Erkelenz-Gerderath - Grünen-Abgeordneter: Fingerspitzengefühl bei Integration

Grünen-Abgeordneter: Fingerspitzengefühl bei Integration

Von: Helmut Wichlatz
Letzte Aktualisierung:
9820362.jpg
Integration im Fokus: Maria Meurer, Arif und Hamidiye Ünal, Hans Josef Dederichs (v.l.). Foto: Helmut Wichlatz

Erkelenz-Gerderath. Zum politischen Frühlingserwachen hatten die Erkelenzer Grünen ins Hotel Zur Burg eingeladen. Im Fokus stand das Thema Integration, wozu der Landtagsabgeordnete Arif Ünal einiges zu sagen hatte.

Die Grünen-Sprecherin Maria Meurer betonte, dass das diesjährige Frühlingserwachen der Grünen im Rahmen einer Reihe von Veranstaltungen zu sehen sei, mit denen auf den fremdenfeindlich motivierten Überfall auf Flüchtlinge in Wassenberg reagiert werde.

Derzeit, so betonte sie, herrsche in der Gesellschaft eine positive Stimmung, die sich sehr von der rechten Stimmungsmache in den 90er Jahren unterscheide. Trotzdem sei das Thema mit Fingerspitzengefühl anzupacken. Mit dem Referenten habe man einen Grünen-Politiker gewinnen können, der das Thema kennt und seit Jahren bearbeitet.

Der 1980 aus der Türkei nach Deutschland eingewanderte Psychologe Ünal ist Vorsitzender des Integrationsausschusses und gesamtpolitischer Sprecher der grünen Landtagsfraktion. Gemeinsam mit seiner Frau Hamidiye hat er in Köln das Therapiezentrum für Folteropfer gegründet, in dem traumatisierte Flüchtlinge Hilfe finden. Also durchaus einer, der weiß, wovon er redet.

„Deutschland muss anerkennen, dass es ein Einwanderungsland ist“, sagte Ünal. Auch seiner Rolle bei der Aufnahme von Flüchtlingen müsse es sich stellen. Rund 200.000 Flüchtlinge könnten in Deutschland dauerhafte Aufnahme finden, erklärte er. Ein Problem sei die Unterbringung. Gerade in den Großstädten sei der Wohnungsmangel groß. Die dezentrale Unterbringung sei oftmals nicht möglich. Hier müssten die Kommunen vom Land mehr Unterstützung bekommen.

Neben der Sicherung des Schulbesuches sei auch die psychosoziale Betreuung von Menschen aus Kriegsgebieten wichtig. Auch sei eine Versicherungskarte wichtig, die einen unkomplizierteren und vor allem für die Gesellschaft preiswerteren Arztbesuch ermögliche. „Billiger und menschenwürdiger“ nannte er die Ausgabe der Karten. Hier sei Münster mit der Einführung entsprechender Karten für Flüchtlinge wegweisend. Eine „Kettenduldung“ über Jahre hinweg dürfe es nicht geben.

Es sei nicht zumutbar, dass Familien über Jahre hinweg mit dem Status der Duldung leben und eine Zukunft aufbauen müssten. Viele Flüchtlinge seien auch „auf dem kleinen Dienstweg“ bei Verwandten untergekommen. Rund 10.000 Syrer seien derzeit als Gäste bei ihren Familien in Deutschland, schätzte Ünal.

Neben den Flüchtlingen gilt sein Engagement auch den Immigrantenfamilien, die oftmals schon in dritter oder vierter Generation in Deutschland lebten. Viele ältere Immigranten würden heute zur Pflege in ihre Heimatländer reisen, weil eine seniorengerechte Betreuung dort billiger sei. Diese Leistungen müssten von deutschen Kassen übernommen werden, da es preiswerter sei als eine entsprechende Pflege in deutschen Einrichtungen. In NRW sei man schon auf dem Weg zu einer gesellschaftlichen Integration.

Den Deutschen bescheinigte Ünal, auf Pegida und fremdenfeindliche Tendenzen „besonnen und angemessen“ reagiert zu haben. In der anschließenden Diskussion stellte Ünal auch seine Arbeit in der Traumatherapie vor, zu der auch Patienten aus dem Erkelenzer Raum kämen.

Gemeinsam mit seiner Frau Hamidiye hat er das Zentrum aufgebaut und schult auch Mediziner und Therapeuten für die Behandlung traumatisierter Flüchtlinge. Auch hier lobte er das ehrenamtliche Engagement vieler Mediziner, die die Betreuungsarbeit der Initiativen und Hilfsgruppen unterstützen.

Dass Deutschland zukünftig nicht ohne Zuwanderer auskommen könne, sei bekannt, erklärte Ünal. Rund 200.000 Menschen müssten es sein, um den derzeitigen Stand aufrechterhalten zu können.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert