Gut gerüstet im digitalen Netz unterwegs

Von: Helmut Wichlatz
Letzte Aktualisierung:
10389030.jpg
Kompetente Ansprechpartner für die Mitschüler: Die Präsentation der einzelnen Stationen des Mediensparcours trainieren die neuen Medienscouts ganz praktisch. Die Schulung im evangelischen Jugendzentrum ZAK dauert zwei Tage. Foto: Wichlatz

Erkelenz. Die sozialen Netzwerke wie Facebook oder WhatsApp sind aus dem Leben der heutigen Schüler nicht mehr wegzudenken. Umso wichtiger ist es, sie frühzeitig über Gefahren und Risiken aufzuklären, die diese digitalen Kommunikationsmittel bergen. Im evangelischen Jugendzentrum ZAK wurden 22 Schüler des Cusanus Gymnasiums in Erkelenz und der Ratheimer Realschule zu Medienscouts ausgebildet.

Sie sollen zukünftig als Ansprechpartner für ihre Mitschüler fungieren und Schulungen über den korrekten Umgang mit dem digitalen Netz an den Schulen anbieten.

„Viele Schüler sind sich der Gefahren nicht bewusst, obwohl sie Facebook oder WhatsApp nutzen wie eine Waffe“, betonte der Erkelenzer Stadtjugendpfleger Markus Willmer am Rande der Veranstaltung. Es geht um Ausgrenzung, Beleidigungen und Mobbing.

Aber auch um Urheberrechtsverletzungen. Und da haben auch die Schulen selbst oft ihre Probleme, wie Willmers Hückelhovener Kollege Peter Wiese zu berichten wusste. So sei eine weiterführende Schule in Aachen zur Zahlung von 10.000 Euro verurteilt worden, weil sie unerlaubt zwei Fotos eines Fotografen auf ihrer Homepage veröffentlicht habe. Dieser konnte sich vor Gericht mit seiner Forderung durchsetzen.

Aufklärung durch die Peer Group

In der Aufklärung setzt das Projekt „Starke Kids“ auf die sogenannten Peer Groups, also Mitschüler, deren Rat und Empfehlungen angenommen werden. Die Motivation bei den Schülern, die sie angesprochen habe, sei groß gewesen, berichtete die Cusanus-Lehrerin Alexandra Hoff-Hermann. Die Lehrer hatten gezielt Schüler auf das Projekt und die Schulung aufmerksam gemacht, die sie für geeignet hielten.

In der zweitägigen Schulung lernten sie den Medienparcours kennen, durchliefen ihn und lernten, ihn den Mitschülern zu vermitteln. Was gehört ins digitale Profil? Ab wann wird es gefährlich und welche Informationen gehen niemanden etwas an? Diesen Fragen gingen die künftigen Medienscouts an einer Station nach, an der sie ihr eigenes Profil auf Sicherheitsfragen hin abklopfen konnten. Welche Apps sollte ein Smartphone haben, welche sind überflüssig oder spionieren den Handynutzer sogar aus?

Um rechtliche Fragen ging es bei einer weiteren Station. Denn mit Erreichen des 14. Lebensjahres beginnt die Strafmündigkeit, zum Beispiel bei Urheberrechtsverletzungen oder Verletzungen gegen das Recht am eigenen Bild. Hier wusste Alexandra Grates einiges zu berichten. Sie ist bei der Kreispolizei für die Kriminalprävention zuständig. „Cyber-Mobbing ist noch kein Straftatbestand“, betonte sie, „aber einige Taten, die in dessen Umfeld passieren.“

„Die Hemmschwelle bei Mobbing ist sehr gering“, erklärte auch Tatjana Neumann vom Hückelhovener Jugendamt. Oftmals fehle aber bei den Tätern die Einsicht, dass ihr Treiben ernste Konsequenzen für die Opfer haben kann. Einige der Medienscouts räumten bei der Schulung ein, selbst schon beim Mobbing mitgemacht zu haben.

Wer gemobbt wird, muss sich Rat und Hilfe suchen. Zum Beispiel an den Schulen. Dort wird das Thema jedoch oft aus Angst um den guten Ruf der Schule heruntergespielt. Ab jetzt sollen die Medienscouts Abhilfe leisten. Denn sie sprechen die Sprache der Mitschüler und können konkret aufklären.

Die 16-jährige Francesca vom Cusanus hatte sich freiwillig zu der Ausbildung gemeldet. „Es ist interessant zu lernen, was erlaubt ist und wo Grenzen bestehen“, erklärte sie. Außerdem sei es wichtig, jüngeren Mitschülern zu helfen.

Rund 150 Medienscouts wurden bisher kreisweit ausgebildet, seit das Projekt 2011 mit Unterstützung der AOK angestoßen wurde.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert