Grundschüler lernen, ein Feuer zu bekämpfen

Von: Anna Petra Thomas
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Wasser marsch! Mit dem Anschluss an den Hydranten hat es geklappt. Da sind die Kinder-Feuerwehrleute in Birgelen mächtig stolz. Foto: Anna Petra Thomas
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Schulleiterin Barbara Schillings, Mirjam Leipner sowie OGS-Leiter Torsten Breda (v. li.) lauschen den Befehlen, die Gregor Sanders (re.) gibt. Foto: Anna Petra Thomas

Wassenberg-Birgelen. „Rechtsrum geht alles fest“, sagt Feuerwehrmann Gregor Sanders. „Das ist linksrum! Rechtsrum!“, mahnt er seine kleinen, jungen „Kollegen“, die sich am Hydranten im Bürgersteig vor der Grundschule in Birgelen zu schaffen machen. Das große Klettergerüst auf dem Schulhof brennt, so das Szenario, und da muss die Kinder-Feuerwehr der Schule natürlich schnell ausrücken.

Am großen, roten Feuerwehrauto hat sich die Löschgruppe der Schule schon versammelt, in einheitlicher Ausrüstung: blaues Shirt mit Reflexstreifen und der Aufschrift Feuerwehr, dazu ein orangefarbener Helm. Sanders verteilt das notwendige Gerät, und dann geht‘s zunächst los Richtung Hydrant. Eigentlich eine Übung wie im richtigen Leben eines gestandenen Feuerwehrmanns, nur dass hier auf dem Schulhof die Schläuche eine Nummer kleiner zum Einsatz kommen. Nein, extra angefertigt worden sind die nicht. Für die Arbeit mit den Dritt- und Viertklässlern nimmt Sanders einfach nur die sogenannte Waldbrandausrüstung.

Er habe alle Vereine angeschrieben mit dem Wunsch, ihn mit Arbeitsgemeinschaften am Nachmittag zu unterstützen, erzählt Torsten Breda, Koordinator des offenen Ganztags an der Birgelener Grundschule. Zunächst hatte die Feuerwehr abgelehnt, mangels Personal. Doch dann erklärten sich Sanders und weitere Kollegen vom Zug II der Wassenberger Feuerwehr mit den Löschgruppen Birgelen, Effeld und Ophoven bereit, das Projekt zu wagen, alle zwei Wochen jedoch nur und immer am Freitagnachmittag.

„Als man noch selber dabei war“, schwelgt Sanders in alten Zeiten, seinen Zeiten bei der Jugendfeuerwehr in Birgelen. „Damals war die Jugendfeuerwehr einfach der Verein, wo man dabei war“, erzählt er. Heute sei das Freizeitverhalten von Kindern ein anderes. Sie fänden heute schon im Grundschulalter zu ihrem Hobby, und dann sei der Zulauf zur Jugendfeuerwehr eben nicht mehr da. Da biete eine solche AG in der Schule den Kindern jetzt eine zusätzliche Möglichkeit, sich für ein Hobby zu entscheiden. „Und wenn es Spaß macht, dann kommen die Kinder auch.“

Ein wenig gezögert habe er natürlich zunächst schon, gesteht Sanders. „Ich bin ja nur ein Hobbypädagoge.“ Doch so, wie die Kinder auf dem Schulhof ihren „Gregor“ auch heute wieder begrüßen, scheint davon nichts geblieben. Auf ein bestehendes Konzept konnten die gestandenen Feuerwehrleute nicht zurückgreifen. Da entwickelten sie den „Dienstplan“ für ihre Kinder-Feuerwehr kurzerhand selbst. Große Unterstützung erhielt Sanders dabei unter anderem von Wehrführer Holger Röth-ling, von Miriam Caron-Brack, der stellvertretenden Stadt-Jugendfeuerwehr-Wartin und vom ehemaligen Schulleiter Heinz Pütz, aber auch von vielen weiteren Kollegen in der Feuerwehr und vom Trägerverein der Ganztagsbetreuung. Zunächst sei da zudem die Frage aufgetaucht, ob solche Aktivitäten an einer Grundschule überhaupt erlaubt seien, erinnert sich Sanders. Das liege in der Verantwortung der Schule, habe es dazu aus dem Schulministerium geheißen. „Und wir wollten das verantworten!“, betont der Feuerwehrmann.

Die kleinen Feuerwehrleute, Jungen und Mädchen, haben inzwischen die Wasserleitung fachmännisch vom Hydranten zum Feuerwehrfahrzeug verlegt und von dort weiter zu einem Verteiler. Der erlaubt es jetzt, den fiktiven Brand mit drei Schläuchen gleichzeitig zu bekämpfen. Ganz vorne an der Wasserspritze steht Nina Lehnen (10) aus Effeld. Auch sie ist mit Begeisterung bei der Sache und mehr noch: Seit Ende vergangenen Jahres schon ist Nina Mitglied bei der Effelder Jugendfeuerwehr. Viel lernen könne man da, aber es mache auch viel Spaß, erzählt sie von den gemeinsamen Ausflügen in der Gruppe.

Bisher nur beobachtet hat ganz hoher Besuch das Treiben auf dem Birgelener Schulhof: Mirjam Leipner, Referentin im NRW-Ministerium für Inneres und Kommunales. Sie ist zugleich Leiterin der Arbeitsgruppe drei, Kinder, Schule und Feuerwehr im Projekt „Feuerwehrensache“. Dabei handelt es sich um ein Gemeinschaftsprojekt der Feuerwehren in NRW und des Ministeriums. Mehrere Kommunen seien schon beteiligt, auch in Heinsberg habe es bereits Vorgespräche gegeben, erklärt Leipner. Wenige Kinder-Feuerwehren existierten schon an Grundschulen, da seien es aber meist Lehrer, Mitarbeiter der OGS oder Väter, die sich dort engagieren würden. „Dass das so aufwendig sein kann, das ist schon herausragend“, lobte die Vertreterin des Ministeriums den Einsatz der Birgelener Kinder-Feuerwehr.

Natürlich gehe es in den eineinhalb Stunden am Freitagnachmittag nicht immer so spektakulär zu, räumt Sanders ein, vor allem im Winter nicht. Da stehe dann die Theorie im Dienstplan. Da gehe es zum Beispiel darum, einen Notruf richtig abzusetzen oder den Umgang mit einem Haushalts-Feuerlöscher zu erlernen. Aber auch Ausflüge habe er mit der Gruppe schon gemacht, erzählt der Ehrenamtler dann, zu den Feuerwehren nach Hückelhoven oder nach Heinsberg zur Drehleiter. „Auch einen Bach haben wir in einer Übung schon gestaut“, strahlt er.

„Das ist wie Abenteuerurlaub. Einfach machen. Die Kinder lernen beim Arbeiten.“ Am Anfang habe jedes immer vorne sein wollen. Mittlerweile hätten alle gelernt, arbeitsteilig in einer Mannschaft zu arbeiten. Und das gilt natürlich am Schluss fürs Aufräumen. Auch für die Kinder-Feuerwehr in Birgelen ist die Arbeit noch lange nicht getan, wenn der Brand gelöscht ist. Das hat sie auch schon von Gregor Sanders und seinen Kollegen gelernt.

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