Goethes Klassiker als Puppenspiel mit modernen Medien und Musik

Von: Anna Petra Thomas
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Die für das große Finale angekündigten „Wassenberger Chöre“ waren die kleinen Fingerpuppen auf Ralf Kiekhöfers Händen. Foto: Anna Petra Thomas

Wassenberg. Mit dem Stück „Engel mit nur einem Flügel“ ist Ralf Kiekhöfer vom Puppentheater Töfte aus Halle in Westfalen schon Dauergast in der Betty-Reis-Gesamtschule in Wassenberg. Jetzt brachte er der Oberstufe ein neues Stück mit, das im November 2016 zwar schon Premiere gefeiert hatte, welches er aber in Wassenberg erstmals vor Abiturienten spielte und sich damit zugleich ihrer konstruktiven Kritik stellen wollte.

„Faust. Eine Verdichtung“ heißt das Stück, das in 67 Minuten die wesentlichen Inhalte von der „Tragödie erster Teil“ präsentiert oder, wie es Kiekhöfer in seiner Begrüßung erklärte, mit 371 von insgesamt 12 111 Versen eine „liebevolle Interpretation“ des Ganzen bietet. Dafür braucht Kiekhöfer nicht allzu viel: sich selbst, zwei Holzboxen, einen Hocker und einen alten, manuellen Diaprojektor, in den man die Bilder noch einzeln hineinschieben muss.

Das tut Kiekhöfer im Stück auch zuerst. Er zeigt Bilder von Faust-Inszenierungen seit Erfindung der Fotografie, alte und ganz moderne, darüber hinaus welche im Puppentheater. Womit er dann beim Thema wäre.

Drei Hauptfiguren

Als Puppen dabei sind natürlich wie in der 1808 von Johann Wolfgang von Goethe veröffentlichten Tragödie der Heinrich Faust, der Teufel Mephisto und Gretchen, in die sich Faust verliebt.

Faust richtet sie jedoch zugrunde, indem er sie verführt und dabei schwängert und indem er den Tod von Gretchens Mutter und Bruder herbeiführt. Gretchen bringt ein uneheliches Kind zur Welt, tötet es, aus Verzweiflung halb wahnsinnig geworden, und wird daraufhin verhaftet. Faust will sie mit des Teufels Hilfe vor der Hinrichtung retten, vergeblich jedoch.

Interessant macht das Stück ein sehr abwechslungsreiches Spiel, das moderne Medien nutzt und auch vor der Untermalung durch aktueller Rock- und Popmelodien nicht Halt macht.

Idee hinter dem Stück sei, dass die Figur des Faust auch für die heutige Zeit stehen könne, erklärte Kiekhöfer den Schülern in der anschließenden Gesprächsrunde. In einer Zeitung habe er gerade erst von der neuen „faustischen Zeit“ gelesen, sagte er. Und so hatte er auch schon ganz am Anfang des Stücks, wo Faust alleine spricht, ganz moderne Verse eingeflochten, die sich durchaus als Betrachtung der aktuellen politischen Situation in Deutschland einordnen lassen. „Rechts ist das neue Links, Dumm ist das neue Schlau“, heißt es da.

Der Puppe des Gretchens lackiert er die Nägel und verlässt sogar die Szenerie, in der er die Puppe Faust in einer aktuellen Literaturkritik lesen lässt. In einer anderen Szene sinniert Kiekhöfer in einem Gespräch mit Mephisto sogar selbst über sein Puppenspiel.

Abwechslungsreich ist das Spiel, jedoch nicht so ausgeprägt, das sich der Zuschauer von der eigentlichen Handlung zu weit entfernen würde.

Und so bekam Kiekhöfer natürlich nach der Veranstaltung auch viel Lob von den Schülern, viel mehr, als er sich erhofft hatte. „Fantastisch, das hat Spaß gemacht!“, betont einer von ihnen. Die modernen Passagen im Stück würden verdeutlichen, dass die Botschaft auch heute noch aktuell sei, bemerkte eine Schülerin.

Nur ganz am Ende, da hätte sich eine andere Schülerin die Katastrophe noch ein bisschen dramatischer gewünscht. Das nahm Kiekhöfer aus Wassenberg gerne als Anregung mit in seine nächste Aufführung.

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