Gymnasiasten haben gewählt, obwohl sie noch gar nicht dürfen

Von: anna
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Den Schülern des Kreisgymnasiums hat es Spaß gemacht, sich mit Politik zu beschäftigen und selbst die beiden Kreuzchen auf dem blauen Wahlzettel zu machen, wie bei der echten Wahl am Sonntag. Foto: anna

Heinsberg. „Du musst auf jeder Seite ein Kreuz machen, eins für einen Kandidaten, eins für eine Partei.“ So erklärte Jonas Rudolf, Schüler im Leistungskurs Sozialwissenschaften, am Donnerstagmorgen im Heinsberger Kreisgymnasium seiner Mitschülerin Jana Dohmen noch einmal den langen, blauen Wahlzettel für die Landtagswahl.

„So musst Du ihn falten“, fuhr er fort, übergab ihr den Zettel, mit dem sie sich dann aufmachte in die Wahlkabine. Wie bei der echten Landtagswahl am kommenden Sonntag, 14. Mai, hatten über 300 Schüler im Kreisgymnasium schon am Donnerstag die Gelegenheit, in einem Klassenraum ihrer Schule zu wählen. Möglich machte ihnen das die sogenannte Juniorwahl, ein Projekt für politische Bildung des gemeinnützigen und überparteilichen Vereins Kumulus aus Berlin.

Seit 1999 bietet dieser Verein Schülern die Möglichkeit, sich in Demokratie zu üben, auch wenn sie tatsächlich noch gar nicht wahlberechtigt sind. Ab der Jahrgangsstufe sieben dürfen sie sich an der Juniorwahl beteiligen, die am Donnerstag im Heinsberger Kreisgymnasium zum ersten Mal durchgeführt wurde. Quasi mitgebracht in die Schule hatte das Projekt Studienrätin Eva Zimmer, die hier die Fächer Deutsch und Politik unterrichtet. Sie stammt aus Kaiserslautern und hatte die Juniorwahl in einer Bonner Schule kennengelernt, wo sie als Referendarin tätig war.

Seit November 2015 ist sie Lehrerin im Kreisgymnasium. In ihrer Fachschaft und auch bei der Schulleitung habe ihr Vorschlag, sich vor der bevorstehenden Landtagswahl an der Juniorwahl zu beteiligen, sehr viel Zustimmung gefunden, freut sie sich über die aktive Unterstützung ihrer Kollegen.

Möglich sei die Juniorwahl in Papierform oder online, erklärte Eva Zimmer. Sie habe sich für die Papierwahl entschieden, „weil das authentisch ist für die Schüler. Das ist wie bei ihren Eltern, die am Sonntag auch auf Papier wählen“, sagte sie.

Natürlich gingen die Heinsberger Schüler nicht unvorbereitet in die Wahl. Im Rahmen des Politikunterrichts hatten sie sich zuvor intensiv mit den einzelnen, im Landtag vertretenen Parteien beschäftigt. Aus der Analyse der jeweiligen Wahlprogramme entstanden informative Plakate, die in der Schule ausgestellt wurden. Zusätzlich nutzten die Schüler den „Wahl-o-mat“ im Internet.

Und dann ging‘s zur Wahl in den Klassenraum 2103, der am Donnerstag zum „Wahllokal 2103“ umfunktioniert worden war. Alle notwendigen Materialen wie Wahlkabinen und Wahlurne hatte der Verein Kumulus zur Verfügung gestellt.

Aus allen beteiligten Klassen oder Kursen hatten sich zudem Schüler als Wahlhelfer gemeldet. Sie hatten die Wahlbenachrichtigungen ausgefüllt und verteilt, Wahlverzeichnisse angelegt und betreuten am Donnerstag die Durchführung der Wahl, wie bei einer echten Wahl.

„Diese Schülerinnen und Schüler sollen einen Einblick in die Wahlprozedur erhalten und diese möglichst selbstständig organisieren“, erklärte Eva Zimmer. Und so mussten alle wahlberechtigten Schüler am Donnerstag im Wahllokal natürlich auch ihren Personal- oder zumindest ihren Schülerausweis dabei haben, um den blauen Wahlzettel zu erhalten.

„Das war schon sehr aufregend“, erklärte Mifi Mbute nach ihrer Wahl. Sie werde sich auch weiterhin mit Politik befassen, aber nicht beruflich. Sie wolle einmal Staatsanwältin werden, sagte sie. „Das war schon sehr ernst“, pflichtete ihr Moritz Heinrichs bei. Er hatte zusammen mit Max Esser das Plakat über die CDU angefertigt.

Die Themen „Innere Sicherheit“ und „Bildung“ waren den Schülern für die Gestaltung der Plakate vorgegeben worden. Eins konnten sie selbst hinzufügen. Moritz Heinrichs und Max Esser hatten sich für „Wirtschaft/Infrastruktur“ entschieden. „Wir mögen Autos, und da wollten wir ein bisschen mehr zum Thema Verkehr wissen“, so Moritz Heinrichs. Wenn ein Wahlberechtigter am Sonntag nicht zur Wahl gehe, sei das nicht gut, findet er, „weil sie doch alle betrifft. Das kann man doch alle fünf Jahre mal machen.“ Das sei doch sogar per Briefwahl möglich. „Da finde ich schon, dass das alle machen sollten!“, betonte er.

Für die Wahlhelfer des Kreisgymnasiums geht‘s nach dem Wahltag noch weiter mit der Auszählung der Zweitstimmen. Diese fließen in das Gesamtergebnis der 261 an dem Projekt in Nordrhein-Westfalen beteiligten Schulen ein, darunter sechs weitere aus dem Kreis Heinsberg. Am Sonntagabend um 18 Uhr wird das Ergebnis der Juniorwahl im Internet veröffentlicht unter www.juniorwahl.de.

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