Hans Baetz gibt sein Traditionsgeschäft auf

Von: Helmut Wichlatz
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Schon bald öffnet Hans Baetz (oben und unten links) die Türen seines Geschäftes, in dem ihm Martina Sobotka und Sibille Cipek (v.l.) helfen, zum letzten Mal. Foto: Wichlatz
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Hans Baetz gibt sein Geschäft nach 50 Jahren auf und rät Nachfolgern ab. Foto: Wichlatz

Erkelenz. „Ich hatte mir vorgenommen, dass ich mit 70 nicht mehr hinter der Theke stehe“, sagt Hans Baetz. Im kommenden Jahr stünde der runde Geburtstag an, und da Baetz ein Mann ist, der zu seinem Wort steht, wird er sein Geschäft bis dahin schließen.

In Sachen Glas, Bestecke, Porzellan und Hausrat war das Porzellanhaus Baetz seit dem Krieg nicht nur für Erkelenzer eine feste Größe. Wo gab es nach dem Krieg die ersten Einmachgläser, die unter Polizeischutz gleich vom Lastwagen herunter verkauft wurden? Und wo kaufte man zu Muttertag oder Weihnachten vom Taschengeld etwas Schönes für die Liebsten? Natürlich bei Baetz.

Doch schon bald wird das Erkelenzer Traditionsgeschäft der Vergangenheit angehören. Hans Baetz hört aber nicht nur aus Altersgründen nach 50 Jahren hinter der Theke auf. Denn selbst wenn er einen Nachfolger gefunden hätte, der den Laden weiterführen wollte, hätte er ihm davon abgeraten, betont Baetz.

Die Gesellschaft ändert sich

„Die Zeit der Fachgeschäfte ist vorüber“, weiß er. Dabei sieht er nicht einmal im Internet den alleinigen Grund dafür, sondern in der sich ändernden Gesellschaft.

Ein Beispiel: Geschenktische gehörten früher zum guten Ton. Bei Hochzeiten oder Kommunionen wurden die Tische im Laden mit einer Vorauswahl an praktischen Geschenken eingerichtet, damit sich die Verwandten oder Freunde etwas aussuchen und verschenken konnten, das auch wirklich gebraucht wurde. Über 120 Tische hatte Baetz in guten Zeiten pro Jahr zu bestücken, im vorigen Jahr war es noch einer.

„Auch diese Tradition stirbt aus, weil Paare heute anders heiraten als früher“, weiß Baetz. Während früher ein völlig neuer Hausstand ausgestattet werden musste, werden heute zwei Haushalte zusammengewürfelt. Dafür nehmen die „Scheidungskunden“ zu, die in der Mitte ihres Lebens einen neuen Single-Haushalt einrichten müssen.

1965 stieg er in das Geschäft ein, das sein Vater Heinrich nach dem Krieg seinem Schwiegervater abgekauft hatte. 1977 übernahm er die Leitung des Traditionsgeschäfts. Wann genau er zum letzten Mal die Ladentür aufschließt, weiß er noch nicht. Zuerst einmal geht der Abverkauf weiter, was bei den Lagerbeständen auch seine Zeit dauern kann.

„Sachen, die wir nicht vorrätig haben, besorgen wir“, betont er. „Und das bis zum letzten Tag.“ Wenn er dann geschlossen hat, gibt es zwischen Aachen und Düsseldorf kein Porzellanhaus mehr. Er selbst werde den Abschied gut verkraften, sagt Baetz. Denn zum Glück habe die Arbeit zu Hause nie eine so große Rolle gespielt, da seine Frau als Lehrerin eine eigene Karriere hatte. Bis er mit ihr aber auf Wandertour gehen kann, wird sicher noch einige Zeit vergehen. „Wenn wir bis zum Sommer noch nicht alles verkauft haben, machen wir eben bis zum Herbst weiter“, erklärt er.

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