Haben Jäger zwei geschützte Blässgänse geschossen?

Von: Rainer Herwartz
Letzte Aktualisierung:
Gänse Heinsberg
Blässgänse: Wurde ihnen die Unwissenheit von Jägern zum Verhängnis, die sie mit Graugänsen verwechselten?

Wassenberg-Ophoven. Für zwei Jäger könnte der Abschuss zweier Gänse noch ein behördliches Nachspiel haben. Wie das Komitee gegen den Vogelmord mit Sitz in Bonn jetzt mitteilt, sollen die Jäger am Mittwoch letzter Woche in der Nähe von Wassenberg-Ophoven in einen Schwarm geschützter Blässgänse geschossen und dabei mindestens zwei Tiere getötet haben.

Die Abschüsse waren gegen 16.50 Uhr von einem Vogelfreund beobachtet worden, der ein Foto von den geschossenen Tieren machen konnte und das Komitee gegen den Vogelmord sowie den Nabu informierte. „Blässgänse sind in Nordrhein-Westfalen geschützt und dürfen nicht bejagt werden. Die Namen der beiden Schützen sind uns bekannt.

Wir werden Anzeige gegen sie erstatten und anregen, dass ihnen umgehend der Jagdschein entzogen wird“, erklärt Komiteesprecher Axel Hirschfeld. Bis Montag war die Anzeige jedoch noch nicht erfolgt, wie die Kreispolizei Heinsberg auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigte. Doch das liege nur daran, so Hirschfeld, dass der Zeuge noch einmal genau befragt werden müsse.

Von dem Zeugen auf den illegalen Abschuss angesprochen, hätten die beiden Jäger behauptet, sie hätten die Vögel mit Graugänsen verwechselt, die in NRW von Oktober bis Januar geschossen werden dürfen. Das Komitee gegen den Vogelmord hält das für eine schwache Entschuldigung. „Blässgänse sind deutlich kleiner und auffälliger gefärbt als Graugänse. Ein Jäger, der nicht sicher bestimmen kann, was für eine Art er vor der Flinte hat, muss den Finger vom Abzug lassen“, so Hirschfeld.

Offenbar sei es in der Tat so gewesen, dass die Jäger nicht wussten, worauf sie zielten. Der Zeuge habe sogar noch ein Vogelbestimmungsbuch aus der Tasche ziehen müssen, um die Jäger davon zu überzeugen, die falschen Tiere abgeschossen zu haben. „Mildernde Umstände“ lässt Hirschfeld hier aber nicht gelten. „Bei den Umweltdelikten ist die Dunkelziffer so hoch, dass wir froh sind, wenn überhaupt einmal die Täter ermittelt werden können.“

Bei den im Kreis Heinsberg überwinternden Bläss- und Saatgänsen handelt es sich um Zugvögel aus Russland und Nordeuropa, die den Winter hier verbringen und ab Ende Februar wieder zurück in ihre Brutgebiete ziehen. Im Rurtal befinden sich mehrere bedeutende Rastgewässer für Wasservögel, auf denen in jedem Jahr mehrere tausend Wildgänse und zahlreiche seltene Enten und Taucher überwintern.

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