Gollenstede: Eine Institution in Sachen Kultur

Von: Rainer Herwartz
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Reiner Gollenstede (rechts) und Marcus Mesche bieten in ihrer Buchhandlung schon seit Jahren spannende Veranstaltungen mit interessanten prominenten und weniger prominenten Gästen. Foto: Rainer Herwartz

Heinsberg. Dass vielen Innenstädten die Trostlosigkeit droht, wenn es nicht gelingt, den Einzelhandel am Leben zu erhalten, ist mittlerweile ein alter Hut. Besser wird es dadurch allerdings nicht, denn die Bedeutung eines florierenden Einzelhandels für eine Kommune ist weit vielschichtiger als dies die Gewerbesteuereinnahmen in der Haushaltsbilanz widerspiegeln. Ein besonders gutes Beispiel hierfür ist die Buchhandlung Gollen-stede an der Heinsberger Hochstraße.

„Was ist das für eine Kultur, wenn der Einkauf in der realen Welt vor Ort zugunsten einer virtuellen Welt aufgegeben wird?“, sagt Seniorchef Reiner Gollen-stede. „Das Leben spielt sich doch hier ab. Der Kunde unterstützt ja nicht nur uns, sondern auch die Region, wenn er hier einkauft. Er weiß, dadurch werden Arbeitsplätze geschaffen oder Kindergärten gebaut, alles, was eine Kommune über die Gewerbesteuereinnahmen gestaltet.

Wenn das nicht gefördert wird, sondern stattdessen wie zum Beispiel in Thüringen und Brandenburg die Wirtschaftsminister im Jahr 2013 ganze 14 Millionen Euro an Fördermittel an Amazon zahlen oder im letzten Jahr Zalando in Thüringen 35 Millionen Euro für die Ansiedlung eines Logistikzentrums erhält, dann veröden irgendwann die Mittelzentren.“ Die Einzelhändler hingegen übernähmen Verantwortung für ihre Stadt.

Am 1. Oktober dieses Jahres werden es genau 30 Jahre her sein, da Reiner Gollenstede, der geborene Oldenburger, in der Kreisstadt seine Zelte aufschlug. Mit einem Geschäft für Bürobedarf, das auch einen kleinen, auf nur 25 Quadratmeter beschränkten Bereich für den Buchverkauf besaß. „Dort“, sagt Gollenstede, „wo heute das Handelshaus Heinrichs zu finden ist.“ Fünf Jahre später sei er dann in die heutige Heinsberg Galerie umgesiedelt.

Das sei so ziemlich genau der Zeitpunkt gewesen, als die ersten Lesungen bei ihm stattgefunden hätten, erinnert sich Gollenstede. Der Grundstein für eine Entwicklung, die den Buchhändler und seinen Sohn Marcus Mesche heute in Heinsberg und Umgebung längst zu einer Institution und einem kulturellen Schwergewicht haben werden lassen.

„Unseren ersten richtig guten Auftritt hatten wir dann so 1995, als die kleine Kempener Grundschule den zweiten Preis auf Bundesebene bei dem Wettbewerb ,Wir schreiben ein eigenes Buch‘ erhielt. Wir haben als Mitglied des Börsenvereins die Preisverleihung organisiert.“

Um diese Zeit herum habe er auch damit begonnen, Bücher nicht mehr nur zu verkaufen, sondern auch zu verlegen. „Unser erster Autor war der frühere Kreisdirektor Dr. Theo Esser. Es gab in dieser Zeit kaum Literatur über Heinsberg. Da haben wir gedacht, dann machen wir es doch selber.“

Ein Gedanke der sich bei Gollenstede allerdings nicht nur auf die Verlagsarbeit beschränken sollte. „Mittlerweile haben wir schon mehrere hundert Veranstaltungen gestemmt, von der Lesung über Kabarett-Abende bis hin zu moderierten Gesprächsabenden.

Meine Idee war, warum müssen die Prominenten Namen immer nur in den Metropolen auftreten, wenn man sie auch in die Provinz holen kann, wo sie zudem besser betreut und besser wahrgenommen werden?“ Geschätzte 20 bis 30 000 Besucher hätten diese Veranstaltungen insgesamt wohl besucht, schätzt Gollenstede. Viele reisten sogar aus Bonn, Düsseldorf oder Münster an.

Auch der intellektuelle Unruheständler pendelt mittlerweile unregelmäßig zwischen seinen Wohnungen in Heinsberg und Brake, wo er sich mit Begeisterung als Hobby-Bauer betätigt. Sorgen um sein Lebenswerk braucht er sich nicht zu machen, denn Marcus Mesche führt nicht nur die Geschäfte, sondern auch das kulturelle Engagement in Heinsberg erfolgreich weiter.

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