Mönchengladbach/Wegberg - Harbecker Kirmes-Prozess: Niemand hat Messer bemerkt

Harbecker Kirmes-Prozess: Niemand hat Messer bemerkt

Von: Thorsten Pracht
Letzte Aktualisierung:
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Wann der Angeklagte mit seinem Taschenmesser Dominik J. schwer und dessen Bruder Maurice J. tödlich verletzte, bleibt offen. Foto: Claudia Krocker

Mönchengladbach/Wegberg. Was geschah in der Nacht zum 13. Juli 2014 vor dem Festzelt in Wegberg-Harbeck? Dieser Frage kam Erste Große Jugendkammer des Landgerichts Mönchengladbach am Montag nicht entscheidend näher.

Wie Freunde des wegen Totschlags und schwerer Körperverletzung Angeklagten Cedric H. aussagten, hätten sie am Nachmittag als Mitglieder der St.-Hubertus-Schützen Klinkum am Festzug in Harbeck teilgenommen. Anschließend hätten sie einen „ausgelassenen und fröhlichen Abend“ auf der Kirmes verbracht. Die Stimmung kippte erst, als die Gruppe, bestehend aus drei jungen Männern und einer Frau, das Zelt nach Mitternacht verließ. Auch wenn die Zeugenaussagen häufig lückenhaft und teilweise widersprüchlich waren, zeichnet sich folgendes Bild: Anika J., Jens C., Sebastian W. und der Angeklagte führten vor dem Zelt mit Bekannten ein Gespräch. Dieses drehte sich um eine mehrere Jahre zurückliegende Firmfahrt.

Eine weitere Gruppe kam hinzu. Während Jens C. und Sebastian W. niemanden aus dieser Gruppe identifizieren konnten, benannte Anika J. den Nebenkläger und Bruder des getöteten Maurice J., Dominik J., als eine der mutmaßlich drei bis sechs Personen der Gruppe. „Er hat sehr aggressiv geredet, ich habe mich von ihm angegriffen gefühlt“, erklärte die Zeugin. „Cedric und ich haben uns vor Anika gestellt“, sagte Jens C. aus. Aus Schubsern wurden Schläge. „Eigentlich hat sich alles schnell wieder aufgelöst“, sagte Anika J.

Wann der Angeklagte mit seinem Taschenmesser Dominik J. schwer und dessen Bruder Maurice J. tödlich verletzte, bleibt offen. Keiner der am Montag vernommenen Zeugen hat den Einsatz eines Messers bemerkt, alle wollen erst im Nachhinein davon erfahren haben. Auch Dominik J. konnte dazu keine Hinweise liefern: „Irgendwann ging das Geschubse los, und dann bin ich blutend auf dem Boden wach geworden“, sagte der durch eine deutlich sichtbare, lange Narbe auf der Stirn immer noch gezeichnete 20-Jährige.

Anika J. erklärte, sie habe nach der Schlägerei einen Schock erlitten. Beim Verlassen des Kirmesgeländes habe Cedric H. sie gefragt, ob er sein Messer benutzt habe. Dabei habe er extrem ängstlich gewirkt. „Er hatte fast vor sich selber Angst“, sagte die 19-Jährige.

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