Hängebrücke zieren rosarote Liebesschlösser

Von: Norbert F. Schuldei
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Noch sieht es sehr einsam aus, das Liebesschloss, das an der Brücke über die Düsseldorfer Straße in Erkelenz hängt. Fünf weitere haben sich inzwischen dazugesellt – und es werden fast täglich mehr. Foto: N. Schuldei

Erkelenz. Jetzt also auch in Erkelenz. Was in Köln auf der Hohenzollernbrücke in Sichtweite des Domes über dem Rhein seit Jahren gang und gäbe ist, prangt nun auch auf der Brücke über die Düsseldorfer Straße, die ins freie Feld der Erkelenzer Börde nach Borschemich (neu) führt: Liebesschlösser.

Sechs genau sind es an der Zahl, recht kümmerlich im Vergleich zu den vielen Brücken auf dem Kontinent, auf denen Paare Schlösser zum für alle Weggefährten sichtbaren Zeichen ihrer Verbundenheit angebracht haben. „Andy & Siggy 04.06.2010“ beispielsweise ist in Erkelenz auf einem dieser metallenen Verriegelungswerkzeuge eingraviert; „A + M 25.08.2000“ ist auf einem anderen zu lesen. Für jeden, der es wissen will oder auch nicht: An diesem Tag haben sich „A + M“ kennengelernt. Das Schloss besiegelt die Liebe. Zumindest symbolisch. Romantik in der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts.

Der Brauch indessen reicht weiter. Wenn man den Neuzeitarchäologen Glauben schenken darf, dann wurde die Liebesschlösser durch den Roman „Drei Meter über dem Himmel“ des Italieners Federico Moccia und dessen Verfilmung populär. Darin befestigen die Hauptdarsteller als Zeichen ihrer Liebe „amorchetti“ an einer Brücke und werfen die Schlüssel in den darunter fließenden Strom.

Das allerdings ist in Erkelenz nicht möglich, denn unter der Schlösserbrücke fließt rauschend der Automobilverkehr. Und genau das könnte zum Problem werden: In Wuppertal beispielsweise wurden Liebeschlösser von Brücken entfernt: Verkehrssicherungspflicht gab die Stadt als Grund an. Die Rostschutzlackierung unter den Schlössern könnte Schaden nehmen. In Berlin ist das Anbringen von Schlössern eine Ordnungswidrigkeit und kann mit einem Verwarnungsgeld von 35 Euro geahndet werden.

Bei uns im Kreis Heinsberg sieht man die Angelegenheit offenbar weniger verbissen. Werner Spartz, Leiter des Tiefbauamtes in Erkelenz, jedenfalls gibt sich entspannter als manche Kollegen anderenorts: „Natürlich könnte ich jetzt auch die Brückenverkehrssicherungspflicht aus dem Ärmel schütteln und die Schlösser entfernen lassen“, sagt er.

Aber er sieht weder eine Gefahr für die Brücke, noch für die Fußgänger, die sie benutzen, noch für den Autoverkehr, der unter der Brücke hinwegrauscht – immerhin sind die Schlösser sicher verschlossen. „Eigentlich müsste ich die entfernen lassen, klar. Aber mal ehrlich: Das hat doch was, so ein Liebesschloss, oder?“

In Hückelhoven freut man sich gar, wenn Brücken über die dort fließende Rur mit Schlössern von Liebenden verziert werden: „An der Doverener Brücke hängen auch solche Schlösser. Nicht so viele wie an der Hohenzollernbrücke in Köln, aber so um die 50 sind es wohl auch“, sagt Holger Loogen, der persönliche Referent des Bürgermeisters. „Viele von denen sind rot lackiert. Das sieht richtig schön aus.“ Nein, sagt er, wir entfernen nichts. „Warum auch?“

Die Kölner Band Höhner haben die Liebesschlösser an der Kölner Hohenzollernbrücke 2009 in ein Lied gegossen: „ Schenk mir dein Herz“ heißt das Opus. Klingt ziemlich unverschlüsselt...

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