Hauswirtschaften, das ist nicht nur kochen

Von: Mirja Ibsen
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Ulrike Kamp

Kreis Heinsberg. Würden Sie Ihren Mann bügeln lassen? Ulrike Kamp lacht. Ihr Mann hat gewiss viele Talente. Aber das fachmännische Entfernen von ungehörigen Knicken aus Hemd und Hose gehört wohl nicht dazu. Er hatte auch keinen Hauswirtschaftsunterricht an der Schule. Ulrike Kamp schon.

Sie ist ja auch weiblichen Geschlechts, und Mädchen mussten so etwas lernen, damals, als die heute 60-Jährige zur Schule ging. Und sie findet, das sollte heute immer noch so sein. Der Rheinische Landfrauenverband setzt sich dafür ein, dass das Fach Hauswirtschaft an allen weiterführenden Schulen in Nordrhein-Westfalen auf dem Stundenplan steht. Nicht nur an den Haupt-, Real- oder Gesamtschulen, auch an den Gymnasien. Und als Vorsitzende des Heinsberger Kreisverbandes diskutiert Ulrike Kamp schon mal leidenschaftlich mit dem Landtagsabgeordneten Dr. Gerd Hachen über das Thema.

Aber Hauswirtschaft, das klingt so altbacken, so nach: zurück mit dem Heimchen an den Herd. Und das im Jahr 2015, dem Jahr der Quotenfrau in Dax-Unternehmen. Will sie das? „Mit Sicherheit nicht! Wobei man natürlich viel Geld sparen kann, wenn man sich selbst an den Herd stellt und regionale, saisonale Produkte zubereitet.“ Eine Akademikerin, die weiß, wie sie ihren Haushalt leicht organisieren kann, sei im Alltag entspannter.

Und wo bleibt, bitteschön, der Herr Akademiker? „Jungs sind genauso angesprochen. Es gibt schließlich immer mehr alleinerziehende Väter.“

Was fehlt den jungen Menschen denn heute? „Es fehlt das Wissen über Alltagskompetenzen. Das ist ein doofes Wort, aber es steckt alles drin.“ Hauswirtschaft, das ist nicht nur kochen. Haushalten, das bedeutet auch, ein Haushaltsbuch führen zu können, Kosten zu kalkulieren, einen Arbeitsplan zu erstellen, den richtigen Umgang mit Lebensmitteln zu kennen, damit sie nicht verschwendet werden oder auf dem Müll landen. Wirtschaften können sei immens wichtig. Gerade vor dem Hintergrund, dass heutzutage so viele Familien überschuldet seien. „Man kann mit wenig Geld einen Haushalt führen, man muss nur wissen, wie“, sagt die dreifache Mutter und Großmutter von Zwillingen.

Wichtig ist ihr das Stichwort Nachhaltigkeit, also der Umgang mit Ressourcen und der Umwelt. „Man muss zum Beispiel nicht so viel Waschpulver nehmen. Tägliches Wäsche waschen ist unnötig, denn dann ist die Waschmaschine oft nicht voll. Es werden unnötig viel Wasser und Energie verbraucht.“ Ulrike Kamp hat immer noch ihren festen Waschtag, so wie früher. Ihr ist das Thema Umweltschutz wichtig. Ebenso wie das Wissen über gesunde Ernährung. Deshalb erzählt die Landfrau Kindern an Grundschulen ganz viel über leckeres Obst und Gemüse und erklärt, woher die Milch kommt. Dafür gibt es das Schulobst- und Schulmilch-Programm.

Dass auch das hauswirtschaftliche Wissen zum Programm werden müsste, haben die Verantwortlichen inzwischen erkannt, sagt Ulrike Kamp. Aber auch sie kann die Frage nicht beantworten, welches Fach aus dem schon übervollen Stundenplan des verkürzten Abiturs dafür gestrichen werden sollte. Es gebe Überlegungen, das Thema fächerübergreifend zu behandeln, erzählt sie. Ein bisschen in Chemie, ein bisschen in Mathe, ein bisschen in Biologie...

„Man ist auf dem Weg, aber eben nicht so effektiv, wie wir uns das wünschen.“ Wir, das sind die LandFrauen. Großes L für Land, großes F für Frauen. Frauen, die sich ums Land kümmern. Auch um die Frauen? Was ist mit der Gleichberechtigung in der Landwirtschaft? Muss da noch viel getan werden? Ulrike Kamp lacht wieder. „Ich hatte nie das Gefühl, um Gleichberechtigung kämpfen zu müssen. In der Landwirtschaft mussten Frauen schon immer ihren Mann stehen. Ohne Frauen geht es auf dem Hof nicht.“ Ein wenig kampfeslustig sind die Landfrauen dann aber doch. Zwar wird die Arbeit gerecht geteilt, aber wenn es ums Geld geht, hört auch auf dem Lande die Gleichberechtigung auf. Equal-Pay-Beraterinnen des Landfrauenverbandes beraten deshalb Frauen über geschlechterspezifische Lohnunterschiede, über Rentenverluste und wie sie das bekommen, was sie verdienen. Außerdem hat der Verband eine Studie mit dem Titel „Mädchenbilder – Handwerksrollen“ in Auftrag gegeben. Ziel: Mädchen für Berufe jenseits traditioneller Rollenbilder zu interessieren. Denn Bügeln können auch Männer.

 

Mehr zum Weltfrauentag auf Seite 18: Zufluchtsort für Frauen

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