Grünes Licht für Neubau in Neuhaus

Von: Helmut Wichlatz
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Abriss des ersten Gebäudes in Neuhaus im Januar. Foto: hewi

Erkelenz. Auf der ersten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses in diesem Jahr gab es nur ein Thema: die derzeitige Flüchtlingssituation und wie man ihr in Erkelenz gerecht werden kann. Die Verringerung der Zuzugszahlen, auf die man noch vor einigen Wochen gehofft habe, sei ausgeblieben, erklärte Bürgermeister Peter Jansen.

Daher sei die Baumaßnahme in der Notunterkunft Neuhaus unumgänglich. Denn angesichts der neuesten Zahlen von Dezember und Januar sei nicht mit einer Beruhigung der Lage zu rechnen.

Im Dezember waren 110 neue Flüchtlinge in Erkelenz angekommen, seit Januar waren es schon 179. Aktuell muss die Stadt 804 Flüchtlinge unterbringen. Sie sind in Übergangsheimen, städtischen Wohnungen und auch Hotels untergebracht. Darüber hinaus werden Wohnungen angemietet und erstmals musste wieder in eine Turnhalle (Gerderath) ausgewichen werden, um die Menschen unterzubringen.

Dazu kommen die rund 150 Flüchtlinge, die Erkelenz im Rahmen der Amtshilfe für das Land NRW unterzubringen hat, bis sie nach der Ersterfassung weiterverteilt werden. Dazu wurden in Lövenich Wohncontainer angemietet. Eine der Containeranlagen wird Ende Februar geräumt, die anderen im März und April. Die Gerderather und andere Turnhallen seien lediglich „Puffer“, betonte der erste Beigeordnete Dr. Hans-Heiner Gotzen.

Sie kommen zum Einsatz, wenn die Unterbringungskapazitäten vollständig ausgeschöpft sind. Kurzfristig will die Stadt Wohncontainer anmieten und in der Stadtmitte, in Kückhoven, Gerderath und Lövenich jeweils bis zu 80 Personen unterbringen.

Durch den Neubau eines Gebäudetraktes in der Notunterkunft Neuhaus soll zusätzlicher Raum geschaffen werden. Die dortigen Unterkünfte für Obdachlose stammen aus den 60er-Jahren und wurden vor einigen Jahren teilweise saniert. Das Gebäude Nummer 50 wurde schon im Januar rückgebaut. An seiner Stelle soll ein zweigeschossiges Gebäude in Containerbauweise errichtet werden, in dem rund 80 Personen in Mehrbettzimmer leben sollen. Die Maßnahme schlägt mit rund 1,35 Millionen Euro zu Buche.

In einem zweiten Bauabschnitt soll dann die Nummer 48 bei Bedarf ebenfalls rückgebaut und in Holzmodulbauweise neu aufgebaut werden. Während im ersten Neubau Einzelpersonen untergebracht werden sollen, ist die Ausführung des zweiten Gebäudes flexibel geplant, im die Raumgrößen variabel und bedarfsgerecht auf die Bedürfnisse von Familien anpassen zu können. Der zweite Bau soll im Bedarfsfall spätestens im Sommer 2017 errichtet werden. Denn man könne keine halbwegs sichere Prognose geben, ob der Bedarf in zwei Jahren noch gegeben sei, erklärte der technische Beigeordnete Ansgar Lurweg.

Die geplante Vorgehensweise in Neuhaus fand nicht bei allen Ausschussmitgliedern Zuspruch. Christopher Moll von den Freien Wählern kritisierte die fehlende Möglichkeit der Einflussnahme bei der Ausschreibung. Kalle Frings von der Bürgerpartei betonte, die Probleme seien hausgemacht. Er verwies erneut auf den Bauxhof, wo man die Flüchtlinge hätte unterbringen können. Die Gebäude sind aber bereits rückgebaut worden, da sie einer Wohnsiedlung weichen. In Erkelenz werde sozialer Wohnraum „systematisch vernichtet“, erklärte er und plädierte für eine Unterbringung der Flüchtlinge in den noch bewohnbaren Häusern in Immerath.

„Ich dachte, Karneval sei vorbei“, konterte Gotzen auf diese Einlassung und verwies auf die tagebauliche Inanspruchnahme Borschemichs und Immeraths. Darüber hinaus bekomme die Stadt von RWE Power Wohnungen für die Unterbringung der Flüchtlinge aus dem Liegenschaftsfundus des Unternehmens kostenlos zur Verfügung gestellt. Auch Hans Josef Dederichs von den Grünen sprach sich gegen eine „Ghettobildung“ aus, zu der es zwangsläufig käme, wenn zu viele Flüchtlinge an einem Ort konzentriert würden.

Nach der Anerkennung ziehe es die meisten Flüchtlinge in die Metropolen, weshalb der kreisweit prognostizierte Bedarf von 2000 Haushalten aus den Leerständen gedeckt werden könne, erklärte Gotzen. Somit bestehe der Handlungsbedarf vor allem aktuell. Der Ausschuss gab grünes Licht für das Bauvorhaben in Neuhaus.

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