Wegberg-Harbeck/Mönchengladbach - Harbecker Kirmes-Prozess: Urteil am Dienstag fraglich

Harbecker Kirmes-Prozess: Urteil am Dienstag fraglich

Von: ahl
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Wegberg-Harbeck/Mönchengladbach. Totschlag und schwere Körperverletzung wirft die Anklage dem inzwischen 19-jährigen Cedric H. vor. Es geht um die Nacht zum 13. Juli vergangenen Jahres.

Aus „nichtigem Anlass“, wie es die Staatsanwältin bei der Verlesung der Anklage im Januar betonte, sei es gegen 0.45 Uhr vor dem Harbecker Festzelt zu einem Streit unter alkoholisierten Jugendlichen gekommen. Cedric H. wird vorgeworfen, dabei Maurice J. mit einem Taschenmesser tödlich und dessen Bruder Dominic J. schwer verletzt zu haben.

Viele Zeugen sind gehört worden, und trotzdem ist immer noch nicht ganz klar, was sich abgespielt hat. Er habe „möglicherweise irgendetwas mit einem Messer gemacht“ soll der Angeklagte noch in der Nacht, als die Polizei kam, zu seinem Vater gesagt haben. Im Prozess hatte sein Verteidiger zu Beginn eine Erklärung verlesen, in der es heißt, der Angeklagte habe das Messer auf keinen Fall als Stich- oder Schneidwerkzeug benutzen wollen. Er könne ausschließen, dass er jemanden habe verletzen oder gar töten wollen.

Dienstag könnte nun das Urteil fallen, jedenfalls war es so in der Terminierung von Prozessbeginn an vorgesehen. Inzwischen ist das aber nicht mehr sicher, noch nicht einmal mehr sehr wahrscheinlich. Die Verteidigung hatte zuletzt insgesamt 17 Beweisanträge vorgelegt. Am Montag kamen weitere hinzu – und für Dienstag hat Verteidiger Reiner Jobs ebenfalls noch Beweisanträge angekündigt.

Die Beweisanträge, mit denen sich das Gericht am Montag beschäftigte, wurden weitestgehend zurückgewiesen. Einer der Anträge forderte zum Beispiel die Erstellung eines Sachverständigengutachtens darüber, ob der tödlich getroffene Maurice J. dem Stich möglicherweise hätte ausweichen können, wenn er weniger alkoholisiert gewesen wäre.

Ein anderer Antrag beschäftigte sich mit dem Verhalten des Notarztes. Der Verteidiger hielt die Entscheidung des Arztes, das Opfer wegen seiner Thorax-Verletzungen in ein Mönchengladbacher Krankenhaus bringen zu lassen, für „objektiv falsch“. Erkelenz sei näher gewesen, und er wolle ein Sachverständigengutachten einholen lassen, ob das Opfer hätte überleben können, wenn es stattdessen nach Erkelenz gebracht worden wäre.

Mit den weiteren Beweisanträgen wird sich die Kammer noch befassen. Sollte einem der Anträge stattgegeben werden, müsste die Beweisaufnahme möglicherweise an weiteren Tagen fortgesetzt werden. Selbst wenn das Gericht nach Würdigung der Anträge zu dem Schluss kommt, dass sie zurückgewiesen werden, gilt es als fraglich, ob der Zeitplan, am Dienstag zu einem Urteil zu kommen, gehalten werden kann.

Im Falle einer Verurteilung nach Jugendstrafrecht drohen dem 19-Jährigen bis zu zehn Jahre Haft. Sollte Erwachsenenstrafrecht angewendet werden, wären es bis zu 15 Jahre.

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