Erkelenz - Guildo Horn verwandelt den Markt in einen Hexenkessel

Guildo Horn verwandelt den Markt in einen Hexenkessel

Von: Helmut Wichlatz
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Schlagerstar Guildo Horn rockte im Schatten des Alten Rathauses den Lambertus Markt. Die Besucher waren aus dem Häuschen. Foto: Passage
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Beim Spiel Deutschland gegen Ghana war es recht still auf dem Marktplatz. Die Spannung bei dem Spiel war fast greifbar. Foto: Lenz

Erkelenz. Auf dem Lambertusmarkt ging es am Wochenende hoch her. Höhepunkt des diesjährigen Bühnenprogramms war sicher der Auftritt des Kult-Schlagerbarden Guildo Horn, der den Markt nach wenigen Minuten in einen Hexenkessel der guten Laune verwandelte.

Wer nun einen fast 20 Jahre alten Aufguss rund 40 Jahre alter Schlager erwartete, der wurde positiv enttäuscht. Denn Horst Köhler, so der bürgerliche Name des „Meisters“, wärmte nicht auf – er servierte heiß und frisch aus dem Ofen.

Und was er servierte, das hatte es in sich: Die Schlager kamen im Hardrock-Gewand daher, als Reggae oder Blues. Denn Horns Band „Die Orthopädischen Strümpfe“ versteht ihr Handwerk. Und so war auch das ekstatische Gitarrensolo bei „Azuro“ ebenso wenig fehl am Platze wie die Hardrock-Version des Schlagers „Er gehört zu mir“.

Kuscheln mit Guildo

Horn versprach ein „emotionales Stahlbad“ und hielt sein Versprechen. Dass er dabei trotz „Rücken“ eine Seniorenversion des Stage-Divings absolvierte, um seinen Fans kuschelnd näher zu kommen, verstand sich von selbst.

Einige Fans liegen ihm besonders am Herzen: Menschen mit Behinderung. Für die hatte er extra um einen Logenplatz gleich an der Bühne gebeten, der für Rollstuhlfahrer geeignet war. Ansonsten war „Mister Nussecke“ nach Angaben des Organisators Stephan Jopen „sehr pflegeleicht“. Ein Plätzchen für das Nachmittagsnickerchen und ein Stück Schwenkbraten vom Markt genügten dem 51-jährigen Musiktherapeuten, um sich in Stimmung zu bringen. Und die schwappte schnell über auf das begeisterte Publikum, dem er und seine Orthopädischen Strümpfe zwei Stunden lang einheizten.

Dabei zog Horn alle Register, so dass sein Hit „Guildo hat euch lieb“ unplugged mit Akustik- gitarre, als Samba mit ausgiebigem Schlagzeugsolo des Meisters höchstpersönlich und als Mitgröl-Rockklassiker in einem daher kam. Wer da noch glaubt, dass der Meister uns nicht alle liebt, der hat den Gong nicht gehört. „Ihr seid so lieb, da ist viel Liebe auf dem Marktplatz“, betonte er. „Ich mache gleich vor Freude unter mich.“

Und weil es so schön war, waren die letzten Töne des Konzerts längst noch nicht verklungen, als das Feuerwerk der Schausteller den gelungenen Partyabend krönte.

Tatsächlich fast in die Hose, wenn auch nicht in die von Guildo Horn, wäre es am Samstag gegangen. Nachdem Deutschland nach dem Sieg gegen Portugal schon „gefühlter Weltmeister“ war, kam beim Spiel gegen Ghana Nervosität unter den vielen Fußballfans auf, die zum Public Viewing den Weg auf den Markt gefunden hatten. In der ersten Halbzeit passierte nichts außer „irgendwie nettem und ergebnisoffenem“ Fußball.

Meer aus Fahnen

Erst mit Götzes Tor in der 50. Spielminute verwandelte sich der Platz in ein schwarz-rot-goldenes Meer aus Fahnen. Da war kein Halten mehr unter den Fans. Wildfremde Menschen lagen sich in den Armen und verpassten sich gegenseitig die eine oder andere Bierdusche.

Doch die Ernüchterung folgte auf dem Fuße, als drei Minuten später Ghana ausglich und neun Minuten später wieder in Führung ging. Je leiser die Fans wurden, umso spannender wurde das Spiel. Diese extreme Spannung löste sich erst in der 70. Minute, als Miroslav Klose den sehnlich herbeigeflehten Ausgleich und dann noch einen fast perfekten Salto aus dem Stand schaffte. Wieder Jubel, Bier und gedämpfte Weltmeisterträume. Der Abend war auf jeden Fall gerettet, und so manches Tränchen, das schon im Augenwinkel auf seinen bitteren Einsatz wartete, vertrocknete ungeweint. Zum Glück.

Auf dem Markt wurde dann fröhlich weitergefeiert, um die Beinahe-Katastrophe zu vergessen. Schade, dass man das Spiel gegen Klinsmanns US-Mannschaft nicht auch auf dem Markt zusammen anschauen kann, lautete die einhellige Meinung der Fußballfans. Aber der nächste Lambertusmarkt kommt ganz bestimmt...

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