Großer Andrang bei Selbstverteidigungskurs für Frauen

Von: Helmut Wichlatz
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Crashkurs in Sachen Selbstverteidigung: Einfache Tricks und Kicks lernen und Selbstbewusstsein tanken. Foto: hewi

Hückelhoven-Hilfarth. In der Trainingshalle an der Marienstraße stehen Frauen rund um den Sparringsring und schauen zu, wie Trainer Sergej Kress seinen Kollegen leicht und elegant auf den Boden befördert. Immer wieder und immer mit Erklärungen. Dann sind die Frauen dran.

Der Aufruf hatte nur wenige Tage bei Facebook gestanden, da hatte er schon über 100.000 „Likes“ und war etliche Male geteilt worden. Die Kampfsportschule Phra Phikanet hatte angesichts der Vorkommnisse in Köln in der Silvesternacht zu einem kostenlosen Workshop eingeladen.

Über hundert Frauen aller Altersgruppen waren dann gekommen, um von Michael Seefeld und seinem Trainerteam in einem Crashkurs erste Schritte der Selbstverteidigung zu lernen.

Als er die Nachrichten aus Köln gehört hatte, wurde er wütend, erzählte Seefeld am Rande der Veranstaltung. „Frauen werden wie Freiwild behandelt, und das geht gar nicht!“, betonte er. Das sei nicht erst seit den Vorfällen der Silvesternacht so. Bislang wurden die Kursangebote von Frauen jedoch kaum wahrgenommen, räumte auch Trainerin Irmi Schmitz ein.

„Jetzt auf einmal scheinen sie sich der Gefahr bewusster zu sein“, vermutet sie. Das sagt auch Heidi Bartels aus Brachelen. Obwohl sie einen schwarzen Gürtel in Judo hat, sei sie nicht sicher, ob sie sich noch effektiv verteidigen könne. „Das muss man regelmäßig üben“, sagt sie. „Dann kann man auch selbstbewusst auftreten.“ Der Workshop sei auch ein Anstoß, um wieder einmal etwas zu machen.

Mit ihr trainieren Nicole Weber und Barbara Beyer. Die beiden jungen Frauen stammen aus Viersen und Mönchengladbach. Von dem Workshop hatten sie über das soziale Netzwerk erfahren. „Man sollte die Ereignisse nicht überbewerten“, sagt Weber. „Ich habe keine Lust mich zu verkriechen.“

Also lerne sie, wie man sich wehrt. Und wie man die Umstehenden motiviert einzuschreiten. Denn nicht wenige der Frauen beklagen eine Kultur des Wegschauens, wenn es zu Belästigungen im öffentlichen Raum kommt. Auch hier wussten die Trainer Rat: Einfach die Umstehenden persönlich ansprechen und zur Hilfe auffordern.

Natürlich könne man in vier Stunden nicht alles erlernen, doch sei es schon ein wichtiger Schritt, wenn die Frauen selbstbewusster auftreten. Die Techniken, die die Frauen an dem Vormittag kennenlernten, stammten aus verschiedenen Kampfsportarten und waren danach zusammengestellt worden, wie schnell man sie auch als ungeübter Mensch anwenden kann.

„Das soll keine Werbeveranstaltung für unsere Schule sein“, betont Michael Seefeld. Ihm sei es wichtig, dass die Frauen überhaupt Selbstverteidigung üben. In den Kampfschulen seien Frauen immer noch in der Minderheit. „Wir wollen ja nicht, dass jetzt alle Kampfsportlerinnern werden“, betont Irmi Schmitz. „Aber wer weiß, wie er sich wehren kann, tritt selbstbewusster auf und nicht wie ein Opfer.“ Und die suchen die Täter auf den Straßen.

Die Kampfschule Phra Phikanet ist auch Landesstützpunkt für Krav Maga. Diese Disziplin wurde in Israel entwickelt und vereint die effektivsten Techniken aus anderen Kampfsportarten. Eine Weisheit gaben Seefeld und seine Kollegen den Frauen mit auf den Weg: „Der beste Kampf ist der, dem man ausweichen kann.“

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