Heinsberg - Heinsberger FDP will jetzt Schulbezirke ganz abschaffen

Heinsberger FDP will jetzt Schulbezirke ganz abschaffen

Von: Rainer Herwartz
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Noch vor dem Beginn des neuen Schuljahres hebt die Heinsberger FDP die Hand und möchte die erst im September letzten Jahres beschlossenen Schulbezirke wieder abschaffen. Foto: Stock/People

Heinsberg. Schon im Wahlkampf hatten die Heinsberger Liberalen es angekündigt. Und jetzt machen sie es wahr. Noch vor dem Beginn des neuen Schuljahres ziehen der neue Fraktionschef David Stolz und seine Mitstreiter gegen die unlängst eingeführten Grundschulbezirke in Schafhausen/Grebben, Oberbruch und Straeten zu Felde.

Mit den Stimmen von CDU und Grünen waren sie im September letzten Jahres beschlossen worden. Das Credo der Liberalen lautete damals: Entweder sind sie für alle Grundschulen gültig oder für keine!

Die Leiter der Grundschulen hatten seinerzeit Alarm geschlagen. Viele Eltern würden grundsätzlich nicht mehr die wohnortnahe Schule für ihre Kinder wählen. Die Zahl der Abwanderungen liege bei 21 bis 25 Prozent. „Dies ist eine sehr hohe Abwanderungsquote, wodurch einzelnen Schulen die gewünschte Standortsicherung mittelfristig nicht mehr garantiert ist“, hieß es in einem Schreiben an den Heinsberger Bürgermeister. „Wir Schulleiter sehen hier einen weiteren dringenden Handlungsbedarf, um die bestehenden Grundschulen als selbstständige Standorte erhalten zu können.“ Die Bildung von Schulverbünden, mit denen die Stadt bereits auf die demografische Entwicklung reagiert habe, sei da nur ein erster Schritt, meinten die Schulleiter. Ab dem nächsten Schuljahr würden in Heinsberg noch sieben Grundschulen an zehn Standorten bestehen. Der Vorschlag der Schulleiter lautete, wieder Schulbezirke einzuführen. Dadurch werde den einzelnen Schulen eine sinnvolle Größe ermöglicht und die hohe Abwanderungsquote deutlich abgesenkt.

Auch Schulrat Christoph Esser gelang es in einer Ratssitzung im Juli 2013 nur schwer, eine gewisse Sympathie für die Einführung von Schulbezirken zu verhehlen. Wenn eine Stadt feststelle, dass es in den Schülerzahlen an den Schulen zu Bewegungen komme, die unausgewogen seien im Hinblick auf die Konzentration von Armutsgefahr, Sprachproblematik oder sonderpädagogischem Förderbedarf, dann spräche dies sicher für die Einführung von Schulbezirken. Gleichsam seien diese dazu geeignet, als Steuerungsinstrument Schulstandorte zu stärken. Und im Hinblick auf die Inklusionsproblematik meinte er: „Die alte Idee der Schule für das Wohnumfeld kommt der neuen Idee der Inklusion entgegen.“ Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund hatten SPD, Grüne und die FDP eine umfassende Einführung der Schulbezirke favorisiert. Dass es letztlich nach dem Willen der CDU eine „kleine Lösung“ wurde, bedeutete für die Grünen einen Kompromiss und für SPD und FDP ein Unding.

„Bildung braucht Freiheit und Wettbewerb. Bildungsmöglichkeiten sind ein Standortfaktor für Ansiedlungsentscheidungen. Eine Investition in unsere Kinder ist eine Investition in unsere Zukunft. Wir Liberale sind gegen die festgelegten Grundschulbezirke in Schafhausen/Grebben, Oberbruch und Straeten“, bekräftigt denn nun auch David Stolz. „Alle Eltern müssen frei entscheiden dürfen, welche Grundschule ihr Kind besucht“, erteilt er der bestehenden Lösung eine klare Absage. „Wenn manche Eltern aus bestimmten Ortschaften nicht wählen dürfen und manche Eltern wohl, dann ist dies eine Ungerechtigkeit. Der Elternwille ist daher zu berücksichtigen, und alle müssen die gleiche Wahlfreiheit haben, egal in welchem Ort man wohnt. Eine Bevormundung Einzelner in den Schulbezirken kann nicht richtig sein. Für manche Eltern ist es vielleicht auch wichtig, dass ihr Kind eine Schule besucht, die auf dem Weg zur Arbeit liegt oder in der Nähe der Großeltern, die das Kind außerschulisch betreuen. Auch dies findet mit der aktuellen Regelung keine Berücksichtigung mehr“, ergänzt Anni Porn, FDP-Mitglied im Schul- und Kulturausschuss.

„Zudem möchten wir nicht, dass die Eltern ihre Kinder bei ihren Großeltern anmelden müssen, um die festgelegten Grundschulbezirke zu umgehen. Weiterhin sehen wir die Gefahr von Qualitätsverlusten, weil die Schülerzahl lediglich durch feste Zuweisungen geregelt wird. Mehr Vielfalt und Auswahl fördert die Qualität“, glaubt Stefan Lenzen, Pressesprecher der FDP-Stadtratsfraktion Heinsberg.

„Daher beantragen wir die Abschaffung der Grundschulbezirke, denn alle Bürger und Bürgerinnen in der Stadt Heinsberg haben die freie Wahl der Grundschule verdient – unabhängig vom Wohnort“, bringt David Stolz die Position der Liberalen auf den Punkt. Der Schul- und Kulturausschuss wird sich auf Antrag der FDP nun in seiner nächsten Sitzung erneut mit dem Thema Schulbezirke befassen müssen.

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