Hasen brauchen ein sicheres „Nest“

Von: Rainer Herwartz
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Für Hermann Mielich (links) und Revierförster Wolfgang von der Heiden ist ein Hase mit drei Jahren schon ein „alter Hase“. Foto: Herwartz

Heinsberg. Eins gleich vorweg, liebe Kinder: Ein Hase legt keine Eier. Definitiv nicht, auch nicht zu Ostern. Warum der putzige Hoppler denn überhaupt mit den bunten Eiern, die zu Ostern in Wohnzimmer und Garten gesucht werden dürfen, in Verbindung gebracht wird?

Im Jahr 1682 erwähnte angeblich ein Arzt aus Heidelberg erstmals den Osterhasen. Ihm zufolge soll der Brauch im Elsass, in der Pfalz und am Oberrhein entstanden sein. Warum der Hase aber zum Osterhasen wurde, weiß keiner mehr ganz genau. Viele Geschichten erzählen vom Osterhasen. Eine besagt, dass viele Hasen im Frühling Futter in den Gärten der Dörfer suchten. Nach dem langen Winter fanden sie woanders kein Fressen mehr. Da Hasen eigentlich sehr scheue Tiere sind und sonst nie in die Nähe von Menschen kommen, glaubte man früher, dass Hasen in die Gärten kamen, um Ostereier zu verstecken.

Eine andere Geschichte besagt, dass schon früher Erwachsene Ostereier für die Kinder versteckten. Der Osterhase sei erfunden worden, um zu erklären, wie die Eier in die Nester gekommen waren: Hasen hoppeln so flink, dass man sie nicht gut sehen kann. Dass der Hase die Eier auch noch selbst mit bunten Farben anmalen würde, setzte dem Ganzen die Krone auf. Vor allem, wenn man um die traurige Wahrheit weiß, dass die einzige Farbe, die sich spontan mit dem Hasen in Verbindung bringen lässt, die Farbe rot ist. Er steht nämlich auf der roten Liste, die vom Landesamt für Natur-, Umwelt- und Verbraucherschutz erstellt wird. Und das schon seit Jahren.

„Der Hase steht auf einer sogenannten Vorwarnliste“, erläutert Revierförster Wolfgang von der Heiden, der für die Waldgebiete von Übach-Palenberg bis nach Heinsberg zuständig ist. „Das bedeutet, dass sein Bestand zurückgeht, aber noch nicht gefährdet ist.“ Die Population unterliege großen Schwankungen. „Ein nasses, kaltes Frühjahr ist zum Beispiel für die Junghasen tödlich“, weiß der Waidmann.

Da sei die Fortpflanzungsfreudigkeit der Tiere schon recht hilfreich, denn bereits im Spätsommer könnten weibliche Junghasen selbst wieder Nachwuchs erzeugen – dann drei bis vier Mal im Jahr zwei bis vier Junge. Da vermutet Wolfgang von der Heiden auch den Zusammenhang mit dem Osterfest. „Ostern ist ja letztlich ein Fruchtbarkeitsfest, das es schon in vorchristlicher Zeit gab“, sagt er. „Der Name geht auf die germanische Göttin Ostara zurück.“ Wie gut, dass der Mann vor seinem Forstwirtschaftsstudium mal damit liebäugelte, Geschichte zu studieren.

In den letzten 30 Jahren sei die Population der Hasen stark zurückgegangen. Hier spiele auch das Verschwinden von Heckenrainen und Wildkräutern an den Feldwegen eine Rolle, glaubt Von der Heiden. Doch auch der Einsatz immer größerer Landmaschinen fordere seinen Tribut, was nicht zuletzt im Fluchtverhalten des Hasen begründet liege. Er lasse einen potenziellen Fressfeind ganz dicht he-rankommen, um dann plötzlich aufzuspringen und Haken schlagen davon zu stürmen. Was zum Beispiel bei einem Fuchs durchaus für Verwirrung sorgen könnte, beeindruckt einen riesigen Mähdrescher kaum. Ein Entrinnen ist nicht mehr möglich.

„Im Unterschied zum Karnickel lebt der Hase nicht in einem Bau, sondern in der freien Landschaft“, ergänzt Hermann Mielich, der nach seinem Studium der Forstwirtschaft derzeit als „Anwärter“ im Revier seine praktische Zeit absolviert. „Der Hase kratzt sich eine Mulde, eine sogenannte Sasse. Kaninchen werden nackt und blind geboren, Hasen hingegen sind bereits voll entwickelt und können schon etwa eine Stunde nach der Geburt flüchten.“ Außerhalb der Paarungszeit sei der Hase ein Einzelgänger.

„Das Karnickel ist generell grau-braun und der Hase deutlich bunter, dass heißt, er besitzt verschiedene Brauntöne“, sag Von der Heiden. „Das Karnickel wurde von den Römern eingeführt. Die Tiere lebten ursprünglich im Mittelmeerraum. „Das Hauptunterscheidungsmerkmal sind die Ohren, Löffel genannt. Sie sind beim Hasen deutlich länger. Er wiegt auch in der Regel mehr als doppelt soviel wie ein Kaninchen.“ Grundsätzlich gebe es in Nordrhein-Westfalen mehr Hasen als Kaninchen, da Letztere eher lokal vorkämen, während der Hase flächendeckend zu finden sei.

„Obwohl der Hase noch bejagt werden darf, verzichten viele Jäger freiwillig auf die herbstlichen Treibjagden“, sagt der Revierförster. Die Jagdstreckenstatistik des Landesumweltministeriums weist für das Jagdjahr 2013/14 52.000 durch Jäger getötete Hasen auf. Vier Jahre zuvor waren es noch 110.000. Hauptgrund für den Rückgang der Art sei die Zerstörung ihrer Lebensräume. Ob es da hilft, wenn dem Hasen nur zu Ostern ein sicheres Nest gebaut wird?

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