Gymnasium Hückelhoven beeidruckt mit „Verlorene Seelen“

Von: mb
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„Verlorene Seelen“ hieß das Theaterstück, das der Literaturkurs des Hückelhovener Gymnasiums gekonnt in Szene setzte. Foto: Koenigs

Hückelhoven. Der Literaturkurs des Gymnasiums Hückelhoven hatte sich an einen anspruchsvollen Stoff gewagt und ein Jahr lang wöchentlich drei Stunden hart gearbeitet. Das Ergebnis ihrer Arbeit stellte der Kurs mit dem Theaterstück „Verlorene Seelen“ im Forum des Oberstufengebäudes des Gymnasiums Hückelhoven vor.

„Welturaufführung“, so Kursleiter Peter Rohe bei der Begrüßung der Zuschauer in der vollbesetzten Halle „mag ihnen ein wenig vollmundig erscheinen. Aber das Wort beschreibt nur eine Tatsache. Sie sind die ersten Zuschauer, die dieses Theaterstück sehen.“

Aus dem Buch „Meschugge“ von Literaturnobelpreisträger Isaac Bashevis Singer erarbeitete Rohe die Textfassung für das Theaterstück und zeichnete außerdem für die Regie verantwortlich. Im Rahmen des Comenius-Projektes Migration und Integration habe sich der Stoff angeboten, so Rohe, denn „wenn ein 17-jähriger Muslime in Deutschland einen 70-jährigen jüdisch-polnischen Emigranten in New York spielt ist Integration wohl gelungen.“

Zunächst vorsichtig hätten sich die Schüler dem schwierigen Thema genähert, umso erfreuter habe er feststellen können, „wie selbständig sie im Laufe eines Jahres geworden sind.“ Die meisten Rollen waren doppelt besetzt, der Einsatz verteilte sich auf vier Vorstellungen. Das raffinierte Bühnenbild erweckte den Eindruck, als sei das Forum eigens für diese Veranstaltung gebaut worden, überraschende dramaturgische Einfälle und perfekte Technik rundeten die professionelle Darbietung ab.

Scheinbar mühelos hauchten die Schauspieler den Protagonisten auf der Bühne Leben ein. In New York, der Metropole einer ungeliebten Moderne, treffen 1952 der 70-jährige Max Aberdam, ein Lebemann und Projektemacher und der Redakteur Aaron Greidinger, Ende 40, aufeinander.

Beide sind vor den Nazis aus Warschau geflüchtet und teilen nicht nur ihre Erinnerungen sondern auch eine junge Geliebte, Miriam Zalkind, Ende zwanzig, die ein dunkles Geheimnis birgt. Als Jugendliche hat sie sich – von den Nazis erzwungen – prostituieren müssen, um ihr Leben zu retten und außerdem als „Kapo“, einem Funktionshäftling im Konzentrationslager den Nazis zugearbeitet und auf jüdische Mädchen eingeschlagen.

Alle drei sind ihrer heimatlichen Bindungen entrissen und ringen verzweifelt um die Frage eigener Schuld. Nachts werden sie heimgesucht von Alpträumen, tagsüber versuchen sie, sich in einem neuen Leben zurechtzufinden.

Bemerkenswert wie die Vorstellung war auch das an die Zuschauer verteilte Begleitheft. Neben der Vorstellung des Ensembles enthält es eine Kurzbeschreibung zum Inhalt des Stückes, die Biographie des Schriftstellers Isaac Singer, eine Vorstellung von Ellis Island, dem Tor zum „Amerikanischen Traum, wo Millionen Unglückliche und Hoffnungssuchende auf der Suche nach politischer und religiöser Freiheit in die USA einreisten.

Jüdische Begriffe werden erklärt und Kursleiter Rohe gibt lesenswerte Anmerkungen zu Issac B. Singer.

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