Händels Messias in Geilenkirchen und Waldenrath

Von: Johannes Gottwald
Letzte Aktualisierung:
4892456.jpg
Bei Oratoriumsaufführung trat der Kirchenchor gemeinsam mit der Jugendmusikschule Heinsberg und dem Orchester Sinfonia Delft auf.

Geilenkirchen. Eine mustergültige Aufführung des „Messias“ war jetzt in der Stadtpfarrkirche St. Marien in Geilenkirchen und in St. Nikolaus in Waldenrath zu erleben. Unter der Leitung von Kantor Bernd Godemann hatten der Kirchenchor zusammen mit dem Chor der Jugendmusikschule Heinsberg das abendfüllende Werk in etwa einjähriger sorgfältiger Probenarbeit einstudiert.

Für die instrumentale Begleitung sorgte das Orchester Sinfonia Delft aus Den Haag, das übrigens teilweise auf historischen Instrumenten spielte, die Solopartien waren Claudia Couwenbergh (Sopran), Hanna Schroeder (Alt), Immo Schröder (Tenor) und Arnout Lems (Bass) anvertraut. Das Konzert wurde außerdem von der Raiffeisenbank Heinsberg finanziell unterstützt.

Der „Messias“ bildet textlich eine Darstellung der christlichen Heilsgeschichte und gliedert sich in drei Teile, die analog zum Kirchenjahr verlaufen. Nach den feierlich-ernsten Klängen der einleitenden „Sinfonia“, in der das niederländische Barockorchester bereits seine besondere Klasse unter Beweis stellte, begann das eigentliche Oratorium mit dem Tenor-Rezitativ „Tröstet, tröstet mein Volk“. In der nachfolgenden Arie „Alle Tale macht hoch erhaben“ trug Immo Schröder mit ungemein gekonnter Dramaturgie und bemerkenswertem Improvisationstalent die Bußpredigt Johannes des Täufers vor.

Der Chor antwortete mit dem erwartungsvollen: „Denn die Herrlichkeit Gottes des Herrn wird offenbaret“. Mit festlichen Klängen wurde die Geburt des Heilandes begrüßt, sein segensreiches Wirken wird in der Arie „Er weidet seine Herde“ in einer idyllischen Pastorella dargestellt. Hier und ebenso in anderen Partien gefiel Claudia Couwenbergh mit großartigem und klangschönem Timbre. Die Trompeten erklangen bemerkenswerterweise im ersten Teil von der Orgelempore herab – trotz der erheblichen Distanz zum Chorraum ergab sich dabei kein akustisches Problem, wohl aber ein reizvoller Effekt von Stereophonie.

Der zweite Teil des Oratoriums wandte sich dann den Heilsthemen Passion und Auferstehung zu. In der Arie „Er ward verschmähet und verachtet“ gelang Hanna Kopra eine tiefgründige Darstellung des leidenden Christus.

Einen mächtigen Eindruck hinterließ die Chorfuge „Durch seine Wunden sind wir geheilt“. Ihr markantes Thema erinnerte nicht zufällig an das Kyrie aus dem Mozart-Requiem: Der Salzburger Meister hatte den Messias im Jahre 1789 für eine Wiener Aufführung neu bearbeitet. Auch in den anspruchsvollen Nummern „Der Herde gleich, dem Hirten fern“ oder dem Auferstehungsgesang „Hoch tut euch auf und öffnet euch weit“ zeigte sich der Chor von seiner besten Seite. Selbst die rasch fließenden Sechzehntel erklangen sauber und filigran, so dass man das polyphone Liniengewebe als Hörer stets gut mitverfolgen konnte.

Einen überwältigenden Höhepunkt bildete das Halleluja, bei dem neben den Blechbläsern auch die Pauke eingesetzt wurde. Überhaupt war während der gesamten Aufführung das Bestreben von Kantor Godemann spürbar, allen unnötigen Pomp und Bombast zu vermeiden.

Die relative Sparsamkeit der instrumentalen Mittel bewirkte sogar eine geradezu kammermusikalische Transparenz von Chor- und Orchesterklang. Der letzte Teil des Oratoriums befasst sich mit der Wiederkunft Christi und dem Jüngsten Gericht. Er wurde durch Claudia Couwenbergh mit der Arie „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt“ eingeleitet. Diese Worte findet man übrigens auch auf Händels Grabmal in der Londoner Westminster Abbey.

Mit einer durchaus emotionsgeladenen, aber in der Tiefe etwas undifferenzierten Bassstimme gestaltete Arnout Lems die Arie „Sie erschallt, die Posaun“, der Chor folgte mit dem Jubelgesang „Dank sei dem Herrn“, in dem die Hoffnung auf die Auferstehung der Toten zum Ausdruck kam.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert