Wassenberg - Glocken läuten in Wassenberg nach neun Jahren wieder

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Glocken läuten in Wassenberg nach neun Jahren wieder

Von: Anna Petra Thomas
Letzte Aktualisierung:
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Seltenheitswert hat der 30 Meter hohe Kirchturm der Wassenberger Kreuzkirche, denn er besteht aus zwölf Aluminiumrohren. Am Reformationstag läuteten hier nach neun Jahren erstmals die Kirchenglocken wieder. Foto: Anna Petra Thomas
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Pfarrerin Sabine Frauenhoff und Presbyter Dr. Hans-Georg Hörster freuen sich sehr, dass es gelungen ist, mit Unterstützung aus der RWTH Aachen die Glocken im Kirchturm neben der Kreuzkirche wieder zum Läuten zu bringen. Foto: Anna Petra Thomas

Wassenberg. Gleich aus zwei Gründen lockte der Reformationstag viele Menschen in die Wassenberger Kreuzkirche. Zum einen wollten auch sie dem Wirken Martin Luthers gedenken, zum anderen aber dem Geläut der Kirchenglocken lauschen, die vor neun Jahren verstummt waren.

„Wann läutet es denn?“ fragte ganz gespannt am Eingang auch Propst Thomas Wieners, der aus der katholischen in die evangelische Kirche gekommen war, um mit Pfarrerin Sabine Frauenhoff und Prädikant Ralf Schachow Gottesdienst zu feiern.

Bis zur Predigt mussten sich alle gedulden. Dann griff die Pfarrerin zur neuen Fernbedienung und läutete alle drei Glocken, eine nach der anderen. Zu Jahresbeginn sei es ein Traum gewesen, wieder in allen drei Kirchen der Kirchengemeinde, in der Hof- und in der Kreuzkirche in Wassenberg sowie in der Erlöserkirche in Wegberg-Dalheim, die Glocken läuten zu können, hatte sie zuvor erklärt.

Über 40 Jahre hätten die am 1. April 1965 eingebauten und zwei Tage später geweihten Glocken die Botschaft Gottes hinausgerufen und zum Gottesdienst eingeladen. Vor neun Jahren jedoch habe niemand mehr die Garantie für die Sicherheit des einzigartigen, 30 Meter hohen Turms, bestehend aus zwölf Aluminiumrohren mit einem Durchmesser von nur 2,20 Meter, übernehmen wollen.

Dr. Hans-Georg Hörster, Presbyter aus Dalheim, nahm sich der Problematik an. Vor Diagnose und Therapie sei es ihm um die Anamnese gegangen, erklärte er den Gottesdienst-Besuchern sein Tun mit seinen ihm als Arzt eigenen Fachbegriffen. „Mein Ziel war nicht die Notschlachtung“, schmunzelte er.

Nein, in Zusammenarbeit mit Experten der RWTH Aachen sei es gelungen, die Glocken wieder zum Läuten zu bringen. Im Inneren des Turmes befinde sich ein Ringpendel, um die starke Schwingung des leichten Aluminiumturms zu bremsen, erklärt Hörster. Die Reibungselemente dieses Pendels seien teilweise blockiert gewesen durch die Leitungen zu einer Mobilfunk-Station oben am Turm. Dies wurde behoben und so können die Glocken jetzt dank eines intakten Ringpendels wieder geläutet werden.

In ihrer Predigt stellte Sabine Frauenhoff die drei Glocken der Kreuzkirche vor und läutete sie dann mittels Fernbedienung gleich einzeln kurz an. „Jetzt muss auch keiner mehr in die Sakristei stürmen“, freute sie sich über diese zusätzliche Neuerung. Mucksmäuschenstill war es in der Kirche, als um 11.13 Uhr als erste die kleinste Glocke, die Taufglocke, mit ihrem hellen Klang wieder zu hören war. Sie werde geläutet bei Taufen und Konfirmationen. „Jauchzet dem Herrn alle Welt“, laute ihre Inschrift. „Dienet dem Herrn mit Freude“ heiße es auf der mittleren Glocke, Gebetsglocke genannt, so die Pfarrerin.

Sie werde während des Gottesdienstes beim Vaterunser geläutet. Die tiefste der drei Glocken schließlich, die Sterbeglocke, sei bei Beerdigungen zu hören. „Das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren sind. Uns aber, die wir selig werden, ist´s eine Gotteskraft“, stehe auf ihr zu lesen. Eigentlich sei die Totenglocke, wie sie auch genannt werde, dann eigentlich doch eine Hoffnungsglocke, betonte Sabine Frauenhoff. „Sie erinnert uns daran, dass das Kreuz Jesu zum Baum des Lebens geworden ist.“

Wie Dr. Hans-Georg Hörster huschte auch ihr ein Lächeln übers Gesicht, als nach dem letzten Orgelspiel dann alle drei Glocken gleichzeitig erklangen. „Sei werden uns ab sofort wieder rufen“, freute sich Sabine Frauenhoff, eine halbe Stunde vor Beginn des Gottesdienstes für fünf Minuten und noch einmal die letzten zehn Minuten vor Beginn.

Während des Vaterunsers läutet die Gebetsglocke und am Ende des Gottesdienstes sind noch einmal alle Glocken zu hören. „Wir sind da großzügig“, schmunzelte sie mit Blick auf das Geläut in den katholischen Kirchen. Allerdings werde in der evangelischen Kirche grundsätzlich nur zu Gottesdiensten geläutet, sonst nicht, erklärte sie.

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