsberg - Heinsberger Feuerwehrfest: 570.000 Euro teure Anschaffung eingesegnet

Heinsberger Feuerwehrfest: 570.000 Euro teure Anschaffung eingesegnet

Von: Anna Petra Thomas
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Die Bedienung der neuen Feuerwehrleiter erfolgt über einen Computer. Sie eröffnet völlig neue Einsatzmöglichkeiten. Foto: Anna Petra Thomas
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Stadtbrandinspektor Ralf Wählen überraschte Bürgermeister Wolfgang Dieder mit der silbernen Ehrennadel der Heinsberger Feuerwehr . Foto: Anna Petra Thomas

Heinsberg. Erst tröpfelte es nur ein wenig, dann goss es ausgerechnet zum Festakt in Strömen, und doch wechselte der Schlüssel feierlich von einem zum anderen: vom Bürgermeister zum Stadtbrandinspektor, weiter zum Löschgruppenführer und schließlich zu Drehleiter-Maschinist Wilfried Oidtmann, der seit mehr als 25 Jahren für die Drehleiter der Heinsberger Feuerwehr zuständig ist.

Nach der Begrüßung durch Marcel Nießen, Löschgruppenführer des Löschzugs Stadtmitte, waren jedoch zunächst die beiden Pfarrer Markus Bruns und Sebastian Walde an der Reihe, die das neue Fahrzeug mit der Drehleiter obendrauf oder, wie es ganz korrekt heißt, das Hubrettungsfahrzeug einsegneten.

Walde erzählte dabei die biblische Geschichte von Jakobs Traum von der Leiter, die Himmel und Erde verbindet und auf der Engel auf- und absteigen. Wenn die neue Drehleiter zum Einsatz komme, bedeute dies, dass Menschen in Gefahr seien, so Walde, aber auch, dass es Menschen gebe, die ihr Leben einsetzten in der Liebe zum Nächsten. „Hier wird der Traum dann wahr“, erklärte der Pfarrer, „wenn es Menschen gibt, die in Not sind und Engel, die sie retten.“

Bereits zum dritten Mal innerhalb von nur weniger Wochen dürfe er ein neues Feuerwehrfahrzeug seiner Bestimmung übergeben, erklärte Bürgermeister Wolfgang Dieder. „Dies ist insbesondere im Hinblick auf die investiven Möglichkeiten der Stadt Heinsberg deutlich hervorzuheben.“ Alleine für das neue Drehleiter-Fahrzeug habe die Stadt rund 570.000 Euro gezahlt, erklärte Dieder, bevor er den Schlüssel an Stadtbrandinspektor Ralf Wählen übergab.

„Das ist ein großer Tag für den Löschzug Stadtmitte“, befand Kreisbrandmeister Klaus Bodden. „Das ist ein imposantes Fahrzeug, aber darum geht es eigentlich nicht“, betonte er. Vielmehr gehe es darum, Menschen aus Notlagen zu retten. Sicherlich sei die Anschaffung ein „finanzieller Spagat“ gewesen. „Aber Sicherheit kostet nun mal Geld.“ Zudem dürften in der Stadt ohne eine solche Drehleiter für die Feuerwehr Gebäude mit mehr als zwei Obergeschossen ohne separaten Rettungsweg gar nicht erst gebaut werden.

Der Stadt Heinsberg bescheinigte er, mit dieser Anschaffung die Ziele des Brandschutzbedarfsplans in vollem Umfang erreicht zu haben. Sein Wunsch, dass die Drehleiter möglichst wenig Einsätze habe, werde sich aus Erfahrung nicht erfüllen, schloss er.

Die neue Drehleiter sei für die Feuerwehr „ein Allround-Gerät“, das vielfältig zum Einsatz komme, erklärte Wählen. Sein Dank ging an Nießen und Oidtmann, die in den vergangenen zwei Jahren an der intensiven Planung dieser Anschaffung beteiligt gewesen seien und dafür sehr viel Zeit investiert hätten.

Neben der insgesamt verbesserten Technik sei die Besonderheit der neuen Leiter ein um 75 Grad abwinkelbares Gelenk im ersten Leiterteil. Dadurch ergebe sich eine Reihe von neuen Einsatzmöglichkeiten. „In Zukunft kann der Korb über Geländer, Brüstungen oder Dachkanten hinweg abgesenkt werden“, so Wählen. „Man kann auch im Unterflurbereich, sprich in Baugruben oder Uferböschungen arbeiten, wo unsere alte Drehleiter einfach nicht hinkam.“

Und dann überraschte Wählen den Bürgermeister, indem er ihm die silberne Ehrennadel der Heinsberger Feuerwehr verlieh. „In den letzten Jahren hat er durch seinen persönlichen Einsatz die Umsetzung des Brandschutzbedarfsplans unterstützt, auch wenn das bei der finanziellen Situation nicht immer einfach ist“, sagte er dazu.

Oidtmann nahm danach „seine“ Drehleiter offiziell in Betrieb. Als erste bestiegen Bodden, Wählen und Dieder den Korb und begaben sich auf eine kleine Fahrt gen Himmel. Danach hatten alle Besucher des Festaktes die Möglichkeit, das neue Fahrzeug ausgiebig zu besichtigen. Weiter präsentierten sich auf dem Gelände der Heinsberger Feuerwache der ABC-Zug und die Wasserrettung des Kreises Heinsberg sowie die Polizei. Die Löschgruppe Unterbruch führte für alle Zuschauer eine Brandübung durch. Schon von weit her sichtbar war zudem der 90 Meter hohe Teleskopmast der Werkfeuerwehr von RWE aus dem Kraftwerk Neurath.

Das neue Drehleiter-Fahrzeug hat eine Gesamtmasse von 15,5 Tonnen, 290 PS und ein vollautomatisiertes Getriebe. Die Drehleiter mit einem Rettungskorb für drei Personen kann bis auf 23 Meter Höhe ausgefahren bis zu 12 Meter ausgeladen werden. Die Bedienung erfolgt über einen eigenen Computer. Computergestützt erfolgt auch die aktive Schwingungsdämpfung für die vierteilige Leiter. Im Leiterpark sind zusätzlich zwei Kameras verbaut. Der Korb hat zwei sogenannte Multifunktionsaufnahmen, zum Beispiel für eine Krankentrage oder anderes spezielles Gerät. Das Fahrzeug ist zudem mit Atemschutzgeräten ausgestattet, von denen eines direkt im Beifahrersitz integriert ist. Zudem ist es für Sturmeinsätze ausgerüstet, unter anderem mit Sägen.

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