Glücksgefühle im Büro: Warum Vierbeiner gut für das Arbeitsklima sind

Von: Annika Thee
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Einige Arbeitgeber in Heinsberg erlauben Hunde im Büro. Foto: Annika Thee

Kreis Heinsberg. Aufdringlich, schmutzig, nervig. Das sind drei Attribute, die viele Menschen Hunden zuschreiben, wenn sie sich mit ihnen keinen Arbeitsplatz teilen wollen. Selbst Arbeitgeber, die privat keine Abneigung gegen Hunde haben, bevorzugen es oft, wenn ihre Angestellten die Vierbeiner zu Hause lassen. Sie haben Angst, dass Hunde zu sehr ablenken, Kunden vergraulen oder für zu viel Aufruhr im Büro sorgen. Zu Recht?

Hunde leisten Erstaunliches: verlorene Menschen aufspüren, Behinderte im Alltag unterstützen, Blinde durch die Stadt führen, den Zoll und die Polizei bei ihrer Arbeit unterstützen. Besuchs- und Therapiehunde lenken Menschen mit besonderen Bedürfnissen vom tristen Aufenthalt in Krankenhäusern und Heimen ab.

Auch Hunde ohne spezielle Ausbildung haben positive Effekte auf die Atmosphäre am Arbeitsplatz. Im Kreis Heinsberg sind sie an manchen Arbeitsplätzen kaum noch wegzudenken. Das gilt auch für das Lambertus-Seniorenzentrum in Hückelhoven. Hund Oskar kommt jeden Tag mit zur Arbeit seiner Besitzerin. Die Bewohner schätzen Oskars Anwesenheit, denn einsam fühlt sich in seiner Nähe niemand, sagt seine Besitzerin, die Pflegedienstleiterin Heike Poullie. Der Hund sei auf Wunsch einiger Bewohner schon Begleiter am Sterbebett gewesen und inzwischen ein unverzichtbarer Teil des täglichen Miteinanders.

Win-win-Effekt

„Es ist ein Win-win-Effekt für alle“, sagt Marcel Ballas, Geschäftsführer der Lambertus gGmbH. Hunde förderten nicht nur die Bewegung der Bewohner, sondern erwiesen sich auch als wirksame Therapie gegen Einsamkeit und depressive Phasen. Die Tiere seien wichtiger Bestandteil im Tagesablauf und eine Bereicherung für alle. „Der positive Einfluss, den die Hunde auf alte und demente Menschen haben, ist offensichtlich“, stimmt auch Daniel Beckers, Prokurist der Lambertus gGmbH zu. Auch Mitarbeiter der drei Tagespflegeeinrichtungen in Gerderath, Ratheim und Hückelhoven bringen täglich ihre Hunde mit zur Arbeit. Keiner der Hunde habe eine spezielle Ausbildung als Therapiehund gemacht, sie hätten aber alle „ein freundliches, geduldiges und gehorsames Wesen“, sagt Beckers.

Claudia Lange bringt ebenfalls ihre französische Bulldogge und ihren Labrador-Mix abwechselnd jeden Tag mit zur Arbeit. Die Sachbearbeiterin bei einer Versicherung in Heinsberg kann die positiven Effekte bestätigen. „Bulldogge Balthasar kommt bei Kunden und Kollegen gut an. Er trägt sogar zur Kundenbindung bei“, sagt sie. Zudem trage er zu einem ruhigen und achtsamen Umgang am Arbeitsplatz bei. Erst ein Mal sei es vorgekommen, dass ein Kunde darum gebeten habe, den Hund anzuleinen, sagt Claudia Lange, die ehrenamtlich beim Tierschutzverein Heinsberg aktiv ist.

Wissenschaftliche Studien bestätigen die positiven Effekte, die einzelne Betriebe in Heinsberg bereits bei ihren Bürohunden beobachtet haben.

Die schwedische Wissenschaftlerin Linda Handlin hat herausgefunden, dass die Burn-out-Gefahr sinkt, wenn regelmäßig Hunde mit ins Büro kommen. Hunde sorgen dafür, dass die Mitarbeiter das Hormon Oxytocin ausstoßen. Und das löst Glücksgefühle aus – und hemmt Stress. Dass die Mitarbeiter gesünder, motivierter, flexibler und engagierter seien und die Gefahr von Dauerstress gemindert werde, fand Randolph Barker von der Virginia Commonwealth University heraus. Die vertretene Meinung, dass ein Hund im Büro das Kollegium zu sehr von der Arbeit ablenke, hat er widerlegt.

Wissenschaftliche Studien

Weitere positive Auswirkungen hat Matt Christinsen im Jahr 2012 in einer Studie der Central Michigan University herausgefunden: Das Betriebsklima verbessere sich durch Bürohunde deutlich, die Teambildung werde angekurbelt und die Mitarbeiter würden sich stärker mit dem Unternehmen identifizieren. „All diese positiven Effekte tragen für die Arbeitgeber zur Ertragssteigerung durch motiviertere Mitarbeiter und weniger krankheitsbedingte Ausfälle bei“, sagt Markus Beyer, 1. Vorsitzender des Bundesverbands Bürohund.

Eine 2014 vom Netzwerk Xing in Auftrag gegebene Studie zeigte, dass mehr als ein Drittel der Arbeitnehmer angeben, dass ein Hund am Arbeitsplatz den Arbeitgeber attraktiver mache.

Gesetzlich gilt aber: Abgesehen von Therapie- und Begleithunden hat der Arbeitnehmer keinen Anspruch einen Hund mit an den Arbeitsplatz zu nehmen.

Und nicht jeder Arbeitgeber freut sich, wenn seine Angestellten Hunde mit ins Büro bringen. Denn Chefs haben eine Fürsorgepflicht für alle Mitarbeiter – und dazu zählen auch die, die keine Hunde mögen. Im Kern gibt es drei Argumente gegen Hunde am Arbeitsplatz.

An erster Stelle stehen Allergien von Mitarbeitern. „Das Robert-Koch-Institut hat herausgefunden, dass ungefähr fünf Prozent der Erwachsenen sensibel auf Tierhaare reagieren, aber nur drei Prozent tatsächlich eine Tierhaarallergie haben“, sagt Markus Beyer. Diese Allergien können für die Betroffenen nicht nur unangenehm sein, sondern unter Umständen zu Atemnot führen, so dass sie nicht mit Hunden in Berührung kommen dürfen. In manchen Büros können die Hunde nicht räumlich von den Allergikern getrennt werden. Dann ist es nicht möglich, dass Tiere mit zur Arbeit kommen.

Das zweite Gegenargument ist die Angst vor Hunden. „Meist haben die Betroffenen nicht unbedingt Angst vor dem Hund an sich, sondern vor dem Kontrollverlust“, erklärt Markus Beyer. Manche Angestellte hätten Angst davor, dass ein Hund sie anspringt, beißt und dabei ernsthaft verletzt. Diese Angst müssten Arbeitgeber und Hundehalter gleichermaßen respektieren und ernst nehmen. Zwar könne es helfen, wenn der Hund außerhalb seines Rückzugsortes an der Leine geführt werde, sagt Beyer. Das mindere die Angst der Betroffenen aber nur bedingt. Allein die Anwesenheit eines Hundes kann manche Menschen in einen Angstzustand versetzen, der konstruktives Arbeiten nicht mehr möglich macht.

Drittens verbieten Arbeitgeber Hunde häufig, weil sie Angst davor haben, einen Präzedenzfall zu schaffen, so dass dann jeder ein Haustier mitbringt. Markus Beyer versucht das Argument zu entkräften: „Es geht nicht um den Hund als ‚Haustier‘, sondern um den Hund als ‚Gesundheitsmaßnahme‘ für die Mitarbeiter“, sagt er. Ein Hund dürfe aber trotzdem kein Werkzeug zur Effizienzsteigerung sein, sondern solle immer als Team-Mitglied angesehen werden, fügt Beyer hinzu.

Arbeitsschutz für Hunde

Generell gelte: Der Arbeitsschutz für Menschen müsse auch für Hunde eingehalten werden, sagt er. Die Tiere benötigten im Büro einen Rückzugsort und einen Besitzer, der die Stresssignale seines Hundes wahrnimmt. Außerdem eigne sich nicht jeder Hund dazu, mit ins Büro zu kommen. Unruhige, ängstliche oder aggressive Hunde sollten nicht mit zur Arbeit kommen, um den Kollegen und auch dem Hund Stress und Frust zu sparen. Wenn aber das Vertrauensverhältnis zwischen Hund und Halter stabil sei und alle Mitarbeiter einverstanden seien, könne der Hund zur Bereicherung werden.

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