Haarener Friedhofsgestaltung ist einzigartig

Von: WiSch
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1936 vom renommierten Landschaftsarchitekten Ludwig Schreiber entworfen, gilt es bis heute, das schlichte einheitliche Bild der Grabanlagen zu erhalten. Die Form des Friedhofes wie in Haaren ist regional einzig. Foto: WiSch

Waldfeucht-Haaren. Friedhöfe sind Stätten der Erinnerung. Menschliches Leben in all seiner Fülle wird dem Besucher hier nochmals vor Augen geführt. Der würdevolle Umgang einer Gesellschaft mit ihren Verstorbenen sagt daher viel über den inneren Zustand dieser Gesellschaft aus.

Auch das tritt in diesen Tagen durch die stillen Feiertage Allerheiligen, Volkstrauertag und Totensonntag wieder vermehrt in den Vordergrund. Ein schlichtes einheitliches Bild zeigt sich dem Besucher des neuen Haarener Friedhofes. Er ist ein ganz besonderer Friedhof.

Der Friedhof ist geprägt von Harmonie. Alle Grabstätten sind eingefasst von kleinen natürlichen Hecken, wie beispielsweise Buchsbaum. Die Lebensdaten der Toten geben einheitlich für jedes Grab einfache weiße Kreuze wieder. Die Einheitlichkeit, die sonst nur von Soldatenfriedhöfen bekannt ist, ist für den Haarener Friedhof prägend. Sie soll die Gleichheit der Menschen im Tod und vor Gott darstellen.

1936 wurde der von dem bedeutenden Gartenarchitekten Carl Ludwig Schreiber (1903 bis 1976) entworfene Friedhof eröffnet. Die Bevölkerung nahm den Friedhof hingegen nicht unmittelbar an. „Keiner wollte als erster auf dem neuen Friedhof bestattet werden“, erinnern sich die älteren Einwohner des Ortes. Die Amtsverwaltung unter dem damaligen Bürgermeister Dr. Hubert Kitschen kam daher auf den Gedanken die erste Grabstätte als kostenfreies Ehrengrab herzurichten. Pfarrer Peter Lennards, in dessen Amtszeit (1922 bis 1947) die Errichtung des neuen Friedhofes fällt, verfügte schon zu Lebzeiten, auf dem neuen Haarener Friedhof bestattet zu werden. 1962 starb er in Schleiden bei Heinsberg, wo er seinen Ruhestand verbrachte. Seinem Wunsch entsprechend wurde er im September 1962 auf dem neuen Friedhof bestattet.

Mittlerweile ist der Haarener Friedhof wegen seiner Lage und insbesondere wegen seiner Gestaltung auch überregional von Interesse. Nur im nahe gelegenen Braunsrath wurde 1945 der neue Friedhof in gleicher Art hergerichtet. „Das einheitliche Kreuz für einen Jeden ist doch Zeichen der Gleichheit der Menschen im Tode und vor Gott“, hielten es noch die Verfasser eines Bildbandes fest. Deshalb stellte die Gemeinde Waldfeucht den Friedhof in seinem Gesamtgebilde auch unter Denkmalschutz. „Wegen seines außergewöhnlichen Erscheinungsbildes, das in erster Linie durch die einheitliche Ausgestaltung der Grabstätten mit einfachen weißen Kreuzen und Buchsbaumeinfassungen geprägt wird, stellt der Friedhof auch überregional ein äußerst seltenes Beispiel der Friedhofsgestaltung im 20. Jahrhundert dar“, hieß es als Begründung.

Das prägende Element war auch dem Architekten Schreiber das wesentliche Anliegen, wie er in der Entwurfsbeschreibung zum Ausdruck brachte: „Es ist streng darüber zu wachen, dass ein einheitlicher Charakter gewahrt bleibt. Jede eigene Willkür, die sich auf Grund des Geldbeutels breit zu machen sucht, muss abgelehnt werden.“ Interessant ist vor diesem Hintergrund, dass die alte Friedhofsordnung neben den schlichten Grabkreuzen auch die Anlage steinerner Grabmäler ermöglichte. Dass dies jemals erfolgte, ist jedoch nicht überliefert. Vielmehr prägte das einheitliche Erscheinungsbild auch die notwendigen Erweiterungen. Anfang der 60er Jahre wurde die Größe des Friedhofs um den Bereich hinter dem Mahnkreuz auf dem Mittelgang fast verdoppelt. 2003 erfolgte eine Erweiterung hinter dem Bereich der 1979 erbauten Friedhofshalle.

Das einheitliche Erscheinungsbild wurde durch die Erweiterungen nie aufgegeben. Allerdings wurde den veränderten gesellschaftlichen Ansprüchen Rechnung getragen. Während früher nur Erdbestattungen möglich waren, gibt es nun auch anonyme Bestattungen. Zudem wurden Urnenwände für die zahlreicher werdenden Feuerbestattungen aufgestellt, möglich sind zudem Wiesenbestattung mit einem weißen Kreuz ohne besondere Herrichtung der Grabstätte, die somit nur mit Gras bepflanzt wird.

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