Hambacher Forst: Heimatverlust und Grenzüberschreitung

Von: hewi
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Noch bis Sonntag im Evangelischen Gemeindezentrum zu sehen: Fotos aus dem Hambacher Forst und dem Protestcamp. Foto: Helmut Wichlatz
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Las Texte von Aktivisten, Umsiedlern und Helfern: Noa Wiese in der evangelischen Kirche. Foto: Helmut Wichlatz

Erkelenz. „Mit Baumhäusern gegen Bagger“. Unter diesem Titel erschien vor einigen Jahren ein Buch mit Geschichten und Texten aus dem Hambacher Forst.

Die Texte stammen von Aktivisten, Helfern und Umsiedlern gleichermaßen und setzen sich mit den Konsequenzen der Abholzung des einstmals größten Waldgebietes in NRW auseinander.

In der evangelischen Kirche las die Aktivistin Noa Wiese aus Hambach nun Texte aus dem Buch und schilderte mit eigenen Worten die Beweggründe der Klimaaktivisten, die in den derzeit sieben Baumhäusern im Hambacher Forst ausharren. Denn die Kluft zwischen „legal“ und „legitim“ zwinge die Menschen oft dazu, die Grenzen geltendes Rechts zu überschreiten.

Noa Wiese ist nicht ihr richtiger Name, doch das spielt keine Rolle. Denn es gehe um Taten und nicht um Namen. In den ausgewählten Textpassagen kamen neben den Bewohnern der Baumhäuser auch Umsiedler zu Wort, die über den kompletten Verlust der Heimat erzählten. Denn nach der „bergbaulichen Inanspruchnahme“ durch RWE Power „ist nichts mehr da, wohin man zurückkehren könnte“.

Der Hambacher Forst sei rund 12.000 Jahre alt, berichtete Wiese. Von den einstmals 8500 Hektar nahezu unberührten Waldgebietes sei nicht mehr viel übrig. Ermöglicht werde dieser Raubbau durch das seit 1865 geltende „allgemeine deutsche Bergrecht“, das die Umsiedlung ganzer Ortschaften und auch die Zwangsenteignung von Grundstückseigentümern legitimiere.

Als Bundesbergbaurecht ist es heute die Grundlage für den Braunkohletagebau. Dieses veraltete Recht aus einem längst vergessenen Deutschland ermögliche die Zerstörung der Natur und damit auch des Lebensraumes einer Vielzahl von Arten, die noch im Hambacher Forst leben.

Wenn von Hambach die Rede ist, werde oft von der Gewaltbereitschaft der Besetzer gesprochen, erklärte Wiese. „Doch wir sind nicht in diesem Camp, um Gewalt auszuüben“, betonte sie. Der Widerstand gegen die Zerstörung des Hambacher Forsts durch den Tagebau dürfe nicht „in die dunkle Ecke gerückt“ werden.

Immer wieder wechselte sie ihrem Vortrag die Perspektive, und die Zuhörer lernten so auch die Gedanken eines Menschen kennen, dessen ganzes Leben von dem herannahenden Braunkohlebagger bestimmt war. „Wir bleiben widerständig“, zitierte sie das Bekenntnis eines Aktivisten. „Unermüdlich bauen wir auf gegen das, was nur zerstören will.“

Zustande gekommen waren die Lesung und die Ausstellung auf Betreiben des Superintendenten des Jülicher Kirchenkreises, Jens Sannig. Er hatte im Rahmen von Fernsehaufnahmen im Protestcamp im Hambacher Forst die Aktivistin Noa Wiese kennengelernt.

„Mit der Lesung wollen wir dazu beitragen, den Widerstand und den Widerspruch zu schärfen“, hatte Sannig bei der Begrüßung der Zuhörer in der Kirche erklärt. Aufgabe der Kirche sei es auch, zu Fragen der Gesellschaft Stellung zu beziehen. Musikalisch begleitet wurde die Lesung am E-Piano von Sebastian Schade.

Noch bis einschließlich Sonntag ist im Gemeindezentrum an der Mühlenstraße eine Ausstellung mit Fotos aus dem Hambacher Forst und dem Protestcamp zu sehen. Die Fotos stammen von Daniel Sivijnski, Hubert Perschke, Eckart Zimmermann, Yossi Barmuha und Mechthild Lohmanns.

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