Gleich elf Mal Nachwuchs in nur einem Unternehmen

Von: kalauz
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Elf Mitarbeiterinnen der St.-Gereon-Seniorendienste sind zur Zeit schwanger. Die Frauen trafen sich mit Geschäftsführer Bernd Bogert. Foto: kalauz

Hückelhoven-Brachelen. „Wir sind zwar betroffen, aber nicht beteiligt. Und damit sind wir bei St. Gereon alle ein wenig schwanger“. Bernd Bogert kommentiert damit treffend den „Zustand“ der Einrichtung, deren Geschäftsführer er ist.

Es ist wohl eine kleine Sensation: Elf Mitarbeiterinnen der St.-Gereon-Seniorendienste sind zur Zeit in freudiger Erwartung. Sie erwarten ein Kind. Das ist für die jungen Frauen schön – und für das Unternehmen eine besonders angenehme Herausforderung.

„Es ist heute selten, dass so viele Frauen in einem Unternehmen gleichzeitig schwanger sind und sich einige bereits in Elternzeit befinden“, sagt Bogert. „Wir wollen mit den zukünftigen Müttern weiterhin Kontakt halten, auch wenn sie schwangerschaftsbedingt von der Arbeit freigestellt sind und anschließend in Elternzeit gehen.“

Vor ganz vielen Fragen stehen natürlich die Frauen, die die Tage bis zur Geburt ihres Kindes zählen. Für viele ist es das erste Kind, andere haben schon Erfahrungen mit einer Schwangerschaft hinter sich. Yvonne Criens zum Beispiel sieht ihrer dritten Geburt entgegen: „Eigentlich hatten wir die Familienplanung abgeschlossen. Als ich wegen Magenkrämpfen ins Krankenhaus gekommen bin, hat man mir gesagt, dass ich schwanger bin. Trotz Pille. Ich habe geheult, mein Mann hat sich riesig gefreut“, sagt sie.

Da ihre beiden zweieinhalb und zehn Jahre alten „Kleinen“ aus dem Gröbsten raus sind, hat Yvonne Criens den Fokus wieder auf ihren Beruf gerichtet: „Ich bin bei den St.-Gereon-Seniorendiensten gerade Leiterin Sozialer Dienst geworden. Da hatte ich natürlich auch ein wenig Bammel, was mein Arbeitgeber sagen würde, wenn ich ihm die frohe Botschaft mitteilen würde.“

Die gelernte Heilpädagogin und Familientherapeutin sieht jetzt sogar eine Win-Win-Situation für den Betrieb und sich in der neuen Situation: „Ich kann alle betroffenen Frauen als selbst Betroffene beraten, kann Rückbildungsgymnastik anbieten, außerdem werden wir sicher eine Krabbelgruppe im Senioren- und Pflegeheim Haus Berg einrichten“.

Da findet sie bei Elisabeth Schmitz eine Verbündete: „Einen Raum dafür werden wir finden“, sagt die Leiterin Personalwesen für die St-Gereon-Seniorendienste. Sie wird die Frauen auch nach der Entbindung „betreuen“. Die 21-jährige Anna wird sicher auf sie zukommen, für sie ist es nämlich die erste Schwangerschaft, das Kind wird bald kommen, man sieht es deutlich, sie ist in der 38. Woche.

„Es wird ein Mädchen und heißt Susi, stimmt‘s?“, flunkert Bernd Bogert. „Nee“, sagt Anna, „es wird ein Junge, und er heißt Ben“. Ist sie nervös? „Nervös?“, sagt sie, „ich hab richtig Angst“. Anna macht im Seniorenheim Haus Berg ihre Ausbildung zur Altenpflegerin, ist im dritten Ausbildungsjahr. „Mir ist es ganz wichtig, die Ausbildung abzuschließen“, sagt sie. Deshalb wird sie nach den acht Wochen Elternzeit wieder mit der Arbeit beginnen. „Mein Freund hat genau dann seine Ausbildung abgeschlossen, dann nimmt er Elternzeit. Das klappt prima“.

Auch die 23-jährige Berenice ist noch in der Ausbildung, im zweiten Jahr. Sie erwartet ihr zweites Kind, und auch für sie ist klar, dass sie nach der Geburt unbedingt wieder zurück in den Beruf will: „Das ist schon alles organisiert, eine Tagesmutter haben wir auch schon“.

Claudia Schröder, Mitarbeiterin einer gesetzlichen Krankenkasse, ist Fachfrau. Sie wurde von den Schwangeren mit Fragen gelöchert. Und sie hatte auf die meisten eine profunde Antwort und konnte viele Ratschläge geben.

Es sei sehr schön, dass sie sich austauschen können und dass sie so viele seien, die beim selben Arbeitgeber zur gleichen Zeit ein Kind erwarteten. 358 Euro stellt dieser übrigens jeder Mitarbeiterin nach der Entbindung als Beihilfe für die junge Familie zur Verfügung.

Ja, es sei gut möglich, dass man sich vor und auch nach der Geburt regelmäßig treffe, Probleme bespreche und Erfahrungen austausche, möglicherweise alle vier bis sechs Wochen. „Wir überlegen außerdem, ob wir bei diesen Treffen eine Babykrippe im Haus Berg einrichten“, sagt Geschäftsführer Bernd Bogert. Das wäre in einem Seniorenhaus sicher ein belebendes Element. Und es würde überdies bestens in das Leitmotiv passen, das sich die St.-Gereon-Seniorendienste gegeben haben: „Wir pflegen Menschlichkeit“.

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